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Das Leben als Tochter einer Heiligen

Buch über Sophie von Brabant Das Leben als Tochter einer Heiligen

Am Dienstagabend stellte Bernd Kaufmann seine Romanbiografie „Wie das Schilfrohr im Fluss“ über Sophie von Brabant vor. Das Buch, das die OP seit 18. Januar als Fortsetzungsroman präsentiert, ist jetzt im Handel erhältlich

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Schüler der 8. Klasse der Elisabethschule präsentierten im gut besuchten Historischen Rathaussaal Szenen aus dem Roman von Bernd Kaufmann (kleines Foto, rechts).Fotos: Andreas Schmidt

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Karl-Heinz Niwek vom BKP-Verlag versprach den zahlreichen Besuchern im Historischen Rathaus eine besondere Präsentation des historischen Romans. Tatsächlich hatte sich der kleine Verlag einiges einfallen lassen und bei der Marburger Elisabethschule offene Ohren für das Projekt einer szenischen Präsentation des Stoffes gefunden, der eng mit der Marburger Geschichte verwoben ist. Sophie von Brabant (1224 – 1274) steht im Zentrum der Romanbiografie. Sie war die Tochter der Heiligen Elisabeth (1207 – 1231) und gilt als „Mutter Hessens“.

21 Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse der Elisabethschule erarbeiteten im Fach Darstellendes Spiel unter der Leitung ihrer Lehrerin Nicole Luigs einige Szenen: Die Jugendlichen konzentrierten sich auf Passagen, die sie selbst sehr gut nachvollziehen konnten, wenn etwa Elisabeth ihre kleine Tochter Sophie zwingt, ihr hinaus in das Elend zu folgen und keine Widerrede duldet. Während Elisabeth die Kranken hingebungsvoll pflegt, ist sie ihrer Tochter gegenüber spröde, kalt und abweisend. Eine Rabenmutter.

Eine weitere Szene zeigte sie Sophie als 12-Jährige bei der sogenannten Translatio ihrer inzwischen heiliggesprochenen Mutter am 1. Mai 1236 in Marburg. In Massen waren Gläubige nach Marburg gepilgert, zeitgenössische Quellen sprechen von mehr als einer Million Menschen. Neben zahlreichen Adligen und Würdenträgern hatte sich auch Kaiser Friedrich II. auf den Weg ins entlegene Marburg gemacht, um Elisabeth zu huldigen. Und schließlich präsentierten die Schüler eine Szene, in der die junge Mutter Sophie mit ihrem Kind Heinrich I., dem späteren ersten Landgrafen von Hessen, bei Rittern um Unterstützung wirbt.

„Ich wusste anfangs nicht so recht, ob die Schüler mit dem historischen Stoff etwas anfangen können“, sagte Nicole Luigs. Aber ihre Sorge sei unbegründet gewesen. „Es ist ein sehr bildhafter Roman, optimal um ihn auf der Bühne umzusetzen“, sagte die Lehrerin. Zudem sei er hochaktuell, auch heute noch müssten Kinder ungefragt und oft gegen ihren Willen ihren Eltern folgen.

Autor Bernd Kaufmann zeigte sich „beeindruckt vom Spiel der Jugendlichen“, dankte der Stadt, die den Historischen Rathaussaal in unmittelbarer Nachbarschaft der kleinen Statue von Sophie von Brabant zur Verfügung gestellt hatte, und der OP für den Abdruck seines Buches als Fortsetzungsroman. Kaufmann (60) ist eigentlich Unternehmer und im „Nebenberuf“ leidenschaftlicher Autor. „Wie das Schilfrohr im Fluss“ ist bereits sein vierter Roman, den er im eigenen Verlag herausgibt.

Zuvor hatte der Mediävist und Germanist Dr. Dr. Bernhard Graf die heutige Sicht auf das Mittelalter erläutert und Romane wie „Die Wanderhure“ oder den ZDF-Zweiteiler „Die Pilgerin“ als „Machwerke“ bezeichnet, die ein verfälschtes Bild vom Leben im vermeintlich finsteren Mittelalter vermittelten. Selbst Umberto Ecos Bestseller „Der Name der Rose“ kritisierte er als „Mönchspsychiatrie“. Bernd Kaufmanns sorgfältig recherchierter Roman hebe sich wohltuend ab von der „gegenwärtigen Wissensfinsternis“. Nichts sei zu spüren von der „düsteren Welt der hinterhältigen Hexen, brutalen Folterknechte, Huren und Inquisitoren“, ebenso wenig von den strahlenden Rüstungen der Ritter in den Hollywoodproduktionen der 50er bis 70er Jahre. Kaufmann verbinde den Kampf um die Herrschaft im Heiligen Römischen Reich der spätstaufischen Epoche mit den Landesgeschichten von Thüringen, Brabant, Hessen und Meißen und integriere „weit entfernt von sämtlichen Mittelalterklischees“ die Geschichte von Sophie als Landgrafentochter von Thüringen, Herzogin von Brabant und Stammmutter des Hauses Hessen“.

Ralf Laumer, Pressesprecher der Stadt Marburg, hatte die Gäste im Namen von Egon Vaupel begrüßt. Der OB musste den Termin wegen anderer Verpflichtungen kurzfristig absagen.

Bernd Kaufmann: „Wie das Schilfrohr im Fluss“, BKP-Verlag, 312 Seiten, 14,90 Euro.

von Uwe Badouin

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