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Böhmische Freude an Weihnachten

Weihnachtskonzert in der Pfarrkirche Böhmische Freude an Weihnachten

In der Lutherischen Pfarrkirche wurde es am Samstag richtig weihnachtlich. Besonders die böhmische Hirtenmesse von Jakub Jan Ryba begeisterte die 300 Zuhörer mit ihrem Schwung und ihrer Freude auf das schöne Fest.

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Der Prager Sängerbund „Hlahol“, der gemischte Chor Petershausen und das Marburger Kammerorchester muszizierten gemeinsam.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Zuvor erklang das „Oratoire de Noël“ von Camille Saint-Saëns. Sanft setzten die Streicher des Marburger Kammerorchesters ein zu einem tollen Zusammenspiel mit der Orgel.

Es war ein wunderschöner und warmer Klang, der nur vereinzelt von einigen Unreinheiten der Streicher etwas gedämpft wurde. Der zarten, romantischen Stimmung wurde beim Trio durch den Einsatz der Harfe die Krone aufgesetzt. An der Harfe saß Cordula Poos, die seit Jahren auch am Gießener Stadttheater spielt.

Hier zeigte sich schon die tolle Zusammenarbeit der beiden männlichen Solisten. Die Sopranistin Adéla Velová schien sich mehr auf sich selbst zu konzentrieren. Der letzte „Chor“ mit allen fünf Solisten und den beiden Chören war vom ersten Ton an herrlich kräftig und warm. Ein absolut würdiger Abschluss für das klangschöne Werk.

Bei der Böhmischen Hirtenmesse war es fast verwunderlich, dass es sich „Messe“ nennt. Denn außer den bekannten Bezeichnungen klang hier nichts nach einer traditionellen lateinischen Messe. Das war aber von Ryba bewusst so gewählt als er 1796 seine Böhmische Hirtenmesse komponierte. Er wählte die Strukturmerkmale der traditionellen Messe, um so den Zugang zu den Zuhörern zu finden.

Allerdings fand er, dass sich die lateinische Sprache weder für die Sänger noch für das Publikum eignete. Daher komponierte er seine Messe in der tschechischen Sprache und setzte sie auch in eine böhmische Umgebung. Es war also mehr ein Hirtenspiel, das sehr bildreich die Geschehnisse um die Geburt des Christuskindes erzählte. Man merkte, dass diese Komposition in die Zeit Smetanas entstand. Ebenso wie Smetanas große Heimatkomposition „Ma Vlast“, aus der man vor allem „Die Moldau“ kennt, ist auch Rybas Hirtenmesse sehr programmatisch angelegt.

In diesem Werk gingen die Sänger und Musiker in der Pfarrkirche voll auf. Besonders die männlichen Solisten Martin Slavik (Tenor) und Jan Morávek (Bass) waren hervorragend. Einzig die dicke Daunenjacke des Tenors passte nicht ganz ins Bild.

Beide trieben die Geschichte voran und lebten die Vorfreude beim Gesang richtig aus. „Meister, schau! Steh schnell auf“, so beginnt das Kyrie durch den Tenor. Ebenso strahlten die Sänger des Prager Sängerbundes „Hlahol“ und des Gemischten Chores Petershausen. Zusammen mit den Musikern des Marburger Kammerorchesters machten sie mit Pauken und Trompeten nicht nur den „Schlusschor“ zu einem prächtigen Erlebnis.

von Mareike Bader

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