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„Cinderella“ verzaubert Publikum

Premiere „Cinderella“ verzaubert Publikum

Diese „Cinderella“ des Hessischen Landestheaters macht einfach Spaß. Auf dem Marktplatz ist in den kommenden Wochen ein Gute-Laune-Musical mit berauschender Musik und tollen Darstellern zu sehen. Nichts wie hin!

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Franziska Knetsch steht der armen Cinderella (Lene Dax, oben) als gute Fee zur Seite. Ansonsten gibt sie die knallharte Stiefmutter.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Das war der Hammer“, sagte ein zehnjähriger Theaterfan nach der überaus unterhaltsamen Premiere. Er kam aus dem Schwärmen überhaupt nicht mehr heraus. So sah es auch das Premierenpublikum am Samstagabend auf dem ausverkauften Marktplatz: Immer wieder gab es Szenenapplaus für die gelungenen Songs und nach 90 äußerst unterhaltsamen Minuten am Ende Standing Ovations und Zugabe-Forderungen, die allerdings aufgrund der zeitlichen Beschränkungen im Herzen der Stadt nur eingeschränkt gewährt werden können.

Wenn man Open-Air-Theater auf einer großen Bühne für ein großes Publikum macht, muss man groß denken. Intendant Matthias Faltz weiß das und hat für seine Rock-’n’-Roll-Version des altbekannten Grimm’schen Märchens „Aschenputtel“ immer in die oberste Regalreihe gegriffen. Er fährt jede Menge Personal auf: Neun ausgesprochen spielfreudige Darsteller, die sich noch dazu als tolle Sänger entpuppen, fünf souveräne Musiker um den musikalischen Leiter Michael Lohmann, elf Tänzerinnen und Tänzer sowie 15 Sängerinnen und ein Motorradfahrer für die Cinderella-Sänfte wirken mit. Der Aufwand hat sich gelohnt: Faltz gelingen eindrucksvolle Massenszenen.

Tolle Unterhaltung für alle Altersgruppen

Ohnehin beherrscht Faltz die große Bühnengeste. Das hat er unter anderem mit dem Marburger Publikumshit „Blues Brothers“ bewiesen. Mit „Cinderella - A Rock’n’Roll Fairy­tale“ gelingt ihm mit dem altbekannten Grimm’schen Märchen „Aschenputtel“ nun tolle Unterhaltung, die bei allen Altersgruppen funktioniert - vorausgesetzt, man hat ein Faible für Rock, Pop und Blues.

Möglich wird dies, weil auch hinter den Kulissen sehr sorgfältig gearbeitet wurde: Fred Bielefelds Bühne etwa greift die Optik des alten Rathauses auf, wirkt wie ein Anbau. Alle Fenster des altehrwürdigen Gebäudes werden mit Lichteffekten sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt. Und Annie Lenk hat großartige Kostüme entworfen. Sie präsentiert einen bunten, sehr erfrischen Stilmix.

Die Geschichte selbst hat Faltz gemeinsam mit Chefdramaturg Alexander Leiffheidt ins Jahr 2015 transportiert. Sie haben kleine Seitenhiebe auf Marburg, die Windsors und die heutige TV-Landschaft eingebaut, ohne in ihrer Fassung den verträumten Aufsteiger-Charme des alten Märchens zu beschädigen.

Lene Dax gibt als schüchterne Cinderella einen bezaubernden Einstand am Landestheater. Die Ärmste hat harte Gegner: Franziska Knetsch gibt eine knallharte Stiefmutter, die weiß, dass das Leben kein Ponyhof ist. Und dass man einiges in Kauf nehmen muss, wenn man ganz nach oben will. Eine Kettensäge beispielsweise, wenn der Fuß nun mal nicht in den Schuh passen will. Ihr möchte man nie den Rücken zukehren. Ihr beiden Töchter Babsy (Leonie Rainer) und Olivia (Ayana Goldstein) scheinen direkt dem Proll-Fernsehen entsprungen.

Über allem thront der „King of Rock ’n’ Roll“ Ogün Derendeli, der vom Regieren die Nase voll hat und den Prinzen (Artur Molin) zwingt, endlich zu heiraten. Urkomisch sind wie immer Thomas Streibig als Kanzler und Tobias M. Walter, der sich als witzigster Märchenminister aller Zeiten (leider) aus Marburg verabschiedet. Jürgen Helmut Keuchel ist als Cinderellas Vater zu sehen.

Sie alle singen gekonnt 13 Rock-, Pop- und Bluesklassiker - von James Browns Hit „It’s a Man’s World“ über Adeles „„Rolling in the Deep“, Joan Jetts Ohrwurm „I Love Rock ’n’ Roll“ bis zum großen Disco-Finale „Uptown Funk“ von Mark Ronson. Jeder Song ist sorgfältig ausgewählt, kommentiert mit Witz die Situation. Und Ogün Derendeli, Franziska Knetsch und Artur Molin (alle bitte mit Rentenverträgen ausstatten) singen phänomenal gut.

  • Weitere Aufführungen sind am 17., 18., 19., 20., 23., 26., 27. und 28. Juni sowie am 2., 3., 4. und letztmals am 5. Juli. Karten gibt es an der Theaterkasse und im Internet unter www.theater-marburg.com

von Uwe Badouin

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