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Buchhandel meldet ein Minus

Jahresbilanz Buchhandel meldet ein Minus

Die Buchbranche befindet sich im Wandel – 2014 gab es weitere Umsatzeinbußen. Die Belletristik verliert Anteile im Markt an das Sachbuch. Diese Gattung lieferte auch den Top-Seller.

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Thomas Flentge, Geschäftsführer der Buchhandlung Elwert-Lehmanns, sortiert die Auslagen. Im vergangenen Jahr hat sich der lokale Buchhandel gegen das Internet behauptet.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. „Dem deutschen Buchhandel bläst der Wind weiter ins Gesicht“, meint die Deutsche Presse-Agentur. Im vergangenen Jahr gingen die Umsätze um 2,1 Prozent zurück, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt berichtete. Die Branche hatte 2013 nach zwei Minusjahren in Folge noch ein minimales Plus von 0,2 Prozent erwirtschaftet. Der Gesamtumsatz im Buchhandel liegt bei knapp zehn Milliarden Euro.

Mit einem Minus von 1,2 Prozent hielt sich der traditionelle Einzelhandel im vergangenen Jahr allerdings vergleichsweise gut. Dagegen zeichne sich beim erfolgsverwöhnten Internethandel im zweiten Jahr hintereinander ein Rückgang ab, hieß es beim Dachverband der Branche. Im Kampf mit dem Onlineverkauf punkte der klassische Buchhandel als „gefragter Einkaufsort“.

Genaue Zahlen will der Börsenverein erst Mitte des Jahres vorlegen. Der Verband lässt monatlich neben dem traditionellen Handel auch den Online-Handel sowie den Verkauf in Warenhäusern und Bahnhöfen auswerten. Nicht dabei ist der Direktverkauf der Verlage sowie Buchgemeinschaften.

Händler loben Buchtradition in Marburg

Besonders gut haben sich 2014 Sachbücher verkauft. Top-Seller im Publikumsbereich war „Darm mit Charme“ der Frankfurter Medizinstudentin Giulia Enders. Dahinter landeten gleich zwei Romane der britischen Bestsellerautorin Jojo Moyes („Weit weg und ganz nah“ sowie „Ein ganzes halbes Jahr“). Auf Platz vier und fünf folgten „Morgen kommt ein neuer Himmel“ von Lori Nelson Spielmann und Hape Kerkelings Autobiografie„Der Junge muss an die frische Luft“. Insgesamt verlor die erzählende Literatur (Belletristik) – dazu gehören auch Krimis – 2014 an Boden.

Trotz aller Unkenrufe, die mit E-Book-Readern, Smartphones und Tablets das Ende des klassischen Buches voraussagen, bleibt Deutschland aber ein Leseland, in dem das gedruckte Buch gefragt ist. Das sagen unisono von der OP befragte Marburger Buchhändler. Zudem hat Marburg nicht zuletzt aufgrund der langen Tradition als Universitätsstadt eine herausgehobene Buchtradition. Es gibt sehr viele gut geführte Buchhandlungen, die sich stark um ihre Kunden bemühen – mit Lesungen und vielen Aktionen rund um das Buch wie etwa das Lesefest, das am 25. Januar beginnt.

Die Konkurrenz durch das Internet spüren alle, gleichwohl bleiben sie optimistisch, auch wenn man froh sein müsse, die Zahlen des Vorjahres halten zu können, wie Agnes Bötticher, Geschäftsführerin der Buchhandlung Am Markt erklärt. Dies ist ihrer Buchhandlung offensichtlich gelungen – sie ist zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr. Der mittelständische Buchhandel werde von den Kunden nicht zuletzt wegen der guten Beratung geschätzt, betont sie. Neben der großen Konkurrenz durch den Internet-Handel hätten für ihre Buchhandlung oberstadtspezifische Gründe Auswirkungen auf das Geschäft.

Keine Angst vor dem Internethandel

Die sieht auch Thomas Flentge, Geschäftsführer von Elwert-Lehmanns. Er mache sich Sorgen um die Lage, nachdem Douglas und Jack Wolfskin ihre Filialen geschlossen hätten. Die Oberstadt dürfe nicht weiter ausbluten. „Aber das Buch wird nicht verschwinden“, sagt er. „Im Vergleich zu anderen Ländern, etwa zu den Niederlanden, geht es uns in Deutschland noch richtig gut.“ Mit dem Jahr 2014 sei er nicht unzufrieden gewesen. Der Krimi-Markt und der Kinder- und Jugendbuchmarkt seien stabil, Sachbücher hätten sich sehr gut verkauft. „Halbe-halbe“, schätzt er bei Elwert den Markt zwischen Belletristik und Sachbuch ein.

„Ein gutes Jahr“ war 2014 auch für die 1969 gegründete Buchhandlung Roter Stern, Am Grün, „sogar ein bisschen besser als das Jahr 2013“, sagt Christoph Altfeld. Die Buchhandlung habe ein alteingesessenes, stabiles Stammpublikum. Das Internet nehme er als Konkurrenten ernst, Angst habe er aber nicht. Im Gegenteil: Er sei zuversichtlich, denn mittelständische Buchhandlungen könnten dem Internet die persönliche Beratung entgegensetzen. Genau dies ist nach Ansicht von Flentge und Bötticher die Stärke des lokalen Buchhandels. Auch im Roten Stern verzeichnete das Sachbuch 2014 starke Umsätze, nicht zuletzt wegen der vielen Angebote rund um den Themenschwerpunkt zum 1. Weltkrieg.

von Uwe Badouin
und unserer Agentur

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