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„Bürgerprojekt“ beleuchtet die Rolle der Mutter

Landestheater: „Mothering“ „Bürgerprojekt“ beleuchtet die Rolle der Mutter

„Mothering – Ein Bürgertheater“, die Master-Abschlussarbeit der Theaterpädagogin Katrin Hylla,  entpuppte sich als postdramatisches Bühnenwerk, das die Rolle der Mutter und ihren Kampf mit Stereotypen im 21. Jahrhundert beleuchtet.

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Die Darstellerinnen Ursula Rath (von links), Ute Gerhard, Kerstin Jahn und Kathrin Ebmeier erarbeiteten das Stück gemeinsam mit Regisseurin Katrin Hylla.

Quelle: Christian Buseck

Marburg. Selbstzweifel, Selbstaufopferung sowie das sich Kümmern um andere Menschen waren die Themen, die die Regisseurin Katrin Hylla bei diesem Stück thematisierte. Gemeinsam mit Marburger Bürgerinnen hat sich die Studentin an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit Geschlechterbildern und Rollenklischees auseinandergesetzt. 75 Zuschauer sahen am Sonntag die Uraufführung.

Die Inszenierung, die hauptsächlich von vier Akteurinnen getragen wurde, wartete mit vielen   performativen Elementen und skurrilen Momenten auf. Einer davon gleich zu Beginn: Die Darstellerin Kerstin Jahn hielt eine Schnur in der Hand, an dessen Ende in etwa drei Meter Höhe ein großer Laib Brot befestigt war. Während das Grundnahrungsmittel wie eine Fahne unter der Decke der Black Box hing, führte Jahn einen eindringlichen Monolog, der von Selbstzweifel, Schuldgefühlen und der Angst geprägt war, der Mutterrolle nicht gerecht werden zu können. Kümmern kann also auch in Kummer umschlagen.

Ein überdimensionales Porträt von Angelina Jolie, Mutter von sechs Kindern, zierte die Bühne. Allerdings bestand es aus zwei Dutzend Pappschachteln, auf denen jeweils ein Teil des Bildes zu sehen war. Der Filmstar als Sinnbild für eine erfolgreiche Frau, beruflich sowie privat, wird bildlich und praktisch dekonstruiert: Das Porträt wurde abgebaut, die Pappschachteln wurden neu arrangiert.

„Natürlich ist Jolie für viele Frauen ein Idol. Sie ist eine tolle Mutter und ein Star. Aber man muss auch sehen, dass die wenigsten Mütter den Luxus genießen, auf mehrere Haushaltshilfen und Kindermädchen zurückgreifen zu können. Solche Tatsachen muss man berücksichtigen“, mahnte Katrin Hylla. Generell baute sie viele Ton- und Videoaufnahmen ein – zentrale Elemente des postdramatischen Theaters. Feste Rollen besaß das Stück ebenso wenig wie eine Chronologie. Es war eine Aneinanderreihung verschiedener Ausschnitte und Aspekte aus dem Leben als Mutter.

„Wir wollen zeigen, dass das traditionelle Bild der Mutter überholt ist. Die heutige Mutterfigur ist sehr vielschichtig und geht weit über Tradition hinaus, darf aber nicht der Selbstbestimmung von Frauen im Wege stehen“, legte Hylla dar. Die Vereinigung von beruflichen und häuslichen Tätigkeiten sei  ein vorrangiger Aspekt ihrer Arbeit gewesen.

von Benjamin Kaiser

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