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Das scharfe Schwert des Wortwitzes

Lesung Das scharfe Schwert des Wortwitzes

Er wurde schon als „Tucholsky unserer Tage“ bezeichnet. Ob Wiglaf Droste diesem Anspruch gerecht werden kann, davon konnte man sich in der Waggonhalle einen Eindruck verschaffen.

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Der Kolumnist und Autor Wiglaf Droste ist ein Meister des geschliffenen Wortes.

Quelle: Tobias Bischoff

Marburg. Wenn Wiglaf Droste seinen Degen zieht, dann sollte man in Deckung gehen, denn seine Hiebe schneiden tief. Die Waffe, der sich der Dichter, Buchautor und Kolumnist dabei bedient, ist allerdings nicht das Schwert, sondern das Wort und die Kunst, die er beherrscht, ist die Satire. Erst vor einer Woche erschien sein Buch „Auf sie mit Idyll! Die schöne Welt der Musenwunder“. Am Mittwoch kam er zur Lesung vor 150 Besuchern nach Marburg. Neben Liedern und Gedichten, waren es vor allem Auszüge aus besagtem Werk und eine Vielzahl von Kolumnen, die er vortrug und die eines gemeinsam haben: Sie poltern gegen alles und jeden.

Drostes Rundumschlag trifft Spitzenpolitiker konservativer Parteien ebenso wie Anhänger der „Kitschpartei“ der Grünen, einen „notorisch untalentierten“ Günter Grass ebenso wie den offenbar geistig minderbemittelten Bauarbeiter. Dabei spart Droste nicht mit Witz auf Kosten seines Publikums oder seiner Arbeitgeber wie der Tageszeitung Junge Welt, für die er nur deshalb Kolumnen verfasse, damit sie „wenigstens jeden Tag einen schönen Artikel hat“.

Droste hat sich stets dagegen verwahrt, sich den Stempel des notorisch Unzufriedenen aufdrücken zu lassen, der gegen alles und jeden wettert. Die Auswahl seiner Texte erweckt diesen Anschein allerdings mit Nachdruck. So derb und polemisch die Urteile mitunter auch sein mochten, so lebendig und kurzweilig ist seine Sprache. Er pflegt eine innige Beziehung zur deutschen Sprache und bedient sich ihrer auf höchstem Niveau.

Seine sich oft an der Grenze zur Beleidigung bewegenden Texte sind mit feinsinnigem Wortwitz ebenso gespickt wie mit überraschenden Beobachtungen. Gerade in der zweiten Hälfte des Abends widmete Droste den Besonder- und Merkwürdigkeiten des Deutschen seine Aufmerksamkeit. Man kann Droste lieben, oder man kann ihn hassen. Aber nicht einmal sein schärfster Kritiker vermag es, ihm sprachliches Feingefühl und stilistische Brillanz abzusprechen. Droste polarisiert, dies aber auf höchst unterhaltsame Weise.

von Tobias Bischoff

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