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Breites Spektrum junger Kunst

Kunstverein zeigt Ausstellung „In Between“ Breites Spektrum junger Kunst

16 Studierende haben Professoren der Kunstakademie Stuttgart für die Ausstellung „In Between“ ausgewählt. Sie wird diesen Freitagabend um 18 Uhr eröffnet.

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Jörg Bauer vom Kunstverein (links) hilft Simon Herkner bei der Platzierung seiner Siebdruckfolien.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Die Ausstellung über den klugen alten Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg ist weg. Die Schau war übrigens eine der erfolgreichsten des Kunstvereins.

Dieser zeigt von Freitag an bis zum 14. Januar junge zeitgenössische Kunst von Studierenden. Das Spektrum reicht von Installationen über Videokunst, von Grafik und Zeichnung bis zur Malerei, von Bildhauerei bis zu Fotografie und Performance. Die Ausstellung soll einen möglichst breiten Querschnitt der Arbeit an der traditionsreichen Kunstakademie Stuttgart zeigen, einer der ältesten ihrer Art in Deutschland.

Professoren haben die 16 Studierenden ausgewählt – sie kommen aus elf Fachklassen und drei Grundklassen der freien Kunst, betont Marion Butsch, an der Kunstakademie zuständig für die Veranstaltungsorganisation. Viele der Studierenden stehen kurz vor dem Abschluss ihres Studiums und damit auch vor der Frage, was sie später einmal mit der großen Freiheit der freien Kunst anfangen werden.

Am Mittwoch sind sie mit einem Siebentonner eingetroffen, haben mit der Einrichtung der Ausstellung begonnen und festgestellt, dass das maßstabsgetreue Modell die Größe des Marburger Kunstvereins nur unzureichend abbildet. „Niemand von uns hat schon jemals so klare weiße Wände und hohe Räume zur Verfügung gehabt“, meinte Jonas Ried (Foto: Badouin) beim Pressegespräch.

Nora Denneberg sprach von „dem schönen Luxus, genügend Raum und genügend Zeit“ für den Aufbau der Ausstellung zur Verfügung zu haben. Doch sind solche Flächen und solch hohe Wände auch eine Herausforderung.

Der Marburger Kunstverein hat viel Erfahrung mit Ausstellungen von Studierenden. Die Schau „In Between“ ist die inzwischen siebte von deutschen Kunstakademien oder Kunsthochschulen. Alle zwei Jahre wird eine Kunstakademie nach Marburg eingeladen, um ihre Arbeit zu dokumentieren, um Studierenden eben diese fast musealen Möglichkeiten zu bieten. Zuletzt war das Bauhaus Weimar in Marburg zu Gast.

Spannend sind diese Ausstellungen immer, weil sie trotz (oder wegen) der Jugend der Künstlerinnen und Künstler eine große Ernsthaftigkeit ausstrahlen, obwohl keiner der Aussteller weiß, ob er oder sie jemals von der Kunst wird leben können. Auch das, wenn auch unausgesprochen, ist Teil einer solchen Präsentation.

Am späten Mittwochnachmittag sah die Ausstellung noch nach „Rohbau“ aus, gewann aber langsam an Konturen. Marion Butsch meinte mit schwäbischem Optimismus: „Keine Sorge, wir kriegen das hin.“ Unterdessen packte der Holzbildhauer Jonas Ried seine „Szenario-Trichter“ aus, die er klassisch mit Kettensäge und 
Schnitzeisen aus einem etwa 300 Jahre alten Eichenstamm herausgearbeitet hat.

Simon Herkner platzierte im Obergeschoss seine großformatigen Siebdrucke: Schwarz sind sie, tiefschwarz mit kaum wahrnehmbaren Unterscheidungen. Daneben arbeitet der Zeichner Michael Schramm direkt auf der Wand. Die Zeichnung soll mit seinen Bildern korrespondieren, die er mitgebracht hat.

Eine sehr politische Arbeit hat die Georgierin Inga Andguladze-Zrener (Foto: Badouin) mitgebracht. 18 Schuheinlagen aus steifer Pappe hat sie mit oft schemenhaften Gesichtern bemalt. Sie stehen sinnbildlich für die „Menschen in der Dritten Welt, die die Waren herstellen, die wir verkaufen“, sagt sie. Sie wolle diesen modernen Sklaven ein Gesicht geben.

Gegenüber lehnen großformatige Gemälde und etwas entfernt ein Triptichon von Jan Jansen an der Wand. Es sind imaginierte Stadtlandschaften, gemalt mit Acryl- und Ölfarbe auf Leinwand. Die menschenleeren Straßenzeilen und Gebäude wecken vage Assoziationen an die 60er und 70er Jahre.

Auch Nora Danneberg hat sich mit der Stadt beschäftigt – aber auf ganz andere Art: Ihre Video-Installation will die „Partitur“ einer Stadt einfangen, „gewonnen“ über die Besetzung von Plätzen in einer Berliner 
S-Bahn, umgesetzt von Chören und Tänzern.

Anette C. Halm hat sich in ihrer Fotoarbeit „Sein und Zeit an einem Tag“ mit Marburg und Martin Heidegger auseinandergesetzt. Sie zeigt eine Serie von 90 Polaroids, angeordnet in drei großen Rahmen. Weitere Arbeiten waren am Mittwoch noch nicht zu sehen.

von Uwe Badouin

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