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Der Graf rockt noch einmal die Arena

Unheilig in Wetzlar Der Graf rockt noch einmal die Arena

Es gibt Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Ein solcher Augenblick ist gekommen, als der Graf von Unheilig am Samstagabend in der ausverkauften Rittal-­Arena „Geboren um zu ­leben“ anstimmt.

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Der Graf, wie man ihn kennt – und liebt. Unheilig überzeugte auf der ganzen Linie. Links: Auch Gitarrist Licky, der mittlerweile eine Solokarriere gestartet hat, wurde gefeiert.

Quelle: Stephan Scholz

Wetzlar. Und zwar gemeinsam mit den 5100 Fans, die mit diesem Höhepunkt beim Wetzlarer Konzert im Rahmen der „Gipfelstürmer“-Tour echtes Gänsehautfeeling erleben. Allerdings kommt schon auch ein wenig Wehmut auf, gerade weil längst bekannt ist, dass die Band 2016 aufhört.

Von Müdigkeit war aber am Samstag nichts zu spüren. Im Gegenteil: Der Graf und seine Mannen zeigten sich von ihrer allerbesten Seite. Sie boten den Gästen in der Arena, die lange vor dem Auftritt ausgebucht war, erwartungsgemäß ein Konzerterlebnis der Extraklasse. Offensichtlich war die Anhängerschaft, unter der sich alle Altersgruppen fanden, begeistert von den Unheiligen. Der donnernde Applaus der Gäste, die vor dem Einlass in einer phasenweise gut 25 Meter langen Schlange geduldig angestanden hatten, sprach für sich.

Beifall für Vorbands

Beifall bekamen auch die einheizenden Vorbands „Bollmer“ und „A Life Divided“, die zum Auftakt für gute Stimmung sorgten. Den Anfang machten die Berliner von „Bollmer“, die launigen Deutschrock präsentierten. Lieder wie „Berlin“ brachten manches Tanzbein in Schwung, bevor mit „A Life Divided“ Vertreter der härteren Gangart die Bühne betraten. Die Band um Frontmann Jürgen Plangger rockte mit Songs wie „My Apology“ vom neuen Album „Human“ die Fans in der Arena, die voll mitgingen. Der Boden war also bereitet, als knapp 100 Minuten nach Konzertbeginn das Pfeifen einer Lokomotive ­ertönte.

Deutlich fühlbar stieg jetzt die Temperatur in der Halle, denn Eingeweihte wussten natürlich, dass dieses Pfeifen das Intro „Der Berg“ des aktuellen unheiligen Gipfelstürmer-Albums einleitet. Wenige Augenblicke heißt es noch abwarten, dann stürmt der Graf mit gewohntem Tempo die Bühne. Der Beifall ist jetzt ohrenbetäubend. Und im Handumdrehen entwickelt sich zwischen dem Star, der mit dem Album „Große Freiheit“ und insbesondere dem darauf enthaltenen Lied „Geboren um zu leben“ seinen ganz großen Durchbruch hatte, und zum Publikum eine enge Verbindung.

Der Graf tut das seine dazu. Er rennt vom einen Ende der Bühne zum anderen, um seine Gäste zu begrüßen. Über den Bühnengraben hinweg reicht er einzelnen Fans die Hand, und es gibt auch eine kurze Plauderei mit dem kleinen Jonas, der mit seiner Mutter in der ersten Reihe steht. Doch natürlich ist es gerade auch die Musik des charismatischen Sängers, der seit gut eineinhalb Jahrzehnten im unheiligen Geschäft ist, die am Samstagabend mitreißt. Zu hören sind neben Liedern wie „Hinunter bis auf eins“, „Goldrausch“ oder „Zeit zu gehen“ vom aktuellen Silberling auch ältere Sachen wie „Maschine“ von der CD „Das 2. Gebot“ oder „Große Freiheit“ vom gleichnamigen Album.

Übrigens: Dem Grafen selbst scheint dieser Auftritt Spaß gemacht zu haben, denn im Verlauf des Abends bedankt er sich für die vielen lächelnden Gesichter, die ihn in Wetzlar empfangen ­haben. Kurz vor Schluss dann der Höhepunkt des Gastspiels: Zunächst nur von Pianist Henning am Klavier begleitet stimmt der Graf „Geboren um zu leben“ an. Nach wenigen Minuten weitet sich die Piano Version allerdings zur bekannten Vollversion des Megahits, die der Sänger und sein Publikum minutenlang gemeinsam singen. Einen Moment lang scheint die Zeit stillzustehen, zumindest für Unheilig-Fans. Schön war‘s!

von Stephan Scholz

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