Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° Regen

Navigation:
Das tragische Ende eines Traums

Marburger Lesefest Das tragische Ende eines Traums

Zum Auftakt des Lesefestes stellte der Graphic-Novel-Zeichner und Autor Reinhard Kleist sein Buch „Der Traum von Olympia“ vor. Rund 70 Fans lauschten seinem Vortrag im Cineplex.

Voriger Artikel
Idylle wird in der Vorpremiere auf eine harte Probe gestellt
Nächster Artikel
Heimtückischer Besuch aus dem Jenseits

Reinhard Kleist signierte seine Bücher. Er zeigte im Cineplex seine Zeichnungen, die vom Schicksal der somalischen Läuferin Samia Yusuf Omar erzählen.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Man kann mit Worten Geschichten erzählen - oder mit Bildern, wie der Graphic-Novel-Künstler Reinhard Kleist. Mit wenigen schnellen Strichen zauberte er seine ausdrucksstarken Zeichnungen aufs Papier, und man konnte nur staunen, wie er das machte: kein Zögern, kein Zaudern, keine Unsicherheit. Kleist zeichnete direkt in die Bücher seiner Fans, die vor dem Kinosaal geduldig in einer langen Schlange warteten. Neben die Zeichnungen setzte er sein Autogramm.

Reinhard Kleist entwirft Bildergeschichten, die es in sich haben. Sie sind für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren gedacht, wie der Autor selbst sagte. Denn es sind keine unterhaltsamen Comics, sondern ernste Geschichten, die unter die Haut gehen. „Der Traum von Olympia“ erschien 2014 als Bilderstrecke in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und kam dann als Buch heraus. Erzählt wird die wahre Geschichte von Samia Yusuf Omar, die 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking für Somalia an den Start ging. Die junge Frau lief als Letzte durchs Ziel, aber sie bekam mehr Beifall als die Siegerin des Wettbewerbs.

Samia ging zurück nach Somalia, wo die herrschende islamistische Al-Shabaab-Miliz ihr das Trainieren verbot, weil sie eine Frau war. Daraufhin beschloss Samia, nach Europa zu fliehen, um in Italien für die nächsten Spiele in London zu trainieren. Die gefährliche Flucht der jungen Läuferin führte quer durch Afrika und dauerte mehr als ein Dreivierteljahr. Schließlich erreichte sie mit Hilfe von Schleppern die Mittelmeerküste, ertrank aber bei der Überfahrt nach Lampedusa.

Reinhold Kleist zeigte bei dem Vortrag viele seiner beeindruckenden Zeichnungen aus dem Buch und berichtete von seinen Recherchen. Er hat die Schwester der jungen Sportlerin in Helsinki getroffen und sich lange mit ihr unterhalten. Viele Informationen über die Flucht hat er im Internet gefunden, häufig waren es Fotos, die ihn zu seinen Zeichnungen inspiriert haben. Nebenbei erzählt er in seinem Buch auch von anderen afrikanischen Flüchtlingen und ihrem Schicksal.

Bei dem Gespräch nach dem Vortrag wurde Kleist gefragt, ob er schon an einem neuen Projekt arbeite. Sein nächstes Buch sei eine Biografie über den Musiker Nick Cave, erzählte der Künstler. „Ich wollte mal was Fröhliches machen“, erklärte er. Kleist hat bisher unter anderem einen Comic über den Holocaust mit dem Titel „Der Boxer“ gezeichnet, aber auch ein Buch über Havanna und über den Sänger Johnny Cash.

Reinhard Kleist wurde 1970 geboren und studierte in Münster Grafik und Design. Derzeit arbeitet er in einer Ateliergemeinschaft in Berlin und ist unter anderem für Buchverlage, Magazine, Film- und Fernsehprojekte sowie für die Werbung tätig. Ende 2013 war er für den Fernsehsender Arte in einem Flüchtlingslager im Nordirak und hat dort eine Comic-Reportage gezeichnet. Der Künstler erhielt für seine Arbeiten zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen.

Das Marburger Lesefest dauert noch bis zum 27. Januar. Heute liest Stefanie Taschinski ab 15.30 Uhr in der Bibliothek in Goßfelden, morgen ist ab 16 Uhr die Autorin Antje Herden in der Buchhandlung Lehmanns media/Elwert zu Gast. Weitere Informationen gibt es unter www.marburger-lesefest.de.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr