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„Der Jogi singt ein Lied“

Kino: Die Mannschaft „Der Jogi singt ein Lied“

Die Fans dürfen zum Abschluss des WM-Jahres ganz nah ran an ihre Helden. „Die Mannschaft“ kommt heute in die Kinos und das WM-Abenteuer lebt noch einmal auf.

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Die Dokumentation „Die Mannschaft“ lässt die Zeit der deutschen Nationalelf rund um die gewonnene Fußball-WM in Brasilien wieder ­aufleben. Alle wissen: Am Ende wurde gejubelt.Foto: Paul Ripke/Constantin Film

Quelle: Paul Ripke

Marburg. Im Mannschaftsbus geht die Party nach dem Finalsieg am heftigsten ab. „Der Jogi singt ein Lied“, schmettern freudetrunken die Weltmeister Thomas Müller und Per Mertesacker auf der Fahrt durch Rio de Janeiro. Doch Jogi singt nicht, will nicht singen nach dem Final-Triumph. „Jogi wink‘ einmal“, fordern die Champions laut und eindringlich. Und Joachim Löw in Bus-Reihe eins hebt zumindest kurz den Arm. „Wenn ich später mal im Schaukelstuhl sitze, werde ich immer daran denken“, entlässt der Bundestrainer und Weltmeister-Macher die Zuschauer fast am Ende der Kinofilms „Die Mannschaft“.

Die Filmemacher Martin Christ (Kamera), Jens Gronheid (Schnitt) und Ulrich Voigt (DFB-Mediensprecher) setzen ganz auf Emotionen und kleine Geheimnisse. Ganz nah rangelassen an ihre Helden werden die Fans des deutschen Fußball-Nationalteams. Die 90 Minuten leben vor allem von Bildern aus den brasilianischen Stadien, aus den Kabinen, von der inzwischen berühmten Fähre über den Rio Joao de Tiba und natürlich aus dem Campo Bahia. Das WM-Basislager des Deutschen Fußball-Bundes in Santo André, dem ursprünglichen Brasilien, war im Sommer komplett tabu für Kameraleute und Fotografen von draußen.

Die Medienabteilung des DFB selbst filmte aber fleißig und ziemlich alles auf dem Weg zum vierten WM-Titel: Kapitän Phillip Lahm, der im Pool steht und mit Bundestrainer Löw debattiert; Shkodran Mustafi, der auf der Massagebank vor Schmerzen stöhnt; Bastian Schweinsteiger, der mit Pataxó-Indianern tanzt; Thomas Müller, der nach einer verlorenen Golf-Wette mit Physiotherapeut Christian Huhn schon im Trainingslager in Südtirol in einem Dirndl die Kollegen bedienen muss. „Ich wurde an einem Loch betrogen“, sagt Müller, einer der Hauptdarsteller bei der WM und auch im Film. Zu einer Golfpartie in Bahia wurden die Spieler schon mal mit dem Helikopter geflogen.

Löws Vorgänger Jürgen Klinsmann hatte bei der Heim-WM 2006 bei seinen Kabinenreden durchaus auch deftige Worte gewählt, wie der Film „Deutschland - ein Sommermärchen“ von Regisseur Sönke Wortmann verraten hatte. Und Michael Ballack war damals gegen eine Rückkehr auf die Berliner Fanmeile. Auch dieses Mal sind Heißmacher-Ansprachen zu hören. Nur soviel: „Durch die Wand“ soll dabei niemand geschossen werden. Es ist ein Film ohne Konflikte, obwohl er den tragischen Autounfall mit zwei Schwerverletzten bei einem PR-Termin im Trainingslager nicht ausspart. Spaß, Jubel, Gesänge - das liebt der Fußballfan. Und das funktioniert auch in diesem DFB-Film. Dass ziemlich nebenbei Sami Khedira verrät, dass er nach dem mühevollen 2:1-Achtelfinalsieg gegen Algerien für eine Rückversetzung von Kapitän Lahm auf die rechte Verteidigerposition eintrat, ist nur ein Hinweis für Insider. Viel mehr geht es um den Stolper-Freistoß von Müller, um Löws morgendliche Strandläufe, um ein dickes Trainingstagebuch von Löw-Assistent Hansi Flick und einen nächtlichen Sanges-Auftritt von Christoph Kramer auf der Fähre.

Am besten geht das emotionale Film-Konzept aber mit den - eigentlich bekannten - Bildern von den WM-Spielen selbst auf. Sieben Tore gegen Brasilien, das Entsetzen der Gastgeber, deftige Zweikämpfe gegen die USA und natürlich das Finaltor von Mario Götze gegen Argentinien gehen neben den Szenen aus dem Mannschaftsbus am meisten unter die Haut. Und irgendwie beruhigt das in dem hochgezüchteten Fußball-Geschäft. Wenn der Ball rollt, ist es am Wichtigsten.

Der Film läuft in einzelnen Sondervorstellungen im Cineplex.

von Jens Mende

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