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Das Gegenteil der Alten Aula

Marburger Kamerapreis Das Gegenteil der Alten Aula

Am Freitagabend wurde im Rahmen einer feierlichen Zeremonie zum elften Mal der Marburger Kamerapreis verliehen.

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Kamerapreisverleihung in der Alten Aula in Marburg. Unipräsidentin Katharina Krause und Oberbürgermeister Egon Vaupel übergeben den Preis an Anthony Dod Mantle.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Alte Aula als Rundumkino? Ein einleuchtender Gedanke, folgt man Professorin Katharina Krause, die am Freitagabend den Festakt zur Verleihung des Marburger Kamerapreises eröffnete. In der voll besetzten Alten Aula kamen neben der Universitätspräsidentin auch Oberbürgermeister Vaupel, der Marburger Medienwissenschaftler Professor Dr. em. Karl Prümm und Laudator Philip Gröning zu Wort.

Krause erlaubte sich, als Kunstgeschichtlerin zu reden, was dem Zeitpunkt der Preisverleihung sehr angemessen war. Schließlich war dem feierlichen Teil bereits ein intensives Kameragespräch vorausgegangen. So knüpfte sie eine Verbindung zwischen dem reich bebilderten Prunksaal der Universität und dem filmischen Schaffen des diesjährigen Preisträgers Anthony Dod Mantle. Wie man bei der Bemalung der Alten Aula 1903 darauf geachtet habe, die Entwicklung der Stadt Marburg nachzuvollziehen, so stehe Dod Mantle dafür, „Filme mit einem universellen Anspruch und mit umfassender Wirkung zu fotografieren“.

Es war aber vornehmlich an Oberbürgermeister Egon Vaupel, diese Institution zu würdigen. Bereits zum elften Mal durfte er den mit 5.000 Euro dotierten Preis überreichen. Er betonte denn auch seine Erleichterung, dass die Kameragespräche nach der Emeritierung von Prof. Karl Prümm weitergeführt werden und mit der Neubesetzung des medienwissenschaftlichen Lehrstuhls eine nachhaltige Perspektive haben.

Die Analyse von Dod Mantles „ziemlich heftigen“ Filmen überließ er dann Regisseur und Laudator Philip Gröning („Die Terroristen“, „Die große Stille“). Als langjähriger Freund des Geehrten bot er eine sehr persönliche, aber auch dem Laien einleuchtende Erklärung dafür, warum dessen Arbeit ausgezeichnet wurde. „Ein schönes Bild“, so Gröning, „hat den Effekt, dass der Zuschauer eigentlich nicht will, dass es weitergeht.“ Mantle brauche dagegen keine künstlichen Verschönerungsmaßnahmen und führe behutsam auf visuelle Höhepunkte hin. Er verzichte soweit auf die Macht der Bilder, als dies im Sinne der zu erzählenden Geschichte ist.

Der elfte Kamerapreisträger zeigte sich von den lobenden Worten „ehrlich bewegt“. „Die Oscars sind Show“ – aber die Marburger Auszeichnung und vor allem sein „intensives und intimes“ Rahmenprogramm seien wirklich wertvoll. Der Kontakt mit den Menschen vor Ort sei „der größte Preis von allen“.

von Christoph Spieker

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