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Das Lebensgefühl einer Generation

Lesung von Olga Grjasnowa Das Lebensgefühl einer Generation

Ihr Buch stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2012 und wurde von der Kritik hoch gelobt. Jetzt stellte Olga Grjasnowa in der Waggonhalle ihren Roman "Der Russe ist einer, der Birken liebt" vor.

Marburg. Die Autorin ist eine sehr freundliche junge Frau. Nett, sympathisch, bescheiden. Fast schüchtern lächelte sie von der Bühne herab in die Runde. Dabei kündigte sie Jan Süselbeck vom Marburger Literaturforum zuvor als „Shootingstar“ der Literaturbranche an.

In den Feuilletons namhafter Zeitungen sei ihr Debütroman „hymnisch“ gelobt worden, sagte Süselbeck, und zählte die Preise auf, die die Schriftstellerin bereits gewonnen hat. Derzeit werde ihr Buch unter anderem ins Französische, Schwedische, Spanische und Kroatische übersetzt, fügte er hinzu.

Mit dunkler, leiser Stimme begann Olga Grjasnowa zu lesen. Sofort fiel die äußerst präzise Sprache auf, ihr geschliffener Stil, ihre beeindruckende Beobachtungsgabe. Fesselnd ihr sehr genauer Blick auf die Welt, die feine Ironie, das Tempo, die Melancholie. Im Zentrum von Grjasnowas Roman steht Mascha, eine junge Frau, die aus Aserbaidschan stammt. Sie ist Jüdin und kommt als Immigrantin nach Deutschland. Hier erfährt sie, was es heißt, fremd in einem Land zu sein, ohne Sprachkenntnisse, ganz auf sich gestellt. Hier studiert sie, hier lebt sie mit ihren Freunden aus aller Welt zusammen. Ihre Freunde, die so sind wie sie, ständig unterwegs, überall zu Hause und doch nirgends verwurzelt.

Im Laufe der Geschichte werden immer wieder historische und politische Themen gestreift: die Ermordung der Armenier in Bergkarabach, der Krieg in Aserbaidschan, der sinnlose und endlose Nah-Ost-Konflikt. Gleichzeitig handelt der wortmächtige Erstlings-Roman aber auch von Liebe und Tod, von der Suche nach sich selbst und dem zähen Ringen um Anerkennung in einem fremden Land.

Olga Grjasnowa wurde 1984 in Baku, Aserbaidschan, geboren und wuchs im Kaukasus auf. Sie ist Jüdin und kam in den 1990er Jahren als Kontingentflüchtling nach Deutschland. Sie studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und erhielt unter anderem ein Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung. Derzeit studiert sie Tanzwissenschaften an der FU Berlin.

von Bettina Preussner

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