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„Den deutschen Film geprägt“

Marburger Kamerapreis für Jürgen Jürges „Den deutschen Film geprägt“

Seit 2002 wird der Marburger Kamerapreis verliehen. Am Wochenende wird Jürgen Jürges ausgezeichnet. Er ist der 
16. Preisträger.

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Kameramann Jürgen Jürges hat das Motiv fest im Blick. Mehr als 100 Filme hat er als verantwortlicher Chefkameramann gemacht.

Quelle: Gordon Timpen / X-Verleih

Marburg. Der von dem Medienwissenschaftler Professor Karl Prümm initiierte Marburger Kamerapreis hat sich seit 2002 zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Ausschlaggebend war dafür auch die geschickte Wahl des ersten Preisträgers Raoul Coutard, der die Nouvelle Vague entscheidend geprägt hat und Vorbild für viele jüngere Kolleginnen und Kollegen war.

Am Wochenende wird der 1940 in Hannover geborene Kameramann Jürgen Jürges mit dem 16. Marburger Kamerapreis ausgezeichnet. Der Name Jürges sagt nur Cineasten etwas – das ist allzu oft das Los von Kameramännern, die mit ihrer Arbeit wesentlich zum Gelingen, zur Atmosphäre eines Films beitragen, in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch hinter den Leinwandstars und Regisseuren eines Films zurücktreten. Sie stehen eben hinter der Kamera.

Mit Jürgen Jürges wird ein Bildgestalter ausgezeichnet, der nach Ansicht der Kamerapreis-Jury „den deutschen Film seit den frühen 1970er Jahren geprägt hat wie kaum ein anderer Kameramann“. An über 100 Filmen hat er zwischen 1966 und 2015 mitgewirkt – darunter sind Klassiker wie Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“ (1974), Kinoerfolge wie „Christina F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (1981), politisch ambitionierte Filme wie „Deutschland im Herbst“ (1978) oder Wim Wenders‘ „In weiter Ferne, so nah“, für den Jürges den Deutschen Filmpreis für die Beste Kamera erhielt. Die Liste ließe sich fortsetzen bis zu Florian Gallenberges „John Rabe“.

„Einer der innovativsten Kameramänner Europas“

Neben großen Spielfilmen mit Regiestars wie Fassbinder, Wenders, Michael Haneke hat Jürges auch immer wieder an kleinen Produktionen mitgewirkt und zahlreiche Debüt- und Abschlussfilme von Absolventen von Fachhochschulen unterstützt. Daneben drehte er Fernsehfilme und sogar Music-Clips – etwa für die Punkrock-Band „Die Toten Hosen“ und „U2“.

Nach Ansicht Prümms ist Jürgen Jürges „einer der innovativsten Kameramänner Europas“– sein Oeuvre sei grandios und weit gespannt. Professor Dr. Malte Hagener, der seit 2011 die organisatorische und inhaltliche Leitung des Kamerapreises innehat, bezeichnet Jürgen Jürges als „einen der zentralen Kameraleute des deutschen Films der letzten 40 Jahre“.

Jürgen Jürges studierte in Berlin Fotografie. Anfang der 1960er Jahre volontierte er bei der Firma „modern art film“. In den 1960er Jahren wirkte er als Kameraassistent und einfacher Kameramann bei verschiedenen Produktionen mit, zum Beispiel Volker Schlöndorffs „Mord und Totschlag“ (1966/67).

Seit den 1970er Jahren ist er Chefkameramann bei vielen wichtigen Produktionen des Neuen Deutschen Films. Jürges hat für seine Arbeit zahlreiche Preise erhalten: viermal den Deutschen Kamerapreis, zweimal den Deutschen Filmpreis, den Adolf-Grimme-Preis, zweimal den Bayerischen Filmpreis, davon einmal ganz speziell für seine großen Verdienste um das junge deutsche Kino.

von Uwe Badouin

 
Hintergrund

Der Marburger Kamerapreis wird gemeinsam von der Philipps-Universität und der Stadt Marburg jährlich verliehen. Er ist mit 5000 Euro dotiert und honoriert „herausragende Bildgestaltung im Film“.

Festlich verliehen wird der Preis am Samstag, 12. März, ab 20 Uhr in der Aula der Alten Universität, Lahntor 3, von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach und Universitätspräsidentin Professorin Dr. Katharina Krause. Die Laudatio hält der in Berlin lebende Regisseur Wolfgang Becker („Good Bye, Lenin“, „Ich und Kaminski“). Der Eintritt zu der Preisverleihung ist frei.

Eingebettet ist die Preisverleihung in die 18. Bild-Kunst-Kameragespräche, die am Freitag ab 13 Uhr und am Samstag ab 10 Uhr im Filmkunsttheater Kammer am Steinweg stattfinden.

Bisherige Kamerapreisträger waren Raoul Coutard (Frankreich), Frank Griebe (Deutschland), Robby Müller (Niederlande),  Slawomir Idziak (Polen), Walter Lassally (England), Judith Kaufmann (Deutschland/Österreich), Eduardo Serra (Portugal/Frankreich), Renato Berta (Schweiz), Wolfgang Thaler (Österreich), Jost Vacano (Deutschland), Anthony Dod Mantle (England/Dänemark), Agnès Godard (Frankreich), Reinhold Vorschneider (Deutschland), Paweł Edelman (Polen) und im vergangenen Jahr  Ed Lachman (USA).

 
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