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Das ganze "Leben" im Theaterzelt

Waggonhalle Das ganze "Leben" im Theaterzelt

Gibt es ein Leben nach der Geburt? Warum sind die Menschen eigentlich so gern betrunken? Und: Wie bin ich denn nach Köln gekommen? Die Compagnie Buffo stellt im Stück „Leben“ existenzielle Fragen.

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Willi Lieverscheidt gastiert mit seinem Theaterzelt auf dem Waggonhallengelände.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Ein bisschen ist es, als würde man eines dieser Fotos betrachten, in denen sich ein Motiv endlos weiter spiegelt. „Leben“ ist eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte (und so weiter). Als Rahmen-Handlung, gewissermaßen, dient der allwöchentliche Besuch von Willi bei seiner Mutter im Pflegeheim. Kurz zuvor hat das Publikum Willi während einer Probe auf einer Kasperlbühne gesehen. Wenig später wird aus der Szenerie im Pflegeheim ein Schattentheater, dann eine Oper gegeben. Und das alles mit einem einzigen Mann: Willi Lieverscheidt.

Lieverscheidt ist der Gründer der Compagnia Buffo, die es sich vor 30 Jahren zum Ziel gesetzt hat, Theater zu machen, die „dem kindlichen Vergnügen entspringt“ - er sei ein „Bühnenwahnsinniger“, wie in einer Kritik zu lesen ist. Das Zelt, mit dem Lieverscheidt als Ein-Mann-Show - besser gesagt als Ein-Mann-mit-Hund-Show - auf dem Gelände der Waggonhalle aufgeschlagen hat, ist eine Reminiszenz an das alte Jahrmarkttheater.

Erzähltheater bis Maskenspiel

Dem entsprechend jongliert Willi Lieverscheidt auch mit allen möglichen Versatzstücken von Erzähltheater bis Maskenspiel - „neuzeitliche“ Video-Projektionen inklusive. Das Stück von E. St. Smith, dem geheimnisvollen Hausautor der Compagnia Buffo, hinter dem sich natürlich Lieverscheidt verbirgt, war 2014 für die Ruhrfestspiele Recklinghausen nominiert.

Insbesondere die Szenen, in denen er sowohl Willi wie auch dessen demente Mutter spielt, sind von großer emotionaler Intensität. Der Rollenwechsel gelingt ihm ebenso fliegend wie fließend.

Er gibt außerdem den Kasper und den Tod (pardon: „die Tod“, sie kommt nämlich auf hohen Stiefeln und „fronsösisch“ als Madame Tod daher), den Lehrling, der beim Tod anheuert und in einer der Geschichten in der Geschichte den geplanten Mord an Prinzessin Keli vereitelt, die wiederum ihrer Freundin Vanessa per Handy vom gemeuchelten Vater berichtet („voll peinlich!“), diese und eine weitere, mit Pfefferspray bewaffnete Prinzessin, sowie den Operndirigenten. Unter anderem.

Publikum singt

Für den Chorgesang ist natürlich das Publikum zuständig. Das sich in „Leben“ mit den grundlegendsten Themen der Existenz und des Endes auseinandersetzen muss. „Hast Du Dein Leben auf rechte Art und Weise geführt?“, wird der Sterbende in seinem Bett gefragt, „War es das Wahre?“ fragt er sich selbst.

In einem Intermezzo nach der Pause steht Willi Lieverscheidt auf dem Dach seines Zelttheaters und präsentiert den Dialog zweier Ungeborener: „Gibt es ein Leben nach der Geburt?“.

Das ganze „Leben“. Als Stück der Compagnia Buffo ist es skurril, stellenweise furchtbar albern, stellenweise wunderbar berührend. Und ganz viel dazwischen. Fast so wie im richtigen Leben.

  • Die Compagnia Buffo gastiert noch bis zum 28. Juni auf dem Gelände der Waggonhalle. Vorstellung ist jeden Abend außer montags um 20.30 Uhr. An der Abendkasse kostet der Eintritt 14, ermäßigt 10 Euro. Reservierungen sind unter der Telefonnummer 0171/4756584 möglich.

von Nadja Schwarzwäller

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