Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Der Klang muss fließen

Marburger Konzertchor singt h-Moll-Messe Der Klang muss fließen

Sie gilt als Meilenstein der Musikgeschichte: Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe. Umso bemerkenswerter ist es, dass nach der Kantorei der Elisabethkirche nun auch der Marburger Konzertchor das Werk aufführt. Zu hören ist es am Sonntag ab 18 Uhr.

Voriger Artikel
Mal glücklich, mal „extrem sauer“
Nächster Artikel
Knallharter Thriller mit vielen Top-Stars

Der Marburger Konzertchor hat die h-Moll-Messe zuletzt 2005 aufgeführt. Am Sonntag singt er Bachs Meisterwerk ab 18 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul in der Biegenstraße.Foto: Konzertchor

Marburg. Für Richard Wagner war der 1685 in Eisenach geborene und 1750 in Leipzig gestorbene Johann Sebastian Bach nicht weniger als ein „musikalischer Wundermann“. Er hat unglaublich viel komponiert: Kammermusik, Orchestermusik und große Chorwerke wie die Messe h-Moll. Nach Ansicht des berühmten Kritikers Joachim Kaiser, er ist für die Klassik das was Marcel Reich-Ranicki für die Literatur war, ist die h-Moll-Messe das „gewaltigste Chorwerk der Christenheit“. Ergreifen, mitreißend, mystisch - und unglaublich anspruchsvoll. „Wen am Ende die Macht des ,Sanctus‘, die schmerzliche Innigkeit des Altsolos ,Agnus Dei‘ und die Gewalt des ,Dona nobis pacem‘ nicht erschüttern, der hat entweder kein Herz oder keine Ohren“, so Kaiser.

Nach der Kantorei der Elisabethkirche unter der Leitung von Nils Kuppe wagt sich nun auch der große Marburger Konzertchor unter der Leitung von Professor Siegfried Heinrich an das Meisterwerk. Die h-Moll-Messe entstand zwischen 1724 und 1749, fasst Werke aus drei Schaffensperioden Bachs zusammen: Das „Sanctus“ von 1724, die „Missa“ von 1733 und die bereits erwähnten Sätze.

Lange Zeit war die h-Moll-Messe ein Mythos: Zu Lebzeiten Bachs wurde sie nie komplett aufgeführt. Carl Friedrich Zelter probte sie 1811 mit seiner Berliner Sing-Akademie und nannte sie „das größte Kunstwerk das die Welt je gesehen hat“.

Doch sollte es noch 45 Jahre dauern bis sie erstmals aufgeführt wurde - zu groß war der Aufwand. Heute gehört die h-Moll-Messe zum Repertoire großer Oratorienchöre - und doch führt sie viele Chöre an ihre Grenzen.

„Für die Aufführung dieses großen Werkes muss die Stimme trainiert sein, denn es beinhaltet immerhin 18 Chorsätze. Die gigantischen Spannungsbögen in Bachs Komposition fordern immens. Verschnaufpausen gibt es nicht“, teilte Eva Naumann vom Konzertchor mit. Der probt seit Monaten intensiv, um die technischen Schwierigkeiten des Werkes mit seinen vier-, fünf-, sechs- und achtstimmigen Chorsätzen zu bewältugen, so Neumann. „Der Klang muss fließen, die Stimme beherrscht werden, um die Strukturen durchhörbar zu machen“, hieß es bei einem der langen Probenwochenenden.

Am Sonntag, 1. Dezember, ist es so weit: Ab 18 Uhr führt der Marburger Konzertchor die h-Moll-Messe in der Kirche St. Peter und Paul in der Biegenstraße auf. Begleitet wird der Chor von dem Orchester Virtuosi Brunensis aus Tschechien mit seinem Leiter Karel Mitáš. Erstmals erhält der Konzertchor für diese Zusammenarbeit eine Zuwendung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Die vor 15 Jahren von Deutschland und Tschechien gegründete Stiftung fördert Projekte, welche Menschen beider Länder zusammenführen und Einblicke in die gemeinsame Kultur und Geschichte ermöglichen.

Solisten sind Julie Grutzka (Sopran), Anna Retczak (Alt), Edilberto Regalado Ordónez (Tenor) und Xiao-Feng Cai (Bass).

Vorverkauf im Musikhaus am Biegen und bei Marburg Tourismus und Marketing.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr