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Der Hofnarr des tagespolitischen Irrsinns

Kabarett Der Hofnarr des tagespolitischen Irrsinns

Comedy war vorgestern, politisches Kabarett ist heute: Während die Tingeltruppe der belanglosen Spaßmacher um jeden zahlenden Besucher kämpft, hat tagesaktueller Polithumor Konjunktur.

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Stromschlagfrisur und Bühnengezappel: Urban Priol gastierte am Donnerstag in Marburg.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. In finsteren Krisenzeiten, wenn die Sonne ganz tief steht, wird der Kabarettist zum seelsorgerischen Massenphänomen: Urban Priol wollten am Donnerstagabend weit mehr Menschen sehen, als auf den Bänken der Schlossparkbühne hätten Platz finden können. Der Randbayer mit fränkischem Migrationshintergrund (Priol über Priol) besetzt die Position eines Kunz von der Rosen. Kennen Sie nicht? Kein Grund für Minderwertigkeitskomplexe, ist ja alles nur gegoogelt. Von der Rosen war an der Schwelle zum 16. Jahrhundert Kaiser Maximiliams Lieblingshofnarr, und wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel nur halb so viel selbstkritischen Humor aufbrächte wie Maximilian I. auf seinem Kaiserthron, dann müsste sie Priol zum täglichen Possenriss ins Kanzleramt zitieren. Allein: So wie der Kabarettist die Kanzlerin zeichnet, dürften seinen Pointen die Merkelschen Mundwinkel kaum merklich liften können. Jede Menge Format muss jemand aufbringen, der vor mehr als 1.000, zum großen Teil weit entfernt sitzenden Zuhörern auf seiner Guckkastenbühne vor der Schlossparkkulisse über mehrere Stunden intelligent-unterhaltsames Polit-Entertainment bieten will. Über die Optik geht da so einiges bei Priol, der statt der Schellenmütze des mittelalterlichen Narren auf eine Frisur setzt, die man automatisch bekommt, wenn man mit feuchten Fingern in eine Drehstromsteckdose langt.

von Carsten Beckmann

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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