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„Breathing Space“: Kunst mit Klängen

Clara Oppel im Kunstverein „Breathing Space“: Kunst mit Klängen

Eine ungewöhnliche Ausstellung ist noch bis zum 3. Juni im Marburger Kunstverein zu sehen: Tausende Lautsprecher werden zu Klangkunst-Objekten. 14 Tage lang benötigte die in Graz lebende Künstlerin Clara Oppel, um ihre Ausstellung im Kunstverein gemeinsam mit vielen Helfern aufzubauen.

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Die Künstlerin Clara Oppel hockt im Kunstverein in ihrer Klanginstallation, die aus 5400 Lautsprechern besteht.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Viele tausend Lautsprecher mussten zu aufwendigen Installationen verbunden werden, bevor die ebenso aufwändigen Klangspuren eingerichtet werden konnten. Probleme gab es noch am Samstag, unter anderem, weil ein vermeintlich technisch versierter Besucher eingriff. Inzwischen laufen alle Klangspuren wie gewünscht, hieß es am Mittwoch im Kunstverein.

„Es waren sehr spannende Tage“, berichtete der Kunstvereinsvorsitzende Dr. Gerhard Pätzold bei der Eröffnung am Freitagabend mit Blick auf den Ausstellungsaufbau. „Breathing Space“ ist sicherlich eine der aufwändigsten Ausstellungen des Kunstvereins in den vergangenen Jahren und die bislang größte Einzelausstellung der Künstlerin aus Graz. Möglich wurde sie unter anderem durch die Unterstützung durch das österreichische Bundeskanzleramt, das Land Steiermark und der Stadt Graz.

„Weißes Rauschen“ aus Lautsprechern

„Am Anfang war der Schall“ – so beschrieb Dr. Friedrich Block, Kurator der Stiftung Brückner-Kühner, das Faszinosum der vielfältigen menschlichen Klangwahrnehmung in seiner Einführungsrede. Ein „atmender Raum“, bestehend aus 5400 Lautsprechern, erwartete die zahlreichen Besucher neben weiteren acht außergewöhnlichen Klanginstallationen.

Vogelgezwitscher und Naturgeräusche, Sprachelemente als auch bloßes Tonrauschen, erklingen aus den Installationen von Clara Oppel. Die grenzüberschreitende Sprache von Klang und Bild versucht die Künstlerin dabei hör- und sichtbar zu machen. „Das ist aber nicht immer ganz einfach“, wie Oppel es selbst bei einer ihrer Installationen beschreibt.

„Sfumato“ nennt sich ein Objekt, das wie ein Fensterrahmen aussieht und anstatt der Läden eine Reihe von Lautsprechern eingebaut hat. Die Installation ist benannt nach der Maltechnik Leonardo da Vincis. „Weißes Rauschen“ ertönt dabei aus den besagten Lautsprechern. „Das klingt fast so wie ein vorbeifahrender Zug“, sagte ein interessierter Besucher schmunzelnd.

„Ich zerlege Sprachen“, erklärte die Künstlerin während des Rundgangs durch die Ausstellung. Die akustischen Aufnahmen aus den tönenden Lautsprechern der großen Bodenarbeit stammen von ihren vielen Reisen. „Immer wo ich bin, nehme ich Geräusche auf.“ Die auditiven Aufnahmen entstehen dann später im hauseigenen Tonstudio in ganz unterschiedlichen Kompositionen.

Künstlerin sucht Symbiose von Objekt und Klang

Die bislang größte Ausstellung von Oppel nimmt die Besucher mit auf eine Reise akustischer Signale im Raum. In „Be One“, einem aus Lautsprechern gefertigten Schriftzug, sind Aphorismen und Kurzgedichte zu hören. Im Erdgeschoss sind Lautsprecher in von der Decke hängenden Kissen oder in Tulpenblüten versteckt, aus denen ein leises Rauschen entweicht. „Der Sound verhält sich überall anders“, so die Künstlerin.

Die Klänge sind dabei nicht musikalisch oder harmonisch aufeinander abgestimmt, sie verfolgen eigene Strukturen und machen Unsichtbares hörbar. „Es ist faszinierend, Dinge einmal auf eine andere Weise auf sich wirken zu lassen. Ich bin sehr beeindruckt“, sagte Besucherin Mechthild Trimborn aus Wettenberg.

Die vielfach ausgezeichneten Klang-Installationen verinnerlichen den grundlegenden Aspekt der Arbeiten: „Es geht um die Symbiose von Objekt und Klang“, resümierte Clara Oppel.

  • Die Ausstellung ist bis zum 2. Juni zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Mittwoch von 11 bis 20 Uhr. Jeden Samstag um 16 Uhr finden Führungen statt. Der Eintritt ist frei.

von Arnd Hartmann und Uwe Badouin

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