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Der Chor als Garant für Glücksgefühle

Konzert in der Elisabethkirche Der Chor als Garant für Glücksgefühle

Jeweils 400 Besucher erlebten am Samstag und Sonntag in der Elisabethkirche bei Händels dreiteiligem Oratorium in englischer Originalsprache ein eindrucksvolles Konzert über die Geburt, das Leiden und die erhoffte Wiederkehr Christi.

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120 Sängerinnen und Sänger boten stimmlich eine gute Grundlage für das dreiteilige Oratorium. Das ebenfalls überzeugende Orchester sorgte für den vollendeten Hörgenuss in der Elisabethkirche.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Musiker mussten immer flexibel sein. Auch Georg Friedrich Händel. Je nach dem, ob er die künstlerischen Begebenheiten vor Ort kannte oder nicht, schrieb er seinen „Messiah“ auch in der Besetzung um. In Marburg wäre er glücklich gewesen: Er hätte aus dem Vollen schöpfen können.

Zuerst der Chor: 120 Sängerinnen und Sänger der Kurrende des Marburger Kinderchores und der Kantorei der Elisabethkirche aus etwa je zur Hälfte jungen und reifen Stimmen boten am Samstag einen faszinierenden Klang in Reinheit und Beweglichkeit.

Chor als Garant für Glücksgefühle

Was für eine Frische in den Stimmen vom ersten bis letzten Chorsatz, was für ein Glanz im Ensembleklang, dem die Kurrende des Marburger Kinderchors vortrefflich nach oben abrundete. Welch eine Leichtigkeit in Takt und Rhythmus aller Stimmen: Der Chor ist Garant für Glücksgefühle, wie beim „For unto us a child is born“ oder beim „Surely“. Dazu die Präzision wie bei „All we like sheep“ oder „He trusted in God“, beim mitreißenden „Hallelujah“, die Ergriffenheit und Überzeugung beim Schluss­chor mit dem abschließenden „Amen“. Nur in fugischen Verläufen ging als kurzfristig die Transparenz verloren. Der Sopran mit den Kinderstimmen ist mit bewundernswerter Grazilität und Reinheit erste Sahne. Der Alt überzeugte mit Weichheit und Wärme und Geschmeidigkeit im Ton. Der Tenor gefiel mit seiner Schlankheit und Frische, die partiell in den Höhen nachließ. Der Bass sang mit Leichtigkeit und fundamentaler Sicherheit. Die Vokalsolisten konnten sich in Duetten und Soli profilieren. Schlicht war das Duett von Alt und Sopran bei „He shall feed“, herzergreifend das Alt-Arioso „He was desoised“ und das Sopran-Air „I know“, alle in empfindsamer Begleitung des Barockorchesters Solamente Naturali, glanzvoll das triumphierende Bass-Air „The trumpet shall sound“. Der Tenor Michael Connaire begeisterte mit klarer, weicher Stimme, mit feinen Pianos, nahtlos zu kraftvollen Steigerungen und Abschwächungen der Dynamik wechselnd sowie seinen sauberen Koloraturen. Vor 260 Jahren hätte ihn Händel vermutlich sofort für sein Londoner Ensemble engagiert. Nadine Balbeisi hat einen schlanken Sopran, der besonders im Piano und bei Verzierungen leuchtete. Eine feine Stimme mit dezentem Timbre zeichnete die Altistin Schirin Partowi aus. Für einen erkrankten Kollegen sprang kurzfristig der Bass Peter Ling ein. Er sang mit runder, kraftvoller Stimme.

Orchester überzeugt mit weichem Klang und herzigem Spiel

Das Barockorchester Solamente Naturali auf historischen Instrumenten überzeugte einmal mehr mit weichem Orchesterklang, mit seidigen Streichern, vorzüglich-konturiertem Basso continuo, Klarheit bei fugischen Verläufen und herzigem Spiel in den Symphonien. Bezirkskantor Nils Kuppe war der Souverän am Pult. Sein Dirigat war gewohnt präzise, schnörkellos, variabel und federnd. Er beherrscht die Kunst, seine Freude an der Musik dem Chor, Orchester und den Solisten zu vermitteln, um gemeinsam zu glänzen. Der Schlussapplaus wurde immer stürmischer bis hin zu sechs Minuten langen Standing Ovations mit Jubel für den Chor und einzelnen Bravos.

Die Aufführung am Samstag war ein Benefiz-Konzert zum 20-jährigen Bestehen des Marburger St. Elisabeth-Hospizes.

von Helmut Rottmann

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