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Das Material erzwingt das Kunstwerk

Ausstellung im Landratsamt Das Material erzwingt das Kunstwerk

Sehr unterschiedlich sind die Skulpturen und Gemälde, die Elisabeth Sabo und Manfred Döring im Landratsamt zeigen. Doch sie schaffen es gleichermaßen, den Betrachter anzustoßen, aber auch Raum für Interpretation beizubehalten.

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Manfred Döring und Elisabeth Sabo stellen Gemälde und Skulpturen aus.

Quelle: Yannic Bakhtari

Marburg. Eine demolierte Taube zwängt sich durch ein enges Loch inmitten von Drähten hindurch, wird dabei verletzt. Auf einem Selbstporträt Manfred Dörings blickt er auf hunderte Gesichtslose herab.

Menschen, die unterwegs sind, alle von ihren Handys abgelenkt. Diese Szenen aus Werken der beiden Künstler muten politisch an, scheinen Kritik zu üben an einer dekadenten und heuchlerischen Gesellschaft, die nur sich selbst und weniger die Mitmenschen im Sinn hat.

Doch um Politisches geht es Sabo und Döring gar nicht. „Meine Werke haben keinen tieferen Sinn, ich male einfach drauf los“, erklärten beide einmütig. Dennoch eröffnen sich in ihren Werken unterschiedliche Dimensionen der Zeit, der Orte, der Perspektive.

Sabo: „Meine Kunst hat keine politischen Aussagen“

Landrätin Kirsten Fründt fasste das Schaffen beider Künstler mit Blick auf die Themensetzung der Vernissage knapp zusammen: „Manfred Döring arbeitet in der zweiten Dimension, Elisabeth Sabo in der dritten.“ „Die Menschen kennen keine vierte Dimension, denn das wäre die schwer erfassbare Zeit“, sagte Laudator „Prof. Dr. Egon Julius von Arten“. Über Döring sagte er, dass dieser sich als Betrüger bezeichnen würde.

Doch nicht nur Döring ist einer, auch der sogenannte Professor, der sich als Kunstdozent an der Wiener Uni ausgab, in Wahrheit aber Camil Morariu heißt und Schauspieler am Hessischen Landestheater Marburg ist. Morariu ist ein Kollege Sabos, die hauptberuflich nicht als Künstlerin sondern als Garderobiere und Kostümbildnerassistentin am Landestheater arbeitet.

Allein dieser Witz zeigte, dass Sabo ihr Schaffen gar nicht so ernst meint. „Meine Kunst hat keine dezidierten politischen Aussagen. Ich mache es einfach, weil es mir Spaß macht. Manchmal gehe ich auf den Schrottplatz und suche Eisenteile für meine Skulpturen. Oft zwingt mich dann ein Material, aus ihm ein Kunstwerk zu schaffen und dann fange ich einfach an“, erklärte Sabo.

Die 1958 in Ungarn geborene Künstlerin erschafft überwiegend Skulpturen, aber auch Mosaike sowie Gemälde. „Ich arbeite wie ein Tier, ich muss oft früh aufstehen, weil ich es nicht erwarten kann, endlich weiterzumachen“, sagte sie.

Im Frühjahr ist sie für ihre Kunst mit dem Otto-Ubbelohde-Preis, dem höchsten Kulturpreis des Landkreises, ausgezeichnet worden. Ihr Freund Manfred Döring sei allerdings das komplette Gegenteil zu ihr, was die Ideen zu den Werken angeht.

Döring will Willkommenskultur zurück

Sie arbeite drauf los, am Ende komme meist etwas völlig anderes heraus, als sie es im Sinn hatte. Der gebürtige Salzburger Döring allerdings habe zu Beginn einer Arbeit „immer ein Bild im Kopf“, was er exakt umzusetzen versucht. Meist gelingt es ihm auch, erzählte er.

Zu seinen Gemälden inspirieren lasse er sich von Fotomotiven, von Situationen im Alltag. Aktuell verarbeite er die Flüchtlingsproblematik in einem Werk. In diesem Fall will er durch seine Kunst bewusst Kritik üben: „Die Willkommenskultur soll endlich wiederkommen.“

1945 geboren, interessierte sich Döring schon früh für Kunst, machte 1968 an der Meisterschule in München auf Wunsch seiner Eltern seinen Abschluss in Gemälderestaurierung und Kirchenmalerei. 1976 begann er, als Kunstlehrer an der Fachoberschule für Gestaltung in Kassel zu unterrichten. Bei eigenen Werken sei er aber frei, nicht wie bei der Restaurierung, das gefalle ihm gut.

Beide stellen viel in der Bundesrepublik, im europäischen Ausland und in Südkorea aus. Sabo wird demnächst in Gießen bei der Vernissage „Me“ in der Galerie Unterer Hardthof mit ihren Plastiken zu sehen sein.

  • Noch bis zum 25. August sind die Werke im Foyer des Landratsamts zu den Öffnungszeiten Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 14 Uhr ausgestellt.

von Yannic Bakhtari

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