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Das harte Schicksal der „Wolfskinder“

Neu im Kino Das harte Schicksal der „Wolfskinder“

Als sogenannte Wolfskinder schlugen sich nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Jungen und Mädchen ohne ihre Eltern durch. Der Kinofilm „Wolfskinder“ setzt ihnen nun ein Denkmal.

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„Wolfskinder“ auf der Flucht: Christel (Helena Phil, von links), Fritzchen (Patrick Lorenczat), Asta (Vivien Ciskowska) und Hans (Levin Liam) versuchen zu überleben.Foto: Port au Prince Pictures

Quelle: Port au Prince Pictures

Marburg. Ihr Schicksal war jahrzehntelang eher unbekannt: Nach Ende des Zweiten Weltkriegs mussten sich zahlreiche Kinder in Ostpreußen ohne ihre Eltern durchschlagen und um ihr Überleben kämpfen. Nun rückt der deutsche Regisseur Rick Ostermann dieses Thema in den Mittelpunkt und erzählt in dem Film „Wolfskinder“ von den erschütternden Erlebnissen zweier Brüder.

Hans ist 14, Fritz erst 9 Jahre alt, als ihre Mutter vor Hunger stirbt. Bei der Flucht sind sie von nun an auf sich allein gestellt, vor allem auf dem älteren Hans lastet jede Menge Verantwortung. Dann verliert er in einer chaotischen Situation auch noch Fritzchen aus den Augen und macht sich fortan auf die Suche, seinen Bruder zu finden.

Dabei wird er konfrontiert mit Mord und Vergewaltigung, leidet unter Hunger und muss für sein Überleben auch töten. Ein Hund, der ihn und andere Kinder auf der Flucht bedroht, wird kurzerhand erschlagen. Seine Kindheit war eh schon vorbei, nun muss Hans auch noch Entscheidungen treffen wie ein Erwachsener.

Regisseur Ostermann legt mit „Wolfskinder“ einen bemerkenswerten Debütfilm vor, der vor allem durch seine Bilder in Erinnerung bleibt. Der 35-Jährige folgt Hans - intensiv dargestellt von dem jungen Hauptdarsteller Levin Liam - ganz nah, fängt dessen Blicke, dessen körperliche Angespanntheit ein. Ohne viel Dialoge gelingt es dem Filmemacher so, eine fast dauerhafte Stimmung der Bedrohung zu kreieren. Dabei gewährt er seinen Protagonisten nur sehr wenige Momente des Glücks und ein kurzes Aufflackern kindlicher Unbeschwertheit, etwa wenn sie in einem See schwimmen, spielen und zumindest für einen Augenblick Kinder sein können.

Für sein Werk sprach der in Paderborn geborene Regisseur mit einigen lebenden „Wolfskindern“ in Deutschland, wie er im Interview der Nachrichtenagentur dpa erzählt. „Die Schicksale waren jedoch so schlimm und ergreifend, dass sie für die Kinoleinwand zu hart gewesen wären. Aber genau diese heftigen Erzählungen und Erfahrungen, die diese Wolfskinder mit mir geteilt haben, haben mich noch mehr darin bestärkt, den Film machen zu wollen - beziehungsweise machen zu müssen.“ Diese Geschichten seien nun als Fundament in seinen Film eingeflossen.

Viele der Wolfskinder lebten jahrzehntelang in Osteuropa. Ihre Schicksale wurden häufig erst nach der Auflösung der Sowjetunion bekannt. „Wolfskinder“ erinnert nun nicht nur an sie, sondern an all die Kinder, die in Kriegen zu unschuldigen Opfern werden. Auch wenn der Film auf die Vergangenheit fokussiert, ist er angesichts der Krisen und Auseinandersetzungen weltweit damit gleichzeitig auch hochaktuell.

Der Film startet im Cineplex.

von Aliki Nassoufis

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