Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Championsleague in der Jazzkneipe Cavete

Jon Irabagon Championsleague in der Jazzkneipe Cavete

30. April: Ganz Marburg tanzt in den Mai... Ganz Marburg? Nein! Eine Schar unbeugsamer Musikbegeisterter leistet bei der Jazzinitiative Widerstand gegen den Mainstream, dem Tausende auf dem Marktplatz frönen.

Voriger Artikel
Publikum hat die Qual der Wahl
Nächster Artikel
Kreis würdigt Einsatz für Kultur und Heimatpflege

Eine innige Beziehung: Der New Yorker Jazzer Jon Irabagon und sein Saxofon.Foto: Jan Bosch

Quelle: Jan Bosch - www.janbosch.de

Marburg. Auch das große Duell des BVB gegen die Madrilenen ist für die meisten keine Option. Genauso eng gequetscht wie auf der Partymeile der Oberstadt oder im spanischen Stadion, füllten Dienstagabend Jazzfans die kleinen Räumlichkeiten der Marburger Cavete bis auf den letzten Stehplatz. Der junge New Yorker Star-Saxofonist Jon Irabagon gastierte in Marburg. Auf seiner Europatournee gibt er zwei Konzerte in Deutschland, eins davon im Steinweg. An seiner Seite hat er zwei Altmeister des Free- und Avantgarde-Jazz. Der Bassist Mark Helias und Drummer Barry Altschul sind schon seit Jahrzehnten stilbildend im Geschäft und spielten mit John Abercrombie, Anthony Braxton, Chick Corea oder Jack DeJohnette.

Wenn Jon Irabagon sein Altsaxofon an die Lippen setzt ist Stille angesagt, aber nur aufseiten der Zuschauer. Die Zirkularatmung beherrscht er, muss er auch, wenn er seine minutenlangen Themen zelebriert. Lust und Mut zum Unkonventionellen hat der 34-jährige, der an der Manhattan School of Music studierte und sich herzlich wenig um Stilfragen schert. Seine Improvisationen kreisen stetig zwischen Harmonie und dissonanten Texturen, finden jedoch immer wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Fast schon zurückhaltend wirkt das groovige Spiel von Mark Helias, der versteckt hinter Notenständer und großem Sechssaiter, vor sich hin zupft. Dezent im Hintergrund, jedoch immer mit der nötigen Präsenz, agiert er mit seinen Kollegen. Und zaubert ab und an, ohne aus der Ruhe zu kommen, eine Solo-Improvisation aus der Tasche, die ihresgleichen sucht.

Barry Altschul ist der Motor, der unermüdlich und überall Rhythmen erzeugt, was in seiner Reichweite liegt. Wenn er zu seinen Soli ansetzt, sich fast in Trance spielt, halten auch Irabagon und Helias manchmal inne, stützen sich auf ihre Instrumente und genießen.

Was den begeisterten Zuschauern hier geboten wird, ist wahre Champions League. Und zwar 90 Minuten plus Verlängerung und Elfmetererschießen. Auf dem Marktplatz ist zu später Stunde noch richtig Party angesagt, aber irgendwie klingen drei Rock-Akkorde, ja, fast schon banal.

von Jan Bosch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr