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Das unvorstellbare Ende des Wachstums

Theater Das unvorstellbare Ende des Wachstums

Am Donnerstag und am Freitag gastierte die Koproduktion der Gruppe „huRRa!!“ mit dem Schauspiel Leipzig und dem Hessischen Landestheater in Marburg.

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„The Black Hole Theatre“ – ein Stück im fast leeren schwarzen Raum – fordert die Zuschauer heraus.

Quelle: Rolf Arnold

Marburg. Was kommt nach dem Wachstum? Nullrunde, Stillstand, Tod. Diese nicht gerade ermutigende Perspektive zeigte der Performance-Abend der Gruppe „huRRa!!“. Die drei Schauspieler Sebastian Schimmel, Malte Scholz und Oda Zuschneid sprechen Texte, die die Regisseurin in Interviews gesammelt hat.

Sie übernehmen nicht nur wortgetreu alle Aussagen, sondern auch jedes Räuspern, Stocken, Atmen, jedes „Ähm” und „Hm”. Inhaltlich geht es um die ganz großen Fragen: das Leben und der Tod, die Ratlosigkeit des Menschen im Angesicht der Probleme, vor die ihn seine eigene Entwicklung stellt.

Der Abend folgt keiner Dramaturgie, die Bühne ist dunkel und leer bis auf elastische Seile, die vom Boden zur Decke gespannt sind, sowie einige Requisiten. Dazu kommen Licht- und Videoeffekte sowie Musik und Klänge.

Als Versuchslabor und Experimentierfeld dient dieser Raum, der das im Titel genannte „Schwarze Loch” darstellt und an graphische Darstellungen des kosmischen Phänomens erinnern soll.

Als ambivalenter Bezugspunkt verweist es einerseits auf ein System, das immer weiter wächst, was unweigerlich zum Kollaps führen muss. Andererseits dient es als Symbol „für eine Zukunft jenseits seiner selbst”.

„O-Ton-Theater“ nennen Regisseurin Luise Voigt, Bühnenkomponist Björn SC Deigner und Dramaturg Daniel Franz ihre Performance um Wachstum und Stillstand.

Aus Interviews mit drei Menschen, explizit keine Post-Wachstums-Experten, sondern eine Frau und zwei Männer mit ganz unterschiedlichen Bio­grafien, entsteht zunächst ein Hörspiel, die „Partitur” des Stücks. Dieses dient dann den Schauspielern als Grundlage für die Entwicklung der Figuren. Ohne die Menschen zu den Stimmen je kennengelernt zu haben, rekonstruieren sie deren Habitus und Gestus, stellen sie sich Aussehen, Bildungsgrad und Hobbys „ihres” Interviewten vor.

Wie sich beim Nachgespräch mit dem Regieteam, den Schauspielern und dem Marburger Dramaturgen Christopher Hanf herausstellt, funktioniert diese Idee bei einigen Zuschauern sehr gut, bei anderen gar nicht. Nicht jeder konnte und wollte sich offenbar einlassen auf die noch nicht erprobte und daher ungewohnte Sprache sowie die fehlende Dramaturgie des Stücks. Vielleicht tun sich einige auch schwer damit, das gänzliche Fehlen von Utopien oder zumindest halbwegs realistischen Ideen für ein Weiterleben nach dem Ende der Wachstumsideologie zu akzeptieren.

Bleibt zu hoffen, dass sich niemand entmutigt fühlt, weiter nach echten Alternativen zu suchen.

von Vera Zimmermann

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