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Chansons mit Berliner Charme

­Duo Scheeselong in der Waggonhalle Chansons mit Berliner Charme

Mit verschiedenen Chansons und wortwitzigem Kabarett sorgte das ­Berliner Duo Scheeselong in der Waggonhalle für 20er-Jahre-Stimmung.

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Das Berliner Scheeselong präsentierte ein Programm mit Chansons vorwiegend aus den 20er- und 30er-Jahren.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Etwas jüngere Chansons von Georg Kreisler und natürlich Marlene Dietrich stehen ganz hoch im Kurs in der ausverkauften Waggonhalle.

Kokett, auch mal übertrieben theatralisch, aber immer humorvoll und mit stilvollen Kleidern präsentieren sich Caroline Bungeroth alias Fräulein Mitzi und Valerie Rittner alias Frau Rosenroth als Duo Scheeselong und eröffnen mit dem selbstgeschriebenen Lied „Rosa Sekt und Russisch Brot“ den Abend.

Stilecht mit Wasserwelle und Federschmuck in ihrem lockigen Haar und perlenverzierten mintgrünem Kleid singt Fräulein Mitzi in rasantem Tempo Friedrich Holländers Chanson „Die hysterische Ziege“. Kurz danach, während ihres ersten Kleiderwechsels, kokettiert wiederum Frau Rosenroth mit ihrem fantastisch trockenen russischen Akzent bei einem Lied von Georg Kreisler, das dann als „Sie ist eine herrliches Weib“ erklingt.

Das Zwischenspiel der beiden Frauen sorgt für lockere Stimmung, etwa wenn Frau Rosenroth Fräulein Mitzi daran hindern will, ständig aus der Sektflasche zu trinken – sie trinkt ganz vornehm aus einer Sammeltasse.

Wortwitz und viel Humor

Natürlich kann sie auch singen, etwa das russische Volkslied „Dorogej dlinnoju“, das vom Duo aber schlicht „Russkije“ genannt wird. Die beiden Frauen kennen sich mit Musik aus, beide studierten an der Berliner Universität der Künste, wo sie sich auch kennengelernt haben.

Ähnlich wie die wortwitzigen Chansons aus den 20er- und 30er-Jahren, nehmen sich auch die beiden Sängerinnen und Kabarettistinnen nicht immer ganz ernst. „Sie merken schon, das richtige Kleid macht bei mir das halbe Lied“, lacht Fräulein Mitzi, bevor sie Kreislers „Als der Zirkus in Flammen stand“ vor der Pause anstimmt und ihrem pinken Pfauenkleid mit einem neuen Unterrock neuen Pfiff verleiht.

Besonders verehrt wird Marlene Dietrich – und das nicht nur vom Duo Scheeselong. Als „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ angekündigt wird, geht ein Raunen durchs Publikum, und während Frau Rosenroth am Klavier in rotes Licht getaucht wird, singt Fräulein Mitzi mit Frack und kleinem Zylinder.

Vor „Die Wahrheit vertragen sie nicht“, wieder von Georg Kreisler, wird erst einmal der Flügel der Waggonhalle präpariert. Frau Rosenroth streicht mit einer Feder über die Saiten, während Fräulein Mitzi mit Kunststoff- und Alufolie dem Flügel „die russische Seele“ verleiht – und plötzlich klingt Rosenroths Begleitung wie von einer alten Schellackplatte.

Quasi als Sahnehaube erklingt zum Schluss „Bei mir biste scheen“. Das Publikum bedankt sich mit langem Applaus für einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend und wird mit zwei Zugaben belohnt – darunter die Moritat von Mackie Messer aus Kurt Weills „Dreigroschenoper“. Schließlich darf man laut Fräulein Mitzi kein Programm zu den 20er-Jahren in Berlin ohne dieses Stück ­machen.

von Mareike Bader

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