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Chor auf der Suche nach dem Paradies

Kurhessische Kantorei gab Konzert Chor auf der Suche nach dem Paradies

Wie ist es im Paradies? Dieser Frage stellte sich die Kurhessische Kantorei mit unterschiedlichsten Musikstilen – inklusive ­einer Mischung von Musik aus Syrien und einem deutschen Volkslied.

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Die Kurhessische Kantorei präsentierte am Samstag in der Lutherischen Pfarrkirche unter der Leitung von Landeskirchenmusik­direktor Uwe Maibaum ein abwechslungsreiches Programm zum Thema Paradies.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Geistliche Musik stand natürlich im Mittelpunkt des Konzertes der Kurhessischen Kantorei. Der Hymnus „In Paradisum“, das Maurice Duruflé seinem Requiem als Schlussstück hinzugefügt hatte, wurde zum Motto des Konzertprogramms.

Das Problem des fehlenden Programmheftes wurde geschickt gelöst. Zwischen den Sängerinnen und Sängern war eine Leinwand aufgestellt, auf der später auch die selbstgedrehten Filme zur meisterhaften Musik von Bachs „Kunst der Fuge“ gezeigt wurden und die nun als Ersatz diente.

Mit einstimmigem A-cappella-Gesang im gregorianischen Stil wurde Duruflés Totenmesse von den Tenören und Bässen der Kurhessischen Kantorei eröffnet. Duruflé, der vor 40 Jahren verstarb, arbeitet in dieser Komposition bewusst mit den einzelnen Stimmen des Chores und setzt besonders die Frauenstimmen sehr gezielt ein, was von der Kurhessischen Kantorei hervorragend umgesetzt wurde.

Thierse-Rede diente als Inspiration

In der fantastischen Akustik der Lutherischen Pfarrkirche vermischten sich die kraftvollen Stimmen der Kurhessischen Kantorei, während von hinten das Orgelspiel von Ka Young Lee erklang.
„Wer ins Paradies will, braucht Humor“, lautete das Fazit 
von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum schon vor dem Konzert. Denn im Vorfeld lief nicht alles wie geplant. Die Druckerei hatte die Programmhefte nicht geliefert und der Zug der syrischen Musiker hatte Verspätung.

Uwe Maibaum hatte für das Programm ganz unterschiedliche Musikstile zusammengestellt, die sich auf unterschiedlichste Weise mit dem Paradies beschäftigen. Duruflés Requiem wurde immer wieder von anderen Musikwerken unterbrochen – etwa von einer Blechbläserimprovisation rund ums Publikum der Pfarrkirche und einer „jazz funeral“, einer Beerdigungsmusik aus New Orleans, und eben der Klangcollage mit zwei syrischen Musikern.

Inspiration für dieses Projekt war eine Rede des Politikers Wolfgang Thierse über Integrationspolitik beim vergangenen Adventsempfang im Landeskirchenamt in Kassel, wie Uwe Maibaum im Gespräch mit der OP erzählte.

Wuchtiges Klangspektrum der Orgel

Gemeinsam wurde sehr atmosphärisch die Musik von Mahmud Osso an der Langhalslaute Saz Baglama und Juan Osso am Schlaginstrument Tableh mit dem bekannten deutschen Volkslied „Kein schöner Land“ durch Improvisation verflochten. Unterstützt wurden die Musiker von zwei Euphonien, also Tenor-Tubas, einer Bass- und einer Kontrabass-Tuba.

Die Einschübe waren stellenweise willkommen. Denn Duruflés Requiem ist durch den atmosphärischen Charakter und die schwebende Harmonik, die bis hin zur Atonalität geht, ein nicht immer einfaches Hörerlebnis.

Ein echtes Hörerlebnis war auch das monumentale Werk „Apparition de l’Église Éternelle“ von Olivier Messiaen aus dem Jahr 1932, bei dem das wuchtige Klangspektrum der Orgel eindrucksvoll in Szene gesetzt wurde.

Ka Young Lee wurde für ihr Spiel am Ende mit besonderem Applaus bedacht. Und auch die Kurhessische Kantorei und ihr Leiter Uwe Maibaum sowie die Musiker ernteten für ihr mutiges und sehr abwechslungsreiches Programm langen und kräftigen Applaus. Der Chor hat musikalisch das Paradies gesucht und 
Musikfreunde mit auf den spannenden Weg genommen.

von Mareike Bader

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