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Das Gute tanzt gegen das Böse an

Das Gute tanzt gegen das Böse an

Licht tritt gegen die Finsternis an. Am Stadttheater Gießen gab es am Samstag donnernden 
Applaus für einen Tanzabend, der zwei Klassiker zusammenfügt: Petruschka und Feuervogel.

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Tarek Assams Version von „Petruschka“ besticht mit Dynamik und Eleganz.

Quelle: Rolf K. Wegst

Gießen. Es sind keine kleinen Themen, die sich die Choreographen Tarek Assam und Pascal Touzeau mit ihrer Inszenierung „Petruschka vs. Feuervogel“ vornehmen. Ballettdirektor Assam und Gastchoreograph Touzeau verbinden die Klassiker „Petruschka“ und „Feuervogel“, die mit „Le sacre du printemps“ zu Strawinskys drei großen Balletten vom Beginn des 20. Jahrhunderts zählen.

Assam hat sich „Petruschka“ vorgenommen, das sich um den armen Petruschka dreht, der als Puppe von einem Gaukler gehalten und seiner Emotionen beraubt wird. Er verliebt sich in eine Puppenkollegin und geht an seinen individuellen Gefühlen zugrunde. Nach dem Tod der Hauptfigur gibt es eine wenige Minuten lange Sequenz, in der ihr Sterben reflektiert wird.

Genau an diesem Punkt setzt Touzeau mit seinem „Feuervogel“ an. Die Handlung des Stücks, in dem Held Ivan um individuelle Freiheit kämpft, erscheint als Petruschkas Traum vom Selbst. Man kann also sagen, dass Assam und Touzeau zwei Seiten der Medaille persönlicher Freiheit zeigen – eine stimmige Dramaturgie.

Meisterliche Lichteffekte

Diese beiden Seiten werden in den zwei Episoden auf hohem Niveau in Bühnenoptik und Bewegungssprache umgesetzt. Assam verortet seinen „Petruschka“ auf einer Straße, deren Unruhe dauerhaft bewegte Bühnenwände sehr schön auf die Rampe bringen. Die Bewegungssprache seines Personals ist entsprechend quirlig und temperamentvoll, in den dramatischen, tragischen Szenen um den Titelhelden Petruschka voll emotionaler Tiefe. Assam berührt und lässt seine Episode in Tageshelle spielen.

Touzeau dreht das Licht ab und beweist einmal mehr, wie meisterlich er den Lichteffekt beherrscht. Sein „Feuervogel“ kommt im Dämmerlicht des Traumes daher – in beiden Fällen ist Carsten Wank für das Licht verantwortlich – und betört mit tänzerischer Wucht, Mystik und des Choreographen besonderem Gespür für die effektvoll in Szene gesetzte Uniformität der Massen.

Die Choreographien sind Werke aus Meisterhand, an denen die Tänzer natürlich ihren Anteil haben. Auf der Bühne zu erleben sind Sven Krautwurst, William Banks, Alberto Terribile, Francesco Mariottini, Yuki Kobayashi, Magdalena Stoyanova, Romain Arreghini, Iacopo Loliva, Caitlin-Rae Crook, Agnieszka Jachym, Mamiko Sakurai, Kristina Norri und Skip Willcox. Sie alle stellen einmal mehr unter Beweis, dass die Gießener Tanzcompagnie inzwischen ganz oben mitspielt.

Weitere Aufführungen am 24. Oktober, 12. Dezember, 2., 21. und 31. Januar um 19.30 Uhr sowie am 8. November um 15 Uhr. Mehr unter www.stadttheater-giessen.de.

von Stephan Scholz

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