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„Das Original ist von uns“

Karat im Erwin-Piscator-Haus „Das Original ist von uns“

„Karat“ ist neben den „Puhdys“, „Silly“ und ­„City“ die vierte große DDR-Band, die auch im Westen Erfolge feierte. Am Freitagabend spielte die Band vor 1000 begeisterten Fans im ausverkauften Erwin-Piscator-Haus.

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Gutgelaunte Alt-Rocker aus dem Osten der Republik: Sänger Claudius Dreilich (von links), Schlagzeuger Michael Schwandt, Gitarrist Bernd Römer und Bassist Christian Liebig auf der Bühne des Erwin-Piscator-Hauses.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Vor vier Jahren war „Karat“ zuletzt in Marburg. „Soll das heißen, ihr habt vier Jahre gebraucht, um die Halle zu bauen?“, witzelt Sänger Claudius Dreilich, um gleich nachzuschieben: „Nun, wir Berliner sollten uns wohl nicht so weit aus dem Fenster lehnen.“

Claudius Dreilich ist seit 2005 Frontmann von „Karat“. Er ersetzte damals seinen ein Jahr zuvor verstorbenen Vater Herbert, mit dem die Band bis dahin in Ost- und auch Westdeutschland Riesenerfolge feierte. Es war fast das Ende der Band. Die Fußstapfen waren groß, doch „Nesthäkchen“ Claudius hat sich mit „meinen Papis“ arrangiert. „Betreutes Musizieren“ nennt er die Konzerte mit seinen Kollegen, die seit der Gründung 1975 DDR-Rockgeschichte geschrieben haben.

Die Band "Karat" war am Freitagabend im ausverkauften Marburger Erwin-Piscator-Haus zu Gast und begeisterte das Publikum mit ihren Hits.

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Gitarrist Bernd Römer, Bassist Christian Liebig, Key­boarder Martin Becker und Schlagzeuger Michael Schwandt sind alte „Karat“-Hasen, haben ihm Millionen Tour-Kilometer voraus und doch hat sich Claudius Dreilich hineingesungen in die „Karat“-Welt.

Ein ausverkauftes Haus im Westen - das überrascht und freut die Band, die im Osten der Republik Kultstatus hat und „in diesen Regionen“ aber auch 41 Jahre nach ihrer Gründung seltener auftritt. „Wir danken der Agentur Depro und der Oberhessischen Presse, die den Auftritt möglich gemacht haben“, sagt Dreilich gegen Ende des Konzertes.

„Karat“ legen los mit Songs, die „drüben“ jeder kennt, die im Westen jedoch recht unbekannt sind: Mit „Steh auf“, dem lyrisch-poetischen „Schwanen­könig“, „Marionetten“ oder dem schönen Liebeslied „Gewitterregen“. So dauert es eine Weile, bis bei dem bestuhlten Konzert der Funke überspringt.

Das gelingt mit ihren großen Hits „Albatros“ aus dem Jahr 1979, „Narrenschiff“ aus dem Jahr 1980, oder „Der blauer Planet“ aus dem Jahr 1982: es sind wuchtig-orchestrale Rocksongs aus ihrer erfolgreichsten und produktivsten Zeit, die auch nach mehr als 30 Jahren funktionieren. Songs, die im Radio leider nicht mehr gespielt werden, weil sie die Drei-Minuten-Grenze bei weitem sprengen.

Im Westen sind die Fans nicht so textsicher

Jetzt steht das Marburger Publikum, das mit der Band gealtert ist. Es will tanzen, sich bewegen, raus aus den engen Stuhlreihen. Spätestens jetzt haben die fünf Musiker das Marburger Publikum gewonnen, jeder Song wird bejubelt, beklatscht. Nur mit dem Mitsingen klappt es nicht so ganz. Im Osten singen die Fans jedes Lied mit, im Westen sind sie nicht ganz so textsicher - mit einer Ausnahme: Den großen Klassiker „Über sieben Brücken musst du geh‘n“ aus dem Jahr 1978 kennt auch jeder Wessi auswendig. Der Song machte Peter Maffay zum Star, deshalb macht Dreilich auch unmissverständlich klar: „Das Original ist von uns“. Der Song, ihr größter Hit, der einen anderen groß gemacht hat, wird ausgiebig zelebriert. Vier stürmisch geforderte Zugaben spielen Dreilich und Co. noch, bevor das Licht endgültig angeht. 20 Songs, eine fast zweistündige, souverän gespielte Show - ­„Karat“-Herz, was willst du mehr. Die Fans sind glücklich.

Im Vorprogramm präsentierte Depro die junge Singer-Songwriterin Lea aus Kassel. Auch sie freut sich. Zwar hat sie mit ihrem eher introvertierten Elektro-Indie-Pop schon als 16-Jährige Millionen Youtube-Klicks gesammelt, live hat sie vor so einem großen Publikum aber wohl noch nicht gespielt.

von Uwe Badouin

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