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Demotivator mit „Horst-Seehofer-Momenten“

Nico Semsrott trat im KFZ auf Demotivator mit „Horst-Seehofer-Momenten“

Im Jahr 2075 schon was vor? Nico Semsrott plant Fassung 32.0 für sein Programm. Letzte Woche hat er im KFZ erst einmal die dritte Version seit 2013 präsentiert.

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Der schwarze Kapuzenpulli ist Nico Semsrotts Markenzeichen.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „Freude ist nur ein Mangel an Information“. Das Motto ist Programm und der Zeremonienmeister nach eigenem Bekunden Demotivationstrainer.

Beim Kabarettherbst 2013 war Nico Semsrott zum ersten Mal in Marburg. Das ehrgeizige Ziel damals: die Zahl der Depressiven zu verdoppeln. 2014 folgte dann Version 1.5 und am vergangenen Freitag die aktuelle Fassung 2.0.

Jedes Jahr kommen 45 Minuten hinzu, 45 Minuten werden gestrichen. Kein leichtes Unterfangen in Zeiten, in denen sich das Publikum innerhalb von einer Woche schon nicht mehr an das erinnert, was gerade noch tagesaktuell war.

Satireausbildung bei den Profis: in der Kirche

Semsrott lässt es drauf ankommen und hat drei bis fünf Minuten zum Thema Terrorangst eingeplant. Und erzählt außerdem, dass er jetzt in einer WG mit einem Syrer lebt – ein junger Mann mit völlig anderen Werten als er selbst. Nico Semsrott will Bier mit ihm trinken, aber er Vokabeln lernen? „Streber!“ Das geht so nicht. „Wenn er bei mir leben will, muss auch meine Leitkultur übernehmen“.

Genauso wie in dieser Nummer dreht Semsrott auch sonst den Stoff, aus dem Kabarett gestrickt ist, auf links. Wo uns andernorts „Chakka“-Parolen und Zahnpastalächeln davon überzeugen sollen, dass nichts unmöglich ist, arbeitet Nico Semsrott mit anderen Methoden: „zweifeln, resignieren, andere demotivieren“. Und seine Satireausbildung hat er bei den Profis absolviert: auf einer katholischen Schule.

Das Grundprinzip seines Programms ist nach wie vor dasselbe. Semsrott trägt einen schwarzen Kapuzenpulli (die Kapuze tief im Gesicht), hat „putzig-positive Powerpoint-Präsentationen“ vorbereitet (niedliches Kaninchen als Äquivalent zu Brot und Spielen inklusive), liest sein Programm ab (und macht zwischendurch Notizen, wie es ankommt) und hat fünf-Euro-Scheine einstecken, wobei jedes Mal ein Schein die Hosentasche wechselt, wenn ihm ein Lächeln rausrutscht – mit dem er sich in seinem Job ja unglaubwürdig macht, um später der Jungen Union gespendet zu werden.

Richtig, richtig schlecht im Bett

„Nichts ist mehr eindeutig“, stellt Semsrott resigniert fest. Und jede Entscheidung ist schon per se ein Dilemma: Eine Sache zu wählen bedeutet Millionen anderer Sachen abzulehnen. Erschwerend kommt die Semsrott’sche „97:3“-Regel hinzu: Unter 100 Leuten sind immer 97 Vollpfosten.

Aber: „Jeder ist seines eigenen Unglücks Schmied“. Und grämen wir uns nicht, selbst Nico Semsrott hat „Horst-Seehofer-Momente“, in denen er sich einfache Lösungen wünscht. Außerdem ist er richtig, richtig schlecht im Bett, wie er gesteht.

Aber das kann man ja auch positiv sehen: So kommen erst gar keine Versagensängste auf. Und immerhin eine Entscheidung ist dann doch ganz einfach: süßes Kätzchen oder süßes Kaninchen? Es ist immer das Kaninchen bei Nico Semsrott.

von Nadja Schwarzwäller

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