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Der Jubiläums-„Ring“ endet mit einem Skandal

Bayreuther Festspiele Der Jubiläums-„Ring“ endet mit einem Skandal

Der neue „Ring des Nibelungen“ der Bayreuther Festspiele im großen Wagner-Jahr dürfte in die Geschichte eingehen. Regisseur Frank Castorf provozierte offen das Bayreuther Publikum.

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Allison Oakes (Gutrune, von links), Attila Jun (Hagen) und Alejandro Marco-Buhrmester (Gunther) in einer Szene der „Götterdämmerung“.Foto: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Quelle: Enrico Nawrath

Marburg. Es ist der große Jubiläums-„Ring“ im großen Wagner-Jubiläumsjahr, und er dürfte tatsächlich in die Geschichte der Bayreuther Festspiele eingehen. Denn selten dürfte ein Regisseur sein Publikum im ehrwürdigen Festspielhaus auf dem Grünen Hügel so provoziert haben wie Frank Castorf - und das liegt nicht in erster Linie an seiner umstrittenen Inszenierung von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“.

Es ist der Moment, auf den seit dem „Rheingold“ alle gewartet haben: Castorf und sein Regie-Team treten nach der Premiere der „Götterdämmerung“ zum ersten Mal auf die Bühne. Und es passiert das, was zu erwarten war: Wütende Proteststürme brechen los, laute Buhs, Pfiffe, mehr als deutliche Unmutsbekundungen. Castorf steht einige Momente fast reglos da, und es mutet wie Größe an, dass er den Proteststurm nahezu stoisch über sich ergehen lässt.

Doch dann beginnt er zu gestikulieren. Er zeigt immer wieder auf die Zuschauer, fordert sie auf, lauter zu buhen, und tippt sich an die Stirn. Minutenlang stehen er und sein Team im wütenden Proteststurm, der nur von wenigen „Bravo“-Rufen unterbrochen wird. Der Regisseur zeigt immer wieder auf seine Uhr: Er hat Zeit, er will nicht einknicken vor dem Publikum.

Irgendwann lugt Dirigent Kirill Petrenko vorsichtig hinter dem Vorhang hervor - wohl um zu schauen, wie lange es noch dauert. Dann geht der Vorhang wieder auf und das Orchester lässt sich feiern. Ganz langsam, geht auch Castorf irgendwann von der Bühne. Vor dem Publikum verbeugt er sich nicht.

Vorher hat er mit der „Götterdämmerung“ das konsequente Ende eines inkonsequenten „Rings“ auf die Bühne gebracht - mit vielen Effekten, Seitenhieben und Bezügen zum Kalten Krieg und zur Teilung Berlins. Das stärkste Bild der Inszenierung - der Moment, als die Laken vom verhüllten Reichstag fallen und dahinter eine nahezu baugleiche New Yorker Börse zum Vorschein kommt (wer regiert hier eigentlich?) - dürfte mit dem Skandal nach der Aufführung beim Publikum leider kaum noch ins Gewicht fallen.

Eigentlich gebührte Castorf bis zu diesem Auftritt zuerst einmal Respekt. Im Richard-Wagner-Jubiläumsjahr im ehrwürdigen Bayreuther Festspielhaus so mit Wagners „Ring des Nibelungen“ umzuspringen - dazu gehören Unverfrorenheit, eine erfrischende Respektlosigkeit und Mut. Der Regisseur nimmt Wagners Mammutwerk genüsslich auseinander. Dafür greift er ganz tief in die Klischee-Kiste der Opernprovokation und lässt nichts aus, was klassischerweise bei einem konservativen Publikum für Unmut sorgen könnte: Sex, tote Tiere und Schmierereien mit Theaterblut.

Das soll wohl Ironie sein. Doch es bleibt ein schwerwiegendes Problem: Nimmt man diese kleinen Seitenhiebe und die unzähligen und oft weniger originellen Effekte weg, bleibt von Castorfs Inszenierung nicht mehr viel übrig. Das imposante, beeindruckende Bühnenbild von Aleksandar Denic und Castorfs Technik, die Sänger stets von einer Kamera verfolgen zu lassen, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihm zum „Ring“ inhaltlich nicht viel eingefallen zu sein scheint.

Was den Jubiläums- „Ring“ zusammenhält, ist allein die Musik, ist vor allem der Mann am Pult, Kirill Petrenko, der spätestens jetzt in den Dirigenten-Olymp aufrücken dürfte.

von Britta Schultejans

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