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Comedy-Musical wie aus einem Guss

Bad Hersfelder Festspiele: Kiss me, Kate Comedy-Musical wie aus einem Guss

Bei der gelungenen Musical-Premiere von „Kiss me, Kate“ bei den Bad Hersfelder Festspielen huldigen die Künstler besonders dem Orchester. Überlegungen, die Live-Musik aus Kostengründen zu streichen, können sie nicht verstehen. Synthesizer? „Ein absolutes No-Go.“

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Bunt, poppig, unterhaltsam ist das Musical „Kiss me, Kate“ in Bad Hersfeld geworden. In dieser
Szene sind die Darsteller Marie-Anjes Lumpp und Sascha Luder zu sehen. Foto: Steffen Sennewald

Quelle: Steffen Sennewald

Bad Hersfeld. Mit einem Comedy-Musical wie aus einem Guss haben die Bad Hersfelder Theaterfestspiele ihre Premieren-Reihe fortgesetzt.

Mehr als 1100 Zuschauer in der Stiftsruine fühlten sich in der locker-leichten Version des Klassikers „Kiss me, Kate“ selbst über zweieinhalb Stunden am Mittwochabend bestens unterhalten. Intendant Holk Freytag bewies nicht nur mit der Stück-Auswahl ein gutes Händchen - auch die beiden Hauptdarsteller unterstrichen ihre Klasse.

Katharine Mehrling und Thomas Borchert beeindruckten bei ihren Hersfeld-Debüts mit starken Stimmen und schauspielerischem Können und zeigten, dass sie Stars ihres Faches sind. „Katharine Mehrling ist für mich die Nummer eins. Sie ist ein Naturereignis“, schwärmte Freytag über die aus Hanau stammende Berlinerin.

Regisseur Stefan Huber, der erneut in Bad Hersfeld überzeugte, gibt dem 1948 uraufgeführten Broadway-Erfolg nach der Musik von Cole Porter einen eigenen Anstrich mit amüsanten zeitlichen und regionalen Bezügen. So werden die Eigen­heiten des Festspielorts in den Text eingebaut und die Hauptdarstellerin babbelt auch mal hessisch.

Das Stück handelt von einer Theatergruppe, die Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ aufführt. Somit wird aus der Backstage-Story ein Stück zum Stück.

Auf gekonnte Weise werden die Rollen mit der realen Handlung verwoben.

Dabei kommt es zu Kompli­kationen und es entsteht ein vergnüglicher Geschlechterkampf. Letztlich geht es um eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, Situationskomik und bühnenwirksam inszenierte Theaterklischees.

In Szene gesetzt wird die Handlung durch espritvolle und tempogeladene Tanzchoreographien von Melissa King. Musikalisch verbindet das Stück Jazz und Swing mit Tanzrhythmen und operettenhaften Melodien. Beliebte Musiknummern wie „Too Darn Hot“, „So in Love“ oder „Wunderbar“ stehen für sich. Lebhaft und punktgenau begleitet wird das Stück von einem 21-köpfigen Orchester unter der Leitung von Christoph Wohlleben.

Doch Intendant Freytag muss um das hohe Gut bangen, das dieses Orchester darstellt. Es gibt bei Stadtpolitikern, die Geld für die Festspiele aus dem Haushalt freigeben, Überlegungen, die Live-Musiker künftig aus Kostengründen zu streichen.

Die Künstler laufen Sturm gegen diese Pläne. „Wir werden, so lange wir können, für dieses Orchester kämpfen“, verspricht Freytag. „Ich will nicht, dass hier sechs, sieben Leute an Synthe­sizern Musik machen.“

Laut Dirigent Wohlleben ist Bad Hersfeld einer der letzten Festspielorte in Deutschland, der den Wert eines großen Orchesters zu schätzen wisse. Doch der Trend bei großen, kommerziellen Veranstaltern gehe zur Musik vom Band. „Dass es leblos klingt, ist vielen nicht klar“, sagt der musikalische Leiter aus Wiesbaden.

Für die weibliche Hauptrolle des Abends wäre ein Musical ohne Live-Musik „ein absolutes No-go“.

Die Zuschauer und Künstler sollten das Orchester mit Händen und Füßen verteidigen, meint Katharine Mehrling. „Solch ein Juwel darf man nicht aufgeben. Die Stücke atmen und leben sonst nicht. Den Unterschied hört man, wenn einige Synthesizer Instrumente kopieren.“

von Jörn Perske

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