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Chorklang voller Dynamik und Brillanz

Unichor Chorklang voller Dynamik und Brillanz

So sollte ein Konzert sein: nicht alltäglich, interessant, spannend, bereichernd, erfrischend, überraschend, erlesen. Das glückte dem Unichor Marburg unter Mathias Weyel vor 230 Besuchern in der Universitätskirche.

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Beim Konzert zum Semesterabschluss des Unichors Marburg unter dem Dirigenten Mathias Weyel bewiesen die Chormitglieder in der Universitätskirche ihre Vielseitigkeit.Foto: Helmut Rottmann

Marburg. Das Programm am Freitag enthielt selten gehörte Chorsätze von weniger berühmten Komponisten, zumal das Werk des bekanntesten Tonschöpfers ausfiel. Die Änderungen des Programms hätte man konsequent an der jeweiligen Position geben sollen.

Die interessantesten Stücke des Unichor-Konzerts waren sicherlich das „Bereitet dem Herrn den Weg“ von Ferdinand Thieriot und das „At the round earths imagined corners“ von Charles Hubert Parry.

Dass Thieriot zu Unrecht in Vergessenheit geriet, bewies seine fünfstimmige Motette „Bereitet dem Herrn den Weg“. Das Stück steckte voller Energie, war abwechslungsreich und an allen Stellen musikalisch fein gearbeitet, verlor dabei nie seine Sanglichkeit. „Fast jede einzelne Phrase ist eine Melodie, die man auch ohne die Harmonik des Chorklangs singen könnte“, schrieb Mathias Weyel in einer E-Mail.

Unter seinem Dirigat entwickelte sich beim Unichor Marburg ein faszinierend homophoner A-cappella-Klang mit steten Wechseln zu klarer Polyphonie, bei der einzelne Stimmgruppen leicht dominant einsetzten. Den rund 50 Vokalisten mit zwei Dritteln Frauen- zu einem Drittel Männerstimmen gelangen klare Harmoniewechsel und präzise gesungene Chromatiken. Dazu trug auch die hohe Quote des ständigen Blickkontakts der Choristen mit ihrem Dirigenten bei.

Charles Hubert Parry ist in England ein angesehener Komponist. Er schrieb seine „Six songs of farewell“ als sein letztes Werk, Abschiedsworten gleichsam. „At the round earths imagined corners“ ist das vorletzte der Stücke und mit sieben Stimmen ein anspruchvolles Werk, in dem Parry alle Register seines kontrapunktischen Könnens zieht.

Exaltierte rhythmisch geprägte homophone Forte-Passagen werden mit intimen lyrisch-polyphonen Abschnitten kontrastiert. „Der wunderschöne Schluß des Stückes zeigt eine Kunst, die sich vor den Schönheiten Mendelssohnscher Chorwerke nicht verstecken muss“, meinte Weyel.

Der Unichor Marburg sang unter seiner Leitung in Kammerchor-Manier mit leichtem, fast schwebendem Klangbild, mit zartem Stimmenverlauf, in dem kleine Unebenheit kaum auffielen. Er schuf beeindruckende zarte Tongeflechte bis hin zu stets durchhörbaren Stimmen- und Klangverdichtungen voller Dynamik und Brillanz.

Der Unichor verfügt über schöne Stimmen mit einem glockenreinen Sopran, der im Forte hier und da zu kräftig wirkte. Der Alt sang weich und geschmeidig. Der Tenor gefiel mit meist schlanken, manchmal angerauten Ton und der wendige Bass legte ein sicheres Fundament.

Der Unichor Marburg überzeugte mit sauberer Intonation, mit exakten Wechseln von schlichter Homophonie zu komplexer Polyphonie, mit Lust an tonalen und rhythmischen Raffinessen, mit fein strukturiertem Piano und Forte, mit klarer Aussprache sowie intensiver Klang- und Textausdeutung. Die Vokalisten zelebrierten glanzvollen Chorgesang mit Einfühlungsvermögen und Leidenschaft.Eine Bereicherung und Abwechslung waren die Zwischenmusiken der beiden Geiger Nuria Mix und Stephan Gröger sowie des Pianisten Mathias Warkus. Ihnen gelang bei Bachs Violin-Doppelkonzert d-Moll BWV 1043 ein spannendes Musizieren in Soli und im Ensemble, ein schönes melodisches Fließen in feinem Ton mit akkurat-dezenter Betonung zu sicherer und einfühlsamer Begleitung.

Das Publikum feierte am Ende alle Akteure mit mehrminütigem, teils stürmischem Applaus. Für Interims-Dirigent Mathias Weyer und Korrepetitor Matthias Warkus, beide Chormitglieder, gab es für ihr bemerkenswertes Engagement Geschenke. Als neuer Dirigent konnte Nils Kuppe, Kantor der Elisabethkirche, verpflichtet und vorgestellt werden.

von Helmut Rottmann

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