Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
DDR-Alltag zwischen Anpassung und Rebellion

Theater-AG der Elisabethschule DDR-Alltag zwischen Anpassung und Rebellion

Mit der lockeren Komödie „Sonnenallee“ feierte die Theater-AG der Elisabethschule am Mittwochabend gelungene Premiere. Die Zuschauer in der Waggonhalle waren begeistert von der Leistung der jungen Darsteller.

Voriger Artikel
Schrille Komödie kann süchtig machen
Nächster Artikel
Kunst und Musik sorgen für gute Laune

Die Gedanken sind frei: Die Theater-AG der Elisabethschule inszenierte „Sonnenallee“ nach Thomas Brussig.Foto: Preussner

Marburg. Miriam träumt von der Freiheit im Westen und Wuschel hat nur die Rolling Stones im Kopf: „Sonnenallee“ handelt von den Wünschen und Träumen Jugendlicher in der DDR und von ihrem schwierigen Alltagsleben. In einem Reigen witziger Szenen erzählt „Sonnenallee“ vom täglichen Balanceakt zwischen Anpassung und Rebellion. Da geht es um die Frage, ob man sich für die Armee meldet wie alle anderen, nur um später einen Studienplatz zu bekommen. Ob man die Mitschülerin verpetzt, die der systemkonformen Lehrerin einen Streich spielt, und ob man dem Druck der Lehrer nachgibt und ihre abgedroschenen Phrasen nachplappert.

Mit kleinen Tricks gelingt es den Jugendlichen immer wieder, die Regeln zu unterlaufen und ein Stück persönlicher Freiheit zu erlangen. Und natürlich träumen alle nicht nur von der großen Freiheit, sondern auch von der großen Liebe. Alle Jungs sind verknallt in die Schulschönheit Miriam, doch wer wird am Schluss ihr Herz erobern?

Die selbst produzierte Komödie der Theater-AG ist sehr unterhaltsam gemacht und zeigt den Irrsinn des Überlebenskampfes in der DDR von seiner komischen Seite. Dabei verfällt sie nie in seichte Nostalgie. Dass das gelingt, liegt zu allererst an der tollen Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler. Die jungen Darsteller sind mit Leidenschaft bei der Sache, sie spielen gekonnt und engagiert und fühlen sich sehr gut in die jeweiligen Rollen ein.

Die Inszenierung unter der Leitung von Tobias Purtauf überzeugte darüber hinaus mit vielen originellen Spielideen. Herrlich der Running-Gag mit Onkel Heinz, der immer wieder schweißgebadet Westware in den Osten schmuggelt. Sehr witzig die gekonnte Persiflage auf den hirnlosen Drill der jungen Pioniere, sowie Michas „Lobrede“ auf das System, die sich in eine Liebeserklärung an Miriam verwandelt. Zum Gelingen der Aufführung trug auch die schlichte Bühne bei, die mitten im Zuschauerraum stand. So waren die Zuschauer jederzeit ganz nah dran am Geschehen.

Das Stück „Sonnenallee“ basiert auf Thomas Brussigs Prosawerk „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“, das auch verfilmt wurde. Es ist bereits die sechste Produktion der Theater-AG der Elisabethschule. Weitere Aufführungen waren am Donnerstag und Freitag zu sehen.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr