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Cleveres Spiel mit Erwartungen

OP-Buchtipp: Paula Polanski/Håkan Nesser: „Strafe“ Cleveres Spiel mit Erwartungen

Kein Kommissar Van Veeteren, kein Inspektor Barbarotti. In seinem neuen Roman „Strafe“ geht der schwedische Erfolgsautor Håkan Nesser ungewohnte Wege. Wenn er denn der Autor ist.

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Krimiautor Håkan Nesser hat Millionen Fans. In „Strafe“ müssen sie auf seine Kommissare verzichten.

Quelle: Arno Burgi

Unaufgeregt beginnt der Roman. Der erfolgreiche Schriftsteller Max bekommt über seinen Verlag einen Brief zugeleitet. Ein früherer Schulkamerad bittet ihn darin um einen Gefallen.

Diesen schulde er ihm, weil er ihm zweimal das Leben gerettet habe. Max erinnert sich kaum an diesen Tibor, aber er weiß nicht, wie er sich dieser Bitte entziehen soll.

Der Besuch bei Tibor wird für Max zu einer Reise in die Vergangenheit. Er kehrt in die Stadt seiner Jugend zurück und trifft flüchtig Menschen, die er seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Auch Tibor, mittlerweile schwer krank, bleibt für Max eher eine Randerscheinung. Zumal der Gefallen nur darin besteht, einen Text zu lesen.

In diesem Text schildert Tibor seine Lebensgeschichte. Diese gipfelt in einem Mord. Tibor erschlägt den Mann seiner Geliebten, muss dafür für viele Jahre ins Gefängnis. Seine Tochter, die während seiner Haft geboren wird, lernt er nie kennen.

Max liest Tibors Geschichte, die der Roman Wort für Wort darstellt, weitgehend desinteressiert. Aber ganz kann er sich der Geschichte doch nicht entziehen. Also willigt er ein, an Tibors Stelle Kontakt zu dessen Tochter aufzunehmen.

Roman verweigert Antworten

Auch wenn Max versucht, so weiterzuleben wie zuvor, setzt ihm Tibors Lebensgeschichte so weit zu, dass er beginnt, sich an seine eigene Vergangenheit zu erinnern. Nicht allzu intensiv allerdings. Das verhindert schon seine Selbstgefälligkeit. Aber wer bekommt die Strafe, die der Romantitel ankündigt? Und worin besteht sie? Dies sind nur zwei der Fragen, die sich den Lesern stellen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei Paula Polanski. So heißt Tibors Tochter. Aber steht dieser Name nicht auch auf dem Titelblatt als Pseudonym der Co-Autorin von Håkan Nesser? Und hat die Paula aus der Erzählung nicht auch mit einem Mann Bücher veröffentlicht, „aus denen nicht hervorging, wer von den beiden Autoren was geschrieben hatte“?

Fragen über Fragen, zu denen der Roman eine Antwort verweigert. Am Ende gibt es dann doch noch eine Auflösung – in einer neuen Erzählung aus einer anderen Perspektive. Jetzt wird klar, wie die unterschiedlichen Erzählungen und ihre Details zusammenhängen und ineinander verschränkt einen Sinn ergeben.

Ein Buch von Håkan Nesser, das noch dazu „Strafe“ heißt – das muss ein Spannungsroman sein. Das ist „Strafe“ auch, aber die Spannung kommt nicht aus der Suche nach einem Täter, sondern aus einem cleveren Spiel mit literarischen Konventionen und Erwartungen.

  • Paula Polanski/Håkan Nesser: „Strafe“, BTB-Verlag, 283 Seiten, 19,99 Euro

von Axel Knönagel

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