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Das Erbe der Füchsin: Von einer großen Liebe in Marburg

Neues Buch von Eva Finkenstädt Das Erbe der Füchsin: Von einer großen Liebe in Marburg

In der gemütlichen Atmosphäre der Alten Mensa präsentierte die Marburgerin ihren zweiten historischen Roman.

Marburg. Wer schon einmal einen längeren Text - oder gar einen Roman - verfasst hat, der weiß: Bei der ersten Version bleibt es meist nicht. Autorin Eva Finkenstädt bot bei ihrer Lesung am Samstag einen Einblick in ihre Arbeitsweise und las zunächst einen alternativen Anfang vor, in dem sie einen langen, kalten Winter beschreibt, auf den ein extrem heißer April folgt. Diese Version habe sie später verworfen, denn „was ich da geschrieben hatte, erschien mir im Nachhinein völlig übertrieben”. Da konnte sie ja noch nicht wissen, dass die Realität mit ihren Rekordtemperaturen im April die Fiktion einholen würde.

15 Jahre sind seit dem Erscheinen ihres letzten Romans mit dem Titel „Das Herdfeuer, der Weg” vergangen. 15 Jahre, in denen Eva Finkenstädt recherchiert, konzipiert und natürlich geschrieben hat.

Nun ist es so weit - ihr neuer Roman „Das Erbe der Füchsin” ist da. Er erzählt - im ersten Drittel - die Geschichte der Marburger Müllerstochter Martha, die 1835 den fahrenden Kesselflicker Jakob kennenlernt. Zwischen den beiden entwickelt sich bald eine zärtliche Liebesbeziehung, die jedoch unter keinem guten Stern steht - denn sie ist evangelische Christin, er Jude.

Es sind vor allem die Freuden, die Trauer und die Widersprüche ihrer Protagonisten, die Finkenstädt mit großer Beobachtungs- und Einfühlungsgabe auf literarisch hohem Niveau nachzeichnet und mit schauspielerischem Talent vorträgt. Auch die Darstellung historischer und sogar technischer Details - wie etwa die Wasserversorgung des Landgrafenschlosses mit Hilfe einer „Wasserkunst” - gelingt der Schriftstellerin mit Bravour.

Finkenstädt las bis zu der Stelle, an der die Füchsin das erste Mal auftaucht. Diese steht symbolisch für die Protagonistin; die zwei Lebewesen sind auf spiritueller Ebene miteinander verbunden. Die Autorin verriet dann auch noch, wieso sie ausgerechnet die Füchsin ausgesucht hat. Auf einer Fortbildung sei sie in einer Vorstellungsrunde gefragt worden, welches Tier sie gerne wäre. Da sei ihr spontan die Füchsin eingefallen - ein Beispiel für die Einflüsse, die sie aus ihrem Umfeld aufnimmt und literarisch verarbeitet. Das beantwortet dann auch die Frage, wie viel ihrer eigenen Biographie in dem Roman steckt.

Ob wir uns auf ein drittes Werk freuen dürfen? Eva Finkenstädt lacht und sagt: „Nicht, wenn es wieder 15 Jahre dauert!”

Eva Finkenstädt: „Das Erbe der Füchsin“, 228 Seiten, Verlag Tredition, 23 Euro.

von Vera Zimmermann

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