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Der Dichter Theodor Storm wird zum Ermittler

Krimifestival: Tilman Spreckelsen Der Dichter Theodor Storm wird zum Ermittler

Da führt einen der Weg am Hafenbecken entlang und was entdeckt man? Einen glänzenden Pokal im Meerwasser.

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Tilman Spreckelsen schickt die Zuhörer beim Krimifestival auf eine Zeit- und Entdeckungsreise.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Michelbach. Was Tilman Spreckelsen vor drei Jahren bei einem Besuch in Husum so gegangen ist, das lässt er nun seiner Romanfigur Peter Söt widerfahren. Nur, dass der in „Der Nordseespuk“ nachts auf dem Heimweg ist, ordentlich einen im Tee hat, und wir das Jahr 1843 schreiben.

Und während Tilman Spreckelsen seine Entdeckung zwar meldete, aber nicht weiter verfolgte – und damit gedanklich Raum für jede Menge Inspiration für seinen zweiten Theodor-Storm-Krimi hatte, geht Peter Söt der Sache auf den Grund.

Spreckelsen stellte seinen Roman am Samstag in der Kulturscheune Michelbach vor. Statt des Pokals liegt im Roman eine Leiche im Hafenbecken und der tote Mann ist die Verbindung zu einer fast vergessenen Sekte und einer Geschichte, die noch einmal 170 Jahre früher spielt.

„Geisteskrank, ja oder nein“

Sowohl die Sekte wie auch die anderen Protagonisten – zumindest die meisten von ihnen – hat es wirklich gegeben. Tilman Spreckelsen hat einmal mehr akribisch recherchiert und als wichtigste Hilfsquelle das Einwohnerverzeichnis von Husum anno 1843 genutzt.

„Jedes einzelne Haus war erfasst“, erklärt der Autor. Und viele dieser Häuser stünden heute noch. Alter und Beruf der Menschen wurden festgehalten und – „die letzte Spalte liebe ich besonders: geisteskrank, ja oder nein“.

Altes Kartenmaterial – auf den Befehl des dänischen 
Königs angefertigt – war Spreckelsen ebenfalls nützlich. Nichts, was er da schreibt, solle dem widersprechen, was tatsächlich historisch gewesen ist, sagt der Autor und Journalist.

In „Der Nordseespuk“ betätigt sich der berühmte Theodor Storm zum zweiten Mal als Ermittler. Dass Storm – der als Dichter berühmt wurde, aber den Beruf des Anwalts erlernt und ausgeübt hat – tatsächlich kriminalistisches Interesse hatte, belegen alte Briefe, in denen er Fälle schildert, so Tilman Spreckelsen.

Spannendes Gesamtpaket

Ein geborener Ermittler ist er allerdings auch im Roman nicht. Er interessiere sich eher für das bevorstehende Weihnachtsfest, den Chor, den er leitet und seine Kusine Cons­tanze, erklärt der Autor. Aber weil Peter Söt – der Mann, der die Leiche findet und schließlich zum Verdächtigen wird – Storms Schreiber ist, nimmt er sich des Falles doch an. In den Romanen sei Storm „ein bisschen netter als er war“, verrät Spreckelsen.

30 Gäste waren zur Lesung gekommen. Und wer angesichts eines historischen Hintergrunds oder des Stichworts „Theodor Storm“ Langeweile befürchtet hatte, der wurde eines Besseren belehrt.

Krimi, Geschichte, Autor und Lesung waren ein äußerst spannendes Gesamtpaket. Und wenn Tilman Spreckelsen – der neben seiner Tätigkeit als Autor Redakteur im Literaturblatt der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist – von den unbefestigten Straßen, den dunklen Nächten und dem durchdringenden Torfgeruch im Husum des Jahres 1843 erzählt, dann fühlt man sich glatt in die Zeit zurückversetzt. Und glaubt sofort, dass einem Theodor Storm mit wehendem Mantel begegnet.

von Nadja Schwarzwäller

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