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Ein Blick auf die rechte Szene

„Brauner Tag“ im Landestheater Ein Blick auf die rechte Szene

Das Hessische Landestheater richtet gemeinsam mit der „Antifaschistischen Bildungsinitiative“ den Blick auf Deutschlands rechte Szene. Dazu gibt es Brechts „Arturo Ui“ und Lauckes „Furcht und Ekel“.

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Szenen aus „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ (links) und aus „Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. „Wir sind von der Entwicklung in Deutschland und in der Welt überrascht“, sagt Franz Burkhard, Chefdramaturg am Hessischen Landestheater. „Als wir den Spielplan für die Spielzeit 2016/17 gemacht haben, war nicht klar, dass die AfD so erfolgreich wird, waren Reichsbürger und Identitäre fast unbekannt.“

Und doch hatten die Theatermacher offensichtlich das richtige Gespür für die Thematik Populismus, Rassismus: Sie haben mit Bertolt Brechts Klassiker „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ und Dirk Lauckes „Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“ zwei Stücke ins Repertoire genommen, die den Blick auf populistische und rassistische Tendenzen richten.

Brechts „Arturo Ui“ beschreibt den Aufstieg Hitlers als Gangsterballade, die heute wieder erschreckend aktuell wirkt. In Lauckes „Furcht und Ekel“ kommen in Form einer Szenencollage Lehrer und Buchhändler ebenso zu Wort, wie Hallenser Proleten. Dieses aufwändig recherchierte „Panoptikum des Abstoßenden“ macht deutlich, wie verbreitet Rassismus im Alltag des wiedervereinigten Deutschlands ist. Das Landestheater wurde, wie Burkhard erklärte, mit dem Stück zu den Hessischen Theatertagen nach Darmstadt eingeladen.

Karten

Karten für die Vorstellungen und das Konzert gibt es an der Theaterkasse im Erwin-Piscator-Haus, Telefon 06421/25608. Beim Kauf einer Karte ist der Besuch eines Workshops inklusive. Anmeldungen nur für die Workshops unter f.burkhard@theater-marburg.de.

Rund um die beiden Stücke – „Furcht und Ekel“ ist um 16.30 Uhr, „Arturo Ui“ um 19.30 Uhr zu sehen – haben Burkhard und sein Kollege Simon Meienreis gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verein „Antifaschistische Bildungsinitiative Marburg“ (Antifabi) vier Workshops organisiert: „Außen bunt, innen braun – Neue (?) Formen rechten Denkens“, heißen sie. Die ersten beiden um 15 Uhr sind bereits ausgebucht, Plätze gibt es noch für die Workshops um 17 und 19.30 Uhr.

Um 19.30 Uhr beginnt im ­Anschluss an „Arturo Ui“ eine Podiumsdiskussion mit der Marburger Politikwissenschaftlerin, Professorin Ursula­ Birsl, ­Andreas Goerke vom Verein „Fulda stellt sich quer“, dem Autor und Poetry-Slammer Temy Tesfu und dem ­Autor Dirk Laucke, der per Video zugeschaltet wird. ­Moderiert wird die Diskussion 
von Simon Meienreis.

Der „Braune Tag“ endet mit einem Konzert der Berliner Punk- und Krautrock-Band „Vögel, die Erde essen“ um Jan Preißler, der auch die Musik geschrieben hat, die in dem Stück „Furcht und Ekel“ eine zentrale Rolle spielt.

„Immer wieder müssen wir feststellen, wie schwer es ist, das ewig Gestrige loszuwerden. ­Rassismus, Antisemitismus und Sexismus leben auch im 21. Jahrhundert noch fort in der Gesellschaft und ihren Bürgern“, teilt das Landestheater mit.

Erfahrungen mit vielfältigen Formen von Rassismus macht auch das Beratungsnetzwerk Antifabi. Rieke Thomas, die stellvertretende Vorsitzende, betont den hohen Organisationsgrad der neuen Rechten in Deutschland, etwa bei den sogenannten Reichsbürgern und anderen Organisationen. Zudem registriere der Verein zunehmend Hass-Kommentare in sozialen Onlinemedien „gegen Leute, die sich beispielsweise für eine offene Gesellschaft einsetzen“. Das gehe bis zu Morddrohungen gegen Personen und deren Familien.

Zur neuen Rechten zählt sie auch die identitäre Bewegung, die mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf sich aufmerksam machten und ebenfalls gut vernetzt seien.

von Uwe Badouin

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