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Das Leben ist kein Ponyhof

Theater Das Leben ist kein Ponyhof

Sind wir die Generation Y? Das Stück „Eines Tages ist heute, Baby!“ sucht Antworten in einer cleveren und kurzweiligen Inszenierung. Am Freitagabend war Uraufführung in der ausverkauften Blackbox.

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Nicht mehr die „Generation Nutella“: Das Stück „Eines Tages ist heute, Baby“ fragt, welche Generation in welche Schublade passt.

Quelle: Hessisches Landestheater

Marburg. Eines ist sonnenklar: Diese Generation hängt am Tropf ihrer Smartphones. Mit Klebeband sind die Handys fest an die Hände der jungen Darstellerinnen und Darsteller gebunden, ständig ertönt ein Klingelton, und alle starren gleichzeitig wie gebannt auf ihr Gerät. Und die Botschaften? Allesamt für den Müll, nutzlos, unwichtig, uninteressant - Max hat geduscht, Lisa hat einen Pickel.

Die Regisseurinnen Magz Barrawasser und Victoria Schmidt haben zusammen mit den Schauspielerinnen und Schauspielern des Theaterlabors ein ebenso unterhaltsames wie nachdenkliches Stück entwickelt und auf die Bühne gebracht.

Die zwölf Darsteller stehen mit dem Gesicht zum Publikum auf einer Tribüne, sie bewegen sich kaum, schauen die meiste Zeit starr geradeaus. Kommunikation untereinander gibt es nicht, keine Rollen, keine Dialoge, nur eine angedeutete Geschichte. Dafür gibt es locker aneinandergereihte Szenen und ein paar Typen: die Kulturtussi, die Polit­aktivistin, die Ökotante, die Modepuppe, den Amerikaner.

Worum geht es in „Eines Tages ist heute, Baby!“? Die junge Generation, die sogenannte Generation Y, befragt sich selbst und beleuchtet schlaglichtartig die Gemeinsamkeiten: Man hat heute keinen Lebensplan mehr, sondern eine To-do-Liste. Man lebt mit vielen Unsicherheiten und hat sich an das ständige Improvisieren längst gewöhnt. Im harten Kampf um einen Platz in der Gesellschaft geht es nicht zimperlich zu, und im Bedarfsfall hilft der Griff nach der Pille gegen Depressionen.

„Die multi-vielen Möglichkeit verwirren mich“, sagt eine Figur. Und: „Wir wollen beides, Karriere und Kinder.“ Eine junge Frau erklärt: „Ich würde gerne mal ohne mich verreisen. Ich will nicht ständig bewertet werden.“ Sie hat es satt, immer perfekt sein zu müssen und fragt sich langsam: „Wer bin ich eigentlich?“ Eine SMS, die zwischendurch hereinschneit, fasst das Lebensgefühl zusammen: „Das Leben ist kein Ponyhof.“

Das Stück „Eines Tages ist heute, Baby!“ lebt vor allem vom gekonnten und engagierten Spiel der jungen Truppe. Durchweg sind die Schauspieler mit vollem Einsatz und viel Herzblut bei der Sache.

Hinzu kommen die vielen guten Spielideen: Manchmal reden die Darsteller mit sich selbst, dann sprechen sie wieder das Publikum direkt an, verlassen die Bühne und setzen sich den Leuten auf den Schoß.

Oder eine Stimme aus dem Off spricht die Gedanken laut aus, die allen durch den Kopf schwirren.

Und immer wieder werden Kunstpausen eingelegt, in denen alle ganz cool und möglichst gelangweilt vor sich hin glotzen.

Am Schluss geben die Schauspieler die zentralen Fragen ins Publikum weiter: Sind wir wirklich die Generation Y? Kann man eine Generation tatsächlich in eine Schublade pressen? Gehören Sie da vorne vielleicht zur Generation Nutella? Die Zuschauer waren begeistert und bedankten sich mit langem, stürmischem Beifall bei den Schauspielern und den Regisseurinnen.

Das Theaterlabor des Hessischen Landestheaters bietet jedes Jahr Studenten und jungen Erwachsenen die Chance, sich auf der Bühne zu beweisen. Unter professioneller Anleitung erarbeiten sie ein Stück, das gegen Ende der Spielzeit im regulären Spielplan zu sehen ist.

Eine weitere Aufführung von „Eines Tages ist heute, Baby!“ gibt es am 3. Juni um 19.30 Uhr.

von Bettina Preussner

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