Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Brillant und bissig

Marc-Uwe Kling in Marburg Brillant und bissig

Mit Sprachwitz füllt Marc-Uwe Kling mühelos das Audimax. Er braucht dazu nur ein kommunistisches Känguru und Zitate, die er anderen in den Mund legt. "Das ist dann witzig", sagt er. Ist es auch, denn der Saal bebt vor Lachen.

Voriger Artikel
Brüder Grimm mit Gala gefeiert
Nächster Artikel
Rock-Kracher mit Mercedes und Mozart

Marc-Uwe Kling strapazierte mit seinem Programm die Lachmuskeln der Besucher.Foto: Jan Bosch

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Beim letzten Besuch des Künstlers mussten sich noch vierhundert Zuschauer auf zwei Vorstellungen verteilt ins KFZ quetschen, diesmal wurde gleich das Audimax gemietet, was ebenfalls bis auf den letzten Platz mit Fans von schrägen Geschichten rund um ein kommunistisches Känguru und trockene Gesellschaftskritik gefüllt ist.

Kling ist minimalistisch, ein Tisch, ein Stuhl, ein Mikro und ein Wust aus Zetteln reichen aus, um 800 Fans zu begeistern. Genüsslich schmunzelt der Künstler, pardon „Kleinkünstler“ (Zitat: Das Känguru), „...mein Studium habe ich übrigens abgebrochen. So kommt man wesentlich schneller an diesen Platz“, und lässt seinen Blick über die gefüllten Ränge des größten Hörsaals der Marburger Universität schweifen. Mancher Dozent würde sich über so viel Besuch sicher freuen.

In drei Stunden verschießt Kling ein Feuerwerk brillanten Humors. Sein Känguru, welches sich durch die ungezügelte Lust auf Schnapspralinen, anarchistisch-terroristische Tendenzen und ausgeprägtes Danebenbenehmen auszeichnet, ist aufgrund von Problemen mit der Aufenthaltsbehörde seit geraumer Zeit in den Untergrund abgetaucht.

Als Antwort auf Facebook hat es das Asoziale Netzwerk gegründet, eine Anti-Terror-Organisation, die Anti-Terror-Anschläge begeht. Stets gut mit angeklebtem Bart und Hornbrille vor der Staatsmacht getarnt, verfolgt das besserwisserische Beuteltier mit seinen Kumpanen „Kling und Freunde“ einen Pinguin aus der Nachbarwohnung, der Scooter hört und als Vertreter für Tiefkühlkost arbeitet. Das ist natürlich verdächtig...

Herrlich genuschelte Lieder

Zwischen Kängurugeschichten und Besuchen bei seinem psychisch äußerst labilen Psychiater greift Kling immer wieder zur Gitarre oder in die Tasten des Flügels und glänzt mit herrlich monoton genuschelten Liedern.

Mit Julius Fischer, der zu Beginn schon die Gäste „eingelacht“ hat, heilt Kling sich und die Welt mit seinem therapeutisch befreienden Song „Scheißverein“ - gegen Kapitalismus, Staatsmacht und ineffektive Volksvertreter. Brillant und bissig politisch attackieren Marc-Uwe Kling und Julius Fischer, die netten Jungs von nebenan, die Lachmuskeln ihrer Zuschauer. Wer solchen Humor nicht mag, ist hier definitiv in der falschen Veranstaltung.

von Jan Bosch

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr