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Das Verbrechen neben dem Ferienhaus

OP-Buchtipps: Regionalkrimis als Reiselektüre Das Verbrechen neben dem Ferienhaus

Sie bieten viel Spannung und eine Prise Urlaubsflair. Regionalkrimis sind für viele Menschen die perfekte Reiselektüre.

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Alte Baumalleen, schöne Bäder und Strände machen Rügen zu einem der beliebtesten Urlaubsziele an der Ostsee. Jetzt hat die Insel auch ihren Regionalkrimi: „Bernsteinmord“.

Quelle: Stefan Sauer

Schöne Orte scheinen Verbrecher geradezu magisch anzuziehen. Immer mehr Kommissare ermitteln vor Bilderbuchkulissen, die Lust auf Urlaub machen. Regionalkrimis stehen für Spannung pur in unmittelbarer Nähe des eigenen Ferienhauses oder Hotels. Eine kleine Auswahl, die in die Provence, nach Andalusien, auf die Insel Rügen und in die bayerischen Alpen entführen:

 

„Tödlicher Lavendel“

Remy Eyssens packender Debütroman spielt in der Provence. Der deutsche Rechtsmediziner Leon Ritter sucht im Städtchen Le Lavandou einen Neuanfang. Bei der Obduktion eines kleinen Mädchens erscheinen ihm die Todesumstände verdächtig. Polizeichef und Bürgermeister möchten das Ganze am liebsten als Unfall unter den Teppich kehren. Leon Ritter jedoch sieht Parallelen zum angeblichen Unfalltod eines anderen Kindes, der einige Jahre zurückliegt.

Als ein weiteres Mädchen ermordet wird, müssen selbst die lokalen Honoratioren erkennen, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Eyssen bietet einen spannenden Kriminalfall, bei dem auch das provenzalische Lebensgefühl nicht zu kurz kommt. Die hochsommerliche Atmosphäre Südfrankreichs mit der flirrenden Hitze und den mediterranen Gerüchen meint man mit allen Sinnen zu spüren.

  • Remy Eyssen: „Tödlicher Lavendel“, Ullstein Verlag, 464 Seiten, 9,99 Euro.
 

„Im Schatten der Alhambra“

Andalusien ist der Schauplatz eines Regionalkrimis, der gleichzeitig tief in die spanische Geschichte zurückgreift. Hauptfigur in von Eduard Freundlingers Werk ist Kommissar Rubén de Freitas, der beim Tauchen Überreste einer spanischen Armada entdeckt, die 1562 vor der Küste Andalusiens versank. Für viel Aufregung sorgt dabei ein gefundenes Dokument in altspanischer Sprache, das er an eine Expertin zur Übersetzung weitergibt.

Die Wissenschaftlerin wird kurz darauf ermordet. Rubén de Freitas fragt sich, wer bereit ist, für seinen Fund über Leichen zu gehen. Doch das Schriftstück enthält politischen Sprengstoff und könnte die spanische Geschichte auf den Kopf stellen.  Freundlinger gelingt ein spektakulärer Andalusien-Roman mit ausgesprochen unorthodoxen und charismatischen Figuren. Die Romanhandlung ist ein geschickter Genre-Mix aus Regionalkrimi und Mystery-Thriller mit viel Action.

  • Eduard Freundlinger: „Im Schatten der Alhambra“, Piper Verlag, 416 Seiten, 9,99 Euro.
 

„Bernsteinmord“

In Katharina Peters‘ Krimi ist die Ostseeinsel Rügen alles andere als eine Wohlfühloase, vielmehr wird sie zum Brennpunkt aktueller gesellschaftlicher Probleme. Die Physiotherapeutin und bekennende Homosexuelle Mona Gluek wird grausam ermordet. Dahinter scheint Hass auf Schwule und Lesben zu stehen, zumindest verweist darauf ein Bekennervideo im Internet. Tragischerweise ist bereits Glueks Lebensgefährtin einen Monat zuvor spurlos verschwunden.

Viel Arbeit also für Kommissarin Romy Beccare, zumal sich das Mordopfer durch sein rücksichtsloses Auftreten viele Feinde gemacht hat. Der Autorin gelingt es, das sensible Thema Diskriminierung gegen Homosexuelle differenziert darzustellen und in eine fesselnde Geschichte einzubauen. Überzeugende Figuren runden einen sehr guten Kriminalroman ab.

  • Katharina Peters: „Bernsteinmord“, Aufbau Taschenbuch Verlag, 319 Seiten, 9,99 Euro.
 

„Wolfsschlucht“

Wer es bayerisch deftig mag, der ist bei Andreas Föhr genau an der richtigen Adresse. Er lässt sein kultiges Ermittlerteam Wallner/Kreuthner wieder zur Hochform auflaufen. Die Kommissare aus Oberbayern müssen diesmal einem ebenso bizarren wie rätselhaften Kriminalfall nachgehen. Im Fluss Mangfall wird ein Leichenwagen geborgen. Darin sitzt der mit mehreren Schüssen ermordete Bestatter Florian Scheffler. Wie sich zeigt, hängt dieses Verbrechen mit dem mysteriösen Verschwinden einer jungen Frau zusammen. Die Spur führt die Kommissare in die unheimliche und schwer zugängliche Wolfsschlucht in den Tegernseer Bergen.

Der Roman verbindet ganz unterschiedliche Stimmungen. Witzige Dialoge der Kommissare wechseln sich mit düsteren und bedrohlichen Szenarien ab. Auch an surrealen Elementen fehlt es nicht. So treiben hier ein Wolf und eine neuzeitliche Hexe ihr Unwesen. Ein origineller, vielseitiger Regionalkrimi.

  • Andreas Föhr: „Wolfsschlucht“, Knaur Verlag, 400 Seiten, 14,99 Euro.

von Sibylle Peine

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