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Chöre stehen hinter ihrem Dirigenten

Marburger Konzertchor präsentierte die Markuspassion Chöre stehen hinter ihrem Dirigenten

Es hatte einige Unruhen beim Marburger Konzertchor gegeben. Doch beim Konzert in der Kirche St. Peter und Paul war davon nichts zu spüren. Der Chor überzeugt mit ausgewogenem Klang und viel Ruhe.

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Hochkonzentriert leitete der 81-jährige Dirigent Siegfried Heinrich das Konzert in der Kirche 
St. Peter und Paul.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Eingeleitet wurde das Konzert vor 400 Zuhörern durch die Aufführung des Psalms 51, für den Johann Sebastian Bach das „Stabat Mater“ von Giovanni Battista Pergolesi bearbeitet hatte. Schon hier beherrschte der ruhige Ton das Konzert, da der Psalm nur von den beiden Solistinnen, je zwei Geigen und Bratschen, Cello, Kontrabass und Orgel aufgeführt wurde.

In dieser minimalistischen Besetzung kamen die kompositorischen Besonderheiten und die musikalischen Beziehungen zwischen Sängerinnen und Musikern fantastisch zur Geltung. Gerade in den Duetten zeigte sich grandios der Kontrast zwischen dem hellen, strahlenden Sopran von Marta Gamrot-Wrzol und der Altistin Barbara Buffy mit ihrer besonders tiefen Klangfarbe.

Eindrucksvolle Stimmkraft und ausgewogener Klang

Dann trat endlich der Chor auf. Unter der Leitung von Dirigent Siegfried Heinrich sangen neben dem Marburger Konzertchor der Frankfurter Konzertchor sowie der Hersfelder Festspielchor. Gleich beim Ein­gangschor überzeugten die etwa 70 Laiensängerinnen und -sänger mit einer eindrucksvollen Stimmkraft und ausgewogenem Klang, der durch den leichten Nachhall in der Kirche St. Peter und Paul verstärkt wurde.

Ungewöhnlich waren die fehlenden Rezitative. Zwar konnte die Musik der Markuspassion von Musikwissenschaftlern in großen Teilen rekonstruiert werden. Doch nur die Textvorlage ist vollständig erhalten geblieben, in der jedoch auch keine frei gedichteten Rezitative verzeichnet sind.

So wurden bei der Aufführung in der Kirche St. Peter und Paul die Arien und Choräle durch Lesungen von Bibelstellen aus dem Markusevangelium zum besseren Werkverständnis eingefügt. Sie wurden von Rainer Lehn vorgetragen.

Heinrich zu den Querelen: Sänger leiden mehr als ich

Auch bei der Markuspassion bestachen die beiden Solistinnen Gammrod-Wrzol und Buffy durch ihre ruhige Interpretation und wunderschönen, langen Wortverzierungen, aber auch lang gehaltene Noten, die ganz sauber ohne Vibrato gesungen wurden. In den starken Chorälen fasste der Chor das Geschehene mit viel Gefühl zusammen. Das Ensemble Virtuosi Brunenses mit Markus Fischer an der Orgel sorgte für die musikalische Begleitung.

„Die Sänger leiden mehr als ich“, kommentiert Dirigent Professor h.c. Siegfried Heinrich im Gespräch mit der OP nach dem Konzert die Situation, dass der Verbund der drei Chöre nicht mehr die Opernaufführungen bei den Festspielen in Bad Hersfeld singen darf (die OP berichtete ausführlich). „Die Ruine ist eine der eindrucksvollsten Aufführungsstätten, die ich je erlebt habe“, fügte er hinzu.

Heinrich bedauerte sehr den Ausfall der seit 1980 existierenden Oper bei den Festspielen, die er als finanzielles Rückgrat der Festspiele bezeichnet. Es sei ein Riesenverlust für die Stadt Bad Hersfeld, so Heinrich.

Freude über Loyalität

Der 81-Jährige freut sich sehr über seine loyalen Choristen, denn bis auf drei ausgestiegene Vorstandsmitglieder habe es in keinem der drei Chöre große Austritte gegeben. „Herr Heinrich macht das seit 46 Jahren und das ist uns wichtig – dazu stehen wir“, bekräftigt auch die neue Vorsitzende des Marburger Konzertchores, Bettina Berk.

„Wir machen mit der Arbeit weiter, so wie Sie es heute gehört haben und so weit es die Mittel erlauben“, versprach der erfahrene Dirigent. Schwierigkeiten für die Zukunft sehe er für seine Chöre besonders in der Bezahlung großer Orchester, da mit der Oper auch die Mittel fehlten.

Im Gespräch erzählte Heinrich von Einladungen aus anderen Städten, etwa in der Nähe von Bad Hersfeld, aber auch außerhalb Hessens: „Es sind Bestrebungen im Gang, dass es 2017 doch wieder etwas mit uns gibt. Wo, weiß ich noch nicht.“

von Mareike Bader

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