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„Das Theater unentbehrlich machen“

Neue Spielzeitbegrüßung am Landestheater „Das Theater unentbehrlich machen“

Mit vielen neuen Kollegen startet das Hessische Landestheater in die Saison. Für Intendant Matthias Faltz ist die 6. Spielzeit eine „neue Etappe“.

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Knapp 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt das Hessische Landestheater Marburg. Am Montag war die traditionelle Spielzeitbegrüßung.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Das Hessische Landestheater ist aus den Theaterferien zurück. Intendant Matthias Faltz schwörte am Montag bei der traditionellen Spielzeitbegrüßung sein Team auf die kommende Spielzeit ein. „Die letzte Spielzeit war sehr anstrengend, aber auch erfolgreich“, sagte er. Er habe etwa „Cinderella“ sehr genossen, für ihn sei es ein Höhepunkt der letzten fünf Jahre gewesen.

Mit seiner 6. Spielzeit in Marburg beginnt für Faltz „eine neue Etappe“. In knapp zwei Wochen ist die Spielzeiteröffnung mit Lessings „Nathan der Weise“. „Geht positiv, wohlwollend und konstruktiv miteinander um“, sagte er mit Blick auf die zahlreichen neuen Gesichter im Team: Vier neue Schauspieler, vier neue Kolleginnen und Kollegen im Leitungsteam. Hinzu kommen neue Mitarbeiter in technischen Abteilungen und zahlreiche Praktikanten.

Auch Oberbürgermeister Egon Vaupel ließ es sich als „Fan des Theaters“ nicht nehmen, das Ensemble zu begrüßen. Insbesondere bei den Neuen warb er für Marburg: „In der Universitätsstadt lebt es sich ganz gut“, sagte er und ergänzte: „Die Stadt hat auch eine gute finanzielle Basis.“

Dass ein OB und Kämmerer so etwas offenbart, ist selten in Deutschland, für das Hessische Landestheater aber ein positives Signal. Angesichts der vieler Debatten über die Zukunft der deutschen Theater, die in vielen Städten unter Sparzwängen leiden, sagte Faltz: „Es ist nicht selbstverständlich, wie wir vom OB und von der Stadt unterstützt werden.“ Dies wolle das Theater zurückgeben. „Wir müssen mit Inhalten zeigen, dass wir gebraucht und wahrgenommen werden. Unser Ziel ist es, das Theater unentbehrlich zu machen als Ort der Diskussion, als Ort der Auseinandersetzung.“

Fremdenhass spielt im Stück „Die Ereignisse“ eine Rolle

Und schon war man in der lockeren Runde mitten drin im politischen Tagesgeschehen. Bereits vor zwei Jahren wurde der aktuelle Spielplan 2015/16 am Landestheater erarbeitet. Ungemein spannend ist in der aktuellen Flüchtlingsdebatte mit ihren rechtsextremen Auswüchsen das Auftaktstück „Nathan der Weise“. Gotthold Ephraim Lessing setzt sich darin mit Humanismus und Toleranz auseinander.

Auch Vaupel ging in seiner Rede auf die Flüchtlingskrise ein, warb eindringlich für Toleranz. „In Marburg gehen wir anders mit Flüchtlingen um“, sagte er mit Blick auf die Angriffe von Rechtsradikalen etwa im sächsischen Heidenau, ohne den Ort namentlich zu erwähnen. Es sei eine Pflicht, Flüchtlinge gut zu behandeln, so der Sozialdemokrat.

Eine Ursache für Flucht sei neben Terror und Krieg die schreckliche Armut in der Dritten Welt, die durch die Ausbeutung durch den Westen verursacht sei, „damit wir Handys für einen Euro kaufen können“. Zudem habe der Westen allzu oft Diktatoren unterstützt, so der scheidende Oberbürgermeister. Die Angriffe auf ein Flüchtlingsheim in Heidenau, der Terror und die Religionskriege machen auch Faltz sprachlos. „Das Theater hat die Chance, darauf zu reagieren“, sagte er.

Um Fremdenhass geht es im zweiten Stück der Spielzeit: „Die Ereignisse“ des Schotten David Greig handelt von einem Amoklauf in einem multikulturellen Chor. Und in der Bearbeitung von Émile Zolas Roman „Das Geld“ geht es um die Auswirkungen des Kapitalismus schlechthin. Die Auswahl der Stücke zeigt: Das Hessische Landestheater Marburg will ein Ort der politischen Auseinandersetzung sein.

von Uwe Badouin

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