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Bröhmanns dritter Fall: Schräge Vögel und tote Hunde

Dietrich Faber in der Waggonhalle Bröhmanns dritter Fall: Schräge Vögel und tote Hunde

Multimedial inszenierte Lesungen, die von Krimis mit Lokalkolorit, Dialekt und der Eigenart ländlicher Mentalität erzählen, sind zum Publikumshit geworden. Der Autor und Kabarettist Dietrich Faber versteht sies meisterhaft.

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Dietrich Faber stellte mit Hund „Putin“ in der Waggonhalle seinen neuen Bröhmann-Krimi vor.Foto: Ben Wangler

Marburg. Dietrich Faber, der aus dem Umland von Gießen stammt, siedelt seine Krimis um den phlegmatischen Hauptkommissar Bröhmann im Vogelsberg an. In seinem Debütroman „Toter geht’s nicht“ (2011) ließ er diesen in der Schattenwelt der mittelhessischen Faschingskultur ermitteln. Sein drittes Buch „Tote Hunde beißen nicht“ (März 2014) führt den Kommissar auch nach Berlin und ist nun in der Spiegel-Paperback-Bestseller-Liste unter den ersten Zehn platziert. Der Erfolg des Buches ist nicht nur dem Sprachwitz des Textes, sondern auch der starken szenischen Lesung geschuldet - wie etwa am Samstagabend in der mit 200 Besuchern ausverkauften Waggonhalle.

Faber tritt auf der Bühne in vielen Rollen auf: Als Autor wendet er sich zunächst an das Publikum und witzelt über seinen mitgebrachten Stoffhund „Putin“. Dann als Ich-Erzähler in Gestalt Henning Bröhmanns stöhnt er wegen seiner pubertierenden Kinder und nörgelnden Eltern - der sympathische Anti-Held von nebenan. Bröhmann ist eine greifbare Alltagsfigur, die sich in oft schrullig-komischen Situationen herum- treibt. Auf der Zugreise mit der Hessischen Landesbahn misst er sich mit einem kleinkarierten Schaffner, der von Bröhmann verlangt, seinen Hunden Maulkörbe anzulegen.

Faber spielt diese Konflikte auf der Bühne nach, schlüpft in die verschiedenen Figuren, zeichnet sie durch exzessive Mimik, theatralischen Gestus und vor allem den überbetont regionalen Dialekt. Fast sprunghaft wechselt Faber dann wieder in der Perspektive vom Schaffner zu Bröhmann und kommentiert die Situation durch trockene Bemerkungen, die mit Sprachwitz und bemerkenswerten Vergleichen glänzen. So etwa über den Berliner Polizeikollegen, ein gebürtiger Franke, der Bröhmann mit zwanghaftem Berliner Sprech nervt: „Rafael Brunschill spricht wie Lothar Matthäus in der Rolle des Hauptmann von Köpenick.“

Fabers Vogelsberger Landwelt ist von skurrilen Provinzfiguren bevölkert, die der Autor mit überdrehter Charakterdarstellung zuspitzt und mit Elementen moderner Stadtkultur kontrastiert. Eine besondere Eigendynamik entwickelt die groteske Figur des Manni Kreuzer. Völlig losgelöst von der Handlung spielt Faber den 59-jährigen ehemaligen Polizeipraktikanten, der sich vieler Fremdworte bedient, die er alle nicht aussprechen kann, und jetzt Country-Star ist.

Manni fungiert als Bindeglied zwischen den Szenen: Zusammen mit dem Musiker Michael Harries zupft er verdrehte Bluegrass-Klassiker auf der Gitarre. Motiv ist das Schaurig-Komische einer egozentrischen und an sich selbst gescheiterten Verlierer-Gestalt.

Die Porträts der Figuren, Themen wie Missmut und Überkorrektheit oder Fabers Mentalitätszeichnungen einer Region haben trotz aller Wendungen zur absurden Komik etwas wesentlich Ernstes. Dabei bedienen sie sich einer gemeinsamen Quelle: Der Alltagsgeschichten, die der Zuschauer aus eigener Erfahrung schon kennt, in denen er sich wiederfindet. Ihre lustvolle Inszenierung und damit Spiegelung ins Komische bietet die Möglichkeit, sich über das eigentlich Traurige mit Humor zu erheben.

Dietrich Faber: „Tote Hunde beißen nicht. Bröhmann ermittelt wieder“, Verlag rowohlt Polaris, 288 Seiten, 14,99 Euro. Dazu gibt es ein von Dietrich Faber selbst gelesenes Hörbuch: 6 CDs, Random House Audio, 16,99 Euro.

von Ben Wangler

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