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Der Herr der Effekte meldet sich zurück

Der Hobbit Der Herr der Effekte meldet sich zurück

Sir Peter Jackson hat‘s wirklich drauf: Sein „Hobbit“ kann mit seinem Kinoerfolg „Der Herr der Ringe“ mithalten. Die Orks sind sogar noch fieser. Mehr als 1200 Fans sahen am Mittwoch das Fantasy-Spektakel in den OP-Vorpremieren.

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Vor einem Abenteuer muss man sich stärken: Martialisch aussehende Zwerge plündern die gut gefüllte Speisekammer des Hobbits Bilbo Beutlin.Foto: Warner Bros.

Quelle: James Fisher

Marburg. Die ganz harten Tolkien-Fans sahen gestern Mittag ein wenig mitgenommen aus: Kein Wunder, schließlich hatten sie schon 13 Stunden Mittelerde und „Herr der Ringe“ hinter sich und literweise Kaffee intus, um sich für weitere drei Stunden zu stärken. Sie wollten zu den ersten gehören, die in Deutschland Jacksons neue Tolkien-Verfilmung „Der Hobbit - eine unerwartete Reise“ sahen, die gestern in London Europapremiere feierte.

Und wie ist er nun? Imposant, das ist das erste Wort, das einem nach 170 Minuten Auenland, Nebelgebirge, Steinriesen und richtig fiesen Orks einfällt. An den Orks haben Jackson und sein Team noch einmal kräftig getüftelt: Waren sie in „Herr der Ringe“ noch meist kleine, schleimige, gemeine Wichte, so sind sie jetzt ziemlich große, schleimige, gemeine Monster, die den kleinen Hobbit Bilbo Beutlin und die 13 Zwerge auf furchterregenden Reittieren durch atemberaubende Landschaften verfolgen.

Ist Neuseeland irgendwie noch aufregender geworden? Oder hat sich Jackson diese Landschaften für seinen „Hobbit“ aufgehoben? Oder sind diese schneebedeckten Berge, diese weiten Ebenen und tiefen Wälder gar am Computer entstanden. Den Neuseeländern dürfte es egal sein: die Hobbit-Fns werden in Scharen kommen.

J.R.R Tolkien veröffentlichte seinen Roman „Der Hobbit“ 1937 als märchenhaftes Kinderbuch mit einem guten Zauberer, einem netten Hobbit, kauzigen, sturen Zwergen und einigen Schreckgestalten. Und das alles erzählt in einem recht lockeren, augenzwinkernden Ton, den der Eingangssatz vorgibt: „In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit.“ In Deutschland gelangte der Roman schließlich als „Der kleine Hobbit“ auf den Markt, im Gegensatz zum großen „Herrn der Ringe“, der für Erwachsene gedacht war.

Zwar ist der Grundton des Films deutlich leichter und auch witziger als im „Herrn der Ringe“. Doch wer nun glaubt, die Hobbit-Verfilmung sei auch für kleinere Kinder gedacht, der sollte zumindest die Kosten für einen Therapeuten einplanen. Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben - mit Recht, denn es fließt ordentlich Ork-Blut, und das im neuen Kinoformat HFR in super-brillanten, klaren, hellen und dadurch bisweilen kälter wirkenden Bildern. HFR steht für Higher Frame Rate, also für mehr Bilder pro Sekunde. Der aktuelle Standard ist 24 Bilder pro Sekunde, „Der Hobbit“ ist der erste Film, der mit 48 Bildern pro Sekunde gedreht wurde, was vor allem den Landschaftsaufnahmen zugute kommt und anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist. Selbstverständlich gibt es auch eine 3-D-Version, wobei es Filme mit besseren 3-D-Effekten gibt.

Doch was sonstige Spezialeffekte angeht, kann derzeit kaum einer Peter Jackson das Wasser reichen: Die Kulissen, die er und sein Team am Computer generiert haben, sind nur mit dem Wort atemberaubend zu umschreiben. Da rauscht die Kamera in hohem Tempo durch die riesige Stadt, die die Zwerge in den Berg geschlagen haben, oder durch die düsteren höhlenartigen Gewölbe einer Ork-Stadt. Immer wieder gibt es rasante Action-Szenen.

Martin Freeman spielt den Hobbit Bilbo Beutlin, der mit den Zwergen gegen seine Hobbit-Natur in ein Abenteuer zieht: Die Zwerge wollen ihre alte Stadt in einem fernen Gebirge zurückerobern, die von dem Drachen Smaug verwüstet wurde. Seither hockt er dort auf dem Goldschatz der Zwerge. Mit dabei sind wie auch wieder Ian McKellen als Zauberer Gandalf, der mittlerweile 90 Jahre alte Christopher Lee als Saruman und Cate Blanchett als Galadriel.

„Der Hobbit“ ist ein recht schmales Buch, das in drei überlangen Teilen auf die Leinwand gebracht wird: Die Teile 2 und 3 kommen 2013 und 2014 in die Kinos. Die Rechnung könnte aufgehen, denn Jackson baut Tolkiens Mittelerde-Mythen um den Hobbit herum und nimmt sich zudem Zeit, die Geschichte zu erzählen. Wer Zauberer und Trolle, Orks und Elben und diese mystisch-fantastische Welt des Tolkien-Universums mag, wird den Film lieben.

von Uwe Badouin

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