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Büchner-Suche vereint vier freie Theatergruppen

Premiere: Ich schreibe im Fieber Büchner-Suche vereint vier freie Theatergruppen

Georg Büchner macht‘s möglich. Für ihn vereinigen sich die freien Marburger Theatergruppen für eine gemeinsame Produktion: „Ich schreibe im Fieber“ hat am Mittwoch Premiere.

Marburg. Allenthalben wird in diesem Jahr erinnert: an die Komponisten Richard Wagner und Giuseppe Verdi und - gerade in Mittel- und Nordhessen an die großen Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm. Einen sollte man nicht vergessen: Georg Büchner, das 1837 im Alter von nur 23 Jahren viel zu früh verstorbene Genie.

200 Jahre nach seiner Geburt in Darmstadt würdigt ihn das Stadttheater Gießen vom 22. bis 30. Juni mit dem Theaterfestival Büchner international.

Vorher jedoch gilt es Büchner in Marburg zu entdecken: Für die Produktion „Ich schreibe im Fieber - Eine Suche nach Büchner“ haben sich die vier freien Marburger Theatergruppen Act easy, Theater GegenStand, playground_east und german stage service zusammengetan. Das erste Mal in ihrer Geschichte. Anders, so die Beteiligten, wäre das Projekt nicht zu stemmen gewesen.

21 Darsteller stehen ab Mittwoch, 22. Juni, insgesamt zehnmal auf der Bühne. Sie sind zwischen 7 und 58 Jahre alt und arbeiten seit gut neun Monaten an dem Stück über Büchner mit Texten von ihm und über ihn.

Büchner, der Naturwissenschaftler, der Mediziner, der Revolutionär und Schriftsteller, hat nicht viel veröffentlicht in seinem kurzen Leben, aber was er geschrieben hat, hat nicht nur das Theater nachhaltig geprägt: 1834 schrieb er den Hessischen Landboten und forderte „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“. Die Obrigkeit schätzte dies nicht, ein Jahr später floh er von Gießen nach Straßburg. Es folgten das Drama „Dantons Tod“, die Erzählung „Lenz“ (beide 1835), das Lustspiel „Leonce und Lena“ (1836) und in seinem Todesjahr das berühmte Dramenfragment „Woyzeck“.

In all diesen Stücken, aber auch in seinen Briefen und anderen Veröffentlichungen haben die Marburger Theatermacher um die Regisseurin Anna Krauß und den Regisseur Rolf Michenfelder von german stage service „gewildert“.

„Wir lernen ihn kennen. Wir treffen ihn wieder. Wir schauen ihm über die Schulter. Wir hören ihm zu. Wir sprechen ihn“ - so umreißt die Gruppe ihre Annäherung an Büchner. Und sie schließt: „Wir hätten ihn gerne gekannt.“

Im Moment probt das Team fast täglich, viele lange Stunden im G-Werk auf den Afföllerwiesen, wo das Stück zu sehen sein wird. Strapaziös ist es insbesondere für die vielen Kinder und Jugendlichen im Ensemble, die direkt nach der Schule - oft hungrig - zu den Proben fahren.

In „verdichteter Form“ wollen sie dem Publikum das Bürgerkind, den Emigranten zeigen, den Spötter und Briefeschreiber, so Michenfelder. Es werde „keine Schulbuchsendung“ betont er - und doch wird „Ich schreibe im Fieber“, so Inga Blix vom Theater GegenStand, „neugierig machen auf Büchner“.

Die Premiere am Mittwoch, 22. Mai, um 20 Uhr ist bereits ausverkauft. Weitere Aufführungen sind vom 23. bis 25. Mai (jeweils um 20 Uhr), am 26. Mai um 18 Uhr sowie vom 29. Mai bis 1. Juni (jeweils um 20 Uhr) und am 2. Juni um 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei MTM am Pilgrimstein sowie im Rotkehlchen und im Internet unter www.reservix.de

von Uwe Badouin

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