Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Charmanter Egoist und nettes Gespenst

Schlossfestspiele Marburg im Zeichen Norwegens Charmanter Egoist und nettes Gespenst

Für viele Literaturwissenschaftler ist Henrik Ibsens „Peer Gynt“ so etwas wie der „Faust“ des Nordens. Das Stück steht im Zentrum der diesjährigen 4. Marburger Schlossfestspiele. Die OP hat die Proben in Amönau besucht.

Voriger Artikel
In Ehren ergraute Kampfmaschine
Nächster Artikel
„Papiernovellen“ im Schartenhof

Das „Peer Gynt“-Ensemble probt derzeit noch im Amönauer Bürgerhaus. Der Ibsen-Klassiker mit der Musik von Edvard Grieg hat am 17. Juli im Marburger Fürstensaal Premiere.

Quelle: Uwe Badouin

Amönau. Ibsens 1876 uraufgeführter „Peer Gynt“ ist ein großes Stück Theaterkunst mit einem für die damalige Zeit äußerst ungewöhnlichen (Anti)-Helden. Heute würde man sagen: Peer Gynt ist ein beziehungsunfähiger Träumer und Egoist, insofern ist er ungemein modern. Ein „dramatisches Gedicht in fünf Akten“ hat Ibsen seinen Mix aus Realismus, Romantik und Mystik genannt.

Im Fürstensaal ist eine auf Peer Gynts Verhältnis zu den Frauen fokussierte Version zu sehen, angereichert mit der wunderbaren, mal pathetischen, mal folkloristischen, mal melancholischen und dann wieder beschwingten Bühnenmusik von Edvard Grieg, dem bedeutends­ten Komponisten Norwegens. Berühmt sind die Musiken „In der Halle des Bergkönigs“ und natürlich „Solvejgs Lied“.

In der Rolle der Solvejg ist die junge Norwegerin Mathilde Salmi Marjavara zu sehen und zu hören. Sie hat einen warmen und ausdrucksstarken Sopran. Marjavara kommt aus Tromsø im Norden Norwegens. Erst vor wenigen Wochen hat sie ihr Studium an der Academy of Opera in Oslo mit dem Master abgeschlossen.

Marjavara vermisst Rentier auf dem Speiseplan

Den Kontakt zu den Schlossfestspielen habe ihr Professor hergestellt, sagte sie lächelnd. Es folgte ein Casting per Skype, verriet Kerstin Weiß, Geschäftsführerin des Vereins „musica europa“. Und schon war die 25-Jährige in Deutschland, zum ersten Mal übrigens. In der Inszenierung spricht sie als einzige Norwegisch. Verblüffenderweise funktioniert dies ausgesprochen gut.

Seit dem 21. Juni probt sie mit dem Ensemble im Amönauer Bürgerhaus, wo am Mittwochabend auch eine öffentliche Probe stattfand. Das „Peer Gynt“-Ensemble ist im Amönauer Jägerhof untergebracht. „Sehr schön“ sei es dort, sagt Mathilde Sami Marjavara. „Es ist toll, dass wir alle zusammen wohnen und gemeinsam kochen“. Gekocht werde abwechselnd, am Mittwoch war sie an der Reihe. Gab es etwas Norwegisches? Sie lacht: „Rentier ist hier schwer zu bekommen.“

Von der Gegend hat sie noch nicht so viel gesehen, die Proben verschlingen viel Zeit. Eine Stunde hatte sie bislang für Marburg Zeit. Sehr schön, sehr heiß, viele Treppen, leckeres Eis, lautet ihr erster Eindruck. Bald werden sie und ihre Kollegen etwas mehr Zeit für Marburg haben, wenn das Team zu den Proben in den Fürstensaal umzieht.

Peer Gynt wird von Maximilian Popp gespielt, der an der Freiburger Schauspielschule studierte und derzeit zum Ensemble des Hamburger Allee-Theaters gehört. Bei den Proben litt er unter einer heftigen Erkältung, an Singen war nicht einmal ansatzweise zu denken.

Uraufführung der Kinderoper am 18. Juli

Dem Ensemble gehören außerdem Monika Herzig aus München, Lisa Parise, die in Darmstadt als Pippi Langstrumpf zu sehen ist, der Bariton Kevin Dickmann und die Schweizer Musicaldarstellerin Rachele Pedrocchi an. Komplettiert wird es von einem Frauenchor, der sich aus Mitgliedern des Marburger Bachchores, des Gospelchores „Joy of Life“ und Studierenden zusammensetzt: Anastasija Boskova, Michaela Lieb, Mascha Koller, Marianne Mey, Evelyn Reinhardt, Anne-Christine Smolka, Laura Willenbrock und Marie-Sophie Winter.

Regie führt Enke Eisenberg, die musikalische Leitung hat André Hammerschmied. Die beiden haben Griegs „Peer Gynt“-Suiten für ein Kammermusikensemble bestehend aus Saxofon (Sofia Fuss), E-Gitarre (David Mohr), Violoncello (Esther Saladin) und Klavier (André Hammerschmied) angepasst.

Das zweite große Stück der Schlossfestspiele, die im Zeichen Norwegens stehen, ist „Das Schlossgespenst & der listige Bergtroll“. Die Oper richtet sich an Kinder ab 5 Jahren. Die Textfassung schrieb Enke Eisenberg, die Musik komponierte die Norwegerin Trine Franksdatter. Die Kinderoper wird am 18. Juli um 15 Uhr uraufgeführt.

  • „Peer Gynt“ hat am 17. Juli um 20 Uhr im Fürstensaal Premiere. Weitere Aufführungen sind am 19., 23., 24. und 25. Juli jeweils um 20 Uhr.
  • „Das Schlossgespenst & der listige Bergtroll“ ist am 18. Juli um 15 Uhr, am 19. Juli um 11, 15 und 17 Uhr, am 23. und 24. Juli um 17 Uhr, am 25. Juli um 15 und 17 Uhr sowie am 26. Juli um 11, 15 und 17 Uhr zu sehen.
  • Karten gibt es im Vorverkauf bei MTM am Pilgrimstein sowie www.adticket.de.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr