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Der Alltag fragt auch nicht nach Niveau

Piet Klocke im KFZ Der Alltag fragt auch nicht nach Niveau

"Kann ich hier mal eine Sache zu Ende?" - lautet die Frage bei Piet Klocke. Klare Sache: Die Antwort ist meist nein. Genau das will sein Publikum ja auch sehen und hören.

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Kein Wunder, dass ihm die Haare zu Berge stehen: Piet Klocke plauderte im KFZ.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Marburg. „Kommt da noch - ist da noch - fehlt da nicht?“ Natürlich fehlt da. Immer. Und aus Prinzip. Das ist sein Markenzeichen. Piet Klocke hat es zur Kunstform erhoben, sich zu verhaspeln und zu verheddern. Seine Gedanken scheinen aber auch derart unter Dampf zu stehen, dass Sätze ab und an gar nicht anders können als im Nichts zu verpuffen. Dabei legt er eine Aufregung an den Tag, dass man nicht weiß, ob man lachen oder um Klockes Blutdruck fürchten soll. Pointen kommen wie aus der Pistole geschossen - nur dass die quasi öfter mal Ladehemmung hat. Kein Wunder, dass dem Mann die Haare chronisch zu Berge stehen. Als Zuschauer klatschen? „Bitte, das bringt nichts“.

"Metaphysiker der deutschen Spaßkultur"

Zu Beginn seines Auftritt am Freitag im ausverkauften Marburger KFZ stolpert Klocke, der „Metaphysiker der deutschen Spaßkultur“, wie die FAZ ihn genannt hat, erst einmal über das Wort „Goethe-Institut“ auf seinem Zettel. „Go-ithi“? Ungelenk versucht er eine englische Aussprache. „Goethe“ könnte es aber auch heißen, ja. Schon hier wird klar: „In jedem noch so großen Chaos steckt immer auch ein Fünkchen Hoffnungslosigkeit.“ Piet Klocke kommt von Hölzchen auf Stöckchen und lässt dabei so gut wie keinen Umweg aus. Egal ob es um Einzeller, einen Kurs namens „Wir töpfern Dilden“ oder „Verhängnisempfehlungen“ geht. Großartig und bereits das Eintrittsgeld wert: Klockes Lamento über das Timbre von Tauben.

Über einige Zitate aus seinem im Jahr 2000 erschienenen Buch „Das geht alles von Ihrer Zeit ab“ echauffiert er sich aber derart, dass er von dessen Lektüre abrät: „Das kann ich Ihnen nicht empfehlen“. Sein neuestes Werk heißt „Kann ich hier mal eine Sache zu Ende?!“ und - wer hätte es ahnen können: „Der Autor ist nicht imstande, einen Gedanken mal zu Ende.“ Aber machen wir uns nichts vor. „Das Schicksal blinkt ja auch nicht beim Abbiegen.“ Und: „Der Alltag fragt ja auch nicht nach Niveau“. Wenn man das mal so „burschikos bis lapidar“ - wie Klocke formulieren darf.

Abitur im Internet heruntergeladen

Der „untere Minnebereich“ ist vertreten, das unerschöpfliche Thema Mann und Frau ebenso und nachdem das Jugendamt in der Kindheit der Evolution offenbar „am falschen Ende geschlafen hat“, muss die sich gefallen lassen, dass Klocke glaubt, mit ihr „sehr scharf ins Gericht laufen“ zu müssen. „Das hätte ich besser selbst in die Hand...?“ Wer würde daran zweifeln. Schließlich ist der Mann hochqualifiziert: Abitur und Latinum hat er sich aus dem Internet heruntergeladen, an der Volkshochschule Kurse wie „Kommunikation - wozu?“ gehalten und Kassenwart in einer Straßengang war er ebenfalls.

Es gibt Fragen, die muss man sich einfach irgendwann einmal stellen. „Was macht so `ne Qualle, sagen wir mal, am Wochenende?“ Ansonsten hat Piet Klocke natürlich jede Menge Antworten zu bieten. Dass Hartz IV nicht für vier Personen gilt, Liebe oft am stärksten ist, wenn die beiden Beteiligten gar nicht zuhause sind oder die meisten ägyptischen Königinnen bei offener Pyramide schliefen. Und sollte es bei jemandem noch Unsicherheiten zum Thema Sex geben, da ist Piet Klocke gern behilflich: „Rufen Sie mich ruhig an.“

von Nadja Schwarzwäller

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