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Buch soll Reformation greifbar gemacht

Maja Nielsen: „Martin Luther. Glaube versetzt Berge“ Buch soll Reformation greifbar gemacht

Maja Nielsen stellte im Michelchen ihr Kinder- und Jugendbuch „Martin Luther. Glaube versetzt Berge“ vor.

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Maja Nielsen will Kindern mit ihrem Buch Martin Luther näherbringen.

Quelle: Beatrix Achinger

Marburg. „Was ist vor 500 Jahren passiert? Wer weiß es?“ Während sich im Lutherjahr zahllose Kulturveranstaltungen über Theateraufführungen, Ausstellungen und Lesungen dem großen Reformator Martin Luther widmen, hat es sich Maja Nielsen zur Aufgabe gemacht, der ganzen Familie das Leben und Wirken Luthers mit Licht- und Schattenseiten greifbar zu machen.

Die Vorstellung ihres Kinder- und Jugendbuchs „Martin Luther. Glaube versetzt Berge“ entwickelte sich in der St.-Michaelskapelle zu einem kurzweiligen, interaktiven und lehrreichen Nachmittag mit Vortrag, Lesung, Mitmachaktionen und Hörspielsequenzen mit Bilduntermalung vom Beamer. Da wurden Kinder zu Ablasshändlern und mimten mit Jugendlichen und Erwachsenen außerdem das unzufriedene Bauernvolk.

Die ausgebildete Schauspielerin Maja Nielsen brachte die wichtigsten Stationen im Leben Martin Luthers in eindrücklicher und packender Art herüber. Dabei zeichnete Nielsen ein ganzes Panorama der Reformation. Historische Hintergründe erhielten ebenso Erwähnung wie theologische Ansichten und Kommentare von Margot Käßmann, Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, die das Buch mit entwickelt hatte. „Ich möchte, dass am Ende jeder hier raus geht und sagen kann: ‚Ich habe alles verstanden‘“, sagte Nielsen zum Einstieg.

Berühmtes Zitat ist nicht belegt

Besonders die fesselnde Umsetzung von Luthers Blitzschlagerlebnis bei Erfurt, das ihn dazu bewegte, ein Leben als Mönch zu führen, erfüllte den kleinen Innenraum des „Michelchens“ durch eine Hörspielsequenz mit spannender Atmosphäre. Maja Nielsen erzählt etwa vom kargen Leben Luthers als Augustinermönch, der aus bitterer Angst vor Gott mehrfach täglich seinen Beichtvater Johann von Staupitz besuchte. Dazu präsentierte sie ein Portrait Luthers, das sie mit dem jüngeren Teil des Publikums analysierte. Die Autorin schilderte das Turmerlebnis Luthers, seine Erleuchtung über das Empfangen von Gottes Gerechtigkeit allein durch Barmherzigkeit und Glaube, als stünde sie auf der Bühne.

Vom Thesenanschlag über den Kirchenbann und die Reichsacht folgte eine wirkungsvolle Schilderung vom berühmten Wormser Reichstag, wo Luther seine Thesen nicht widerrief mit dem viel zitierten Satz: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Der Satz sei allerdings nicht belegt.

Am Ende gelang es Nielsen, durch das Vervollständigen von Sprichwörtern mit dem Publikum, den Besuchern die Bedeutung Luthers für die deutsche Sprache deutlich zu machen. Luther war im Auftrag des sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise auf die Wartburg „entführt“ worden, wo er das Neue Testament ins Deutsche übersetzte.

Luthers Intoleranz, etwa gegen Juden, Muslime und den aufständischen Bauern, kommentierte Nielsen schließlich mit den Worten: „Martin Luther war kein Heiliger, sondern ein Mensch, und vor allem ein Kind des Mittelalters.“

von Beatrix Achinger

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