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Der Film "Monuments Men" ist für sie Lebensgeschichte

Marburger Jugendliche halfen mit Der Film "Monuments Men" ist für sie Lebensgeschichte

George Clooney bringt sie aktuell auf die Kino-Leinwände: die „Monuments Men“. Real und hautnah bei deren Arbeit im besetzten Deutschland dabei waren Karlheinz Schade und Walter Otto.

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Karlheinz Schade (links) und Walter Otto mit der Skulptur, für die Otto Walker Kirkland Modell stand. Einst luden sie Kunstschätze am Marburger Staatsarchiv aus.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. „Die Amerikaner waren unsere Feinde - wir waren ja politisch geschult“, sagt Karlheinz Schade. „Doch auf einmal merkten wir, dass das auch nette Leute sind“. Gemeinsam mit Walter Otto und deren Freunden Werner Haserodt und Willy Trier arbeitete er für die amerikanische „Monuments, Fine Arts, and Archives Section“, deren Mitarbeiter Monuments Men genannt wurden. Die damals 14 und 15 Jahre alten Schüler hatten ihr Bild von den Amerikanern über viele Jahre in der Schule und der Hitlerjugend vermittelt bekommen, doch „in dem Moment als wir Walker Hancock kennenlernten, war alles anders“, erinnert sich auch Otto.

Das Marburger Staatsarchiv diente den Monuments Men nach der Eroberung der Stadt Ende März 1945 als „Art Collecting Point“. Viele von den Allierten am Ende des Zweiten Weltkriegs sichergestellte Kunstschätze wurden dort unter der Aufsicht des Bildhauers Walker Kirkland Hancock gelagert und verwaltet. Mittendrin waren die vier befreundeten Teenager, die den Amerikanern beim Entladen, Transportieren und Verpacken der wertvollen Kulturgüter halfen.

„Ich habe gegenüber am Bismarckplatz gewohnt und gesehen, dass es dort Arbeit gibt“, berichtet Otto.

Nur ein geringes Gehalt gab es für die Arbeit, doch viel wichtiger war für die Jungen etwas anderes. „Wir konnten dort umsonst essen“, erzählt Schade. „Und das in einer Zeit, als in Deutschland sehr viele Menschen hungerten“. Die Rettung der Kunstschätze hingegen sei für sie zum damaligen Zeitpunkt zweitrangig gewesen. „Wir wussten zum Teil gar nicht, welch wertvolle Dinge wir da in der Hand hatten“, gesteht Otto. Erst im Nachhinein sei dies den beiden Männern bewusst geworden. In Erinnerung geblieben sind ihnen einige Gegenstände dennoch. So transportierten sie Werke von berühmten Malern, persönliche Gegenstände Friedrichs des Großen sowie die Särge des „Alten Fritz“ und Paul von Hindenburgs.

Zum Leiter des Collecting Point sei in den rund zehn Monaten bei den Monuments Men eine Art Freundschaft entstanden, denn er sei „ein unglaublich toller Mensch gewesen“, sagt Otto. Für eine Skulptur hatte er dem Bildhauer Modell gestanden - den Abguss besitzt er noch immer. Karlheinz Schade hingegen hatte kurz vor dem Tod Hancocks im Jahr 1998 noch Briefkontakt mit ihm und traf dessen Tochter Deanie in den USA.

Den Film über die Monuments Men finden die beiden sehenswert. „Uns hat er sowieso berührt“, sagt Schade, auch wenn die eigene Geschichte der beiden dort nicht direkt erzählt wird. Dennoch komme „sehr gut heraus“, welche Schwierigkeiten es gegeben habe, das Unternehmen der Kunstrettung auch unter dem Einsatz von Menschenleben durchzusetzen. „Einige sind vielleicht enttäuscht, weil es kein Actionfilm ist“, ergänzt Otto, doch „für uns ist es ein Stück Lebensgeschichte“.

von Peter Gassner

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