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Blutige Schauergeschichte

Studenten spielen Sweeney Todd Blutige Schauergeschichte

Gut ein Jahr lang hat die Marburger English dramagroup an „Sweeney Todd“ gearbeitet. Am Freitag war Premiere in der ausverkauften Waggonhalle.

Marburg. Neu ist der Stoff nicht: 1846 erschien erstmals die Erzählung vom mordenden Barbier Sweeney Todd. Zahlreiche verschiedene Fassungen der Geschichte folgten, die als Musical und Theaterstück erzählt und verfilmt wurde. Jetzt hat sich die Theatergruppe des Fachbereichs für Anglistik/ Amerikanistik der Philipps-Universität an die Schauergeschichte gewagt. Mit Erfolg. Die Premiere von „Sweeney Todd - The Demon Barber of Fleet Street“ am Freitag war ausverkauft, 100 Zuschauer kamen in die Waggonhalle um sich das neue Stück der dramagroup anzusehen - das natürlich in englischer Sprache gespielt wurde.

Einst vom böswilligen Richter Turpin (Jens Wetekam) zur Gefängnisstrafe verurteilt, seiner Frau Lucy (Laura Sophie Nachtigall) und Tochter Johanna (Charly Cremer) entrissen und sich selbst entfremdet, kehrt der Barbier Sweeney Todd (Alexander Debney) zurück in seine Heimatstadt London - und schwört der Welt Rache. Er eröffnet einen ganz speziellen „barber shop“ in der Fleet Street: Dort lassen Sweeneys Kunden nicht ihre Haare, sondern ihr Leben. Sweeneys Gespielin Mrs. Lovett, verkörpert durch Katrin Wittenberg, sorgt für eine spurenlose Beseitigung der Ermordeten, die kurzerhand zur Zutat ihrer „meat pies“ werden.

Auf der Bühne spielen sich wahrhaft schauerliche Szenen ab: Der Richter Turpin geißelt sich mit einem Ledergürtel, Blut spritzt aus einer Box, in der der Barbier Pirelli (Katharina Wood) mit aufgeschlitzter Kehle liegt, blutige Torsos schmücken den Keller, in dem Sweeneys Opfer landen. Dem Mörder verleiht Darsteller Debney eine Ernsthaftigkeit und kühle Gelassenheit, dass es einen schaudert.

Auch die ruhigeren Passagen, wie die Gespräche mit Mrs. Lovett oder die Monologe, wirken: Mit seiner dunklen Stimme und einer sprechenden Körperhaltung bringt Debney dem Publikum seine Rolle nahe. Gleichermaßen fesselnd spielt Wittenberg die Mrs. Lovett. Vom Piepsen zum Raunen, von sich überschlagenden Sätzen zu gekonnt übertriebenen Betonungen, von ungeduldigen Seufzern zu nervösen Lachern: Die Studentin schöpft ihr stimmliches Repertoire zur hörbaren Freude des Publikums voll aus.

Dass in englischer Sprache aufgeführt wird, scheint den Zuschauern keine Schwierigkeiten zu bereiten. „Ich habe keine besonderen Englischkenntnisse, aber das Spiel ist so gut, dass ich die Handlung verstehen kann“, sagt Barbara Nachtigall, deren Tochter auf der Bühne steht. Ähnlich beurteilen das auch die jüngsten Zuschauer: „Manche Wörter verstehen wir nicht, aber den Sinn schon“, sagen die beiden Siebtklässler Ida Feuring und Kenan Fazio, die wegen Stefanie Hoffman, der Darstellerin des Gerichtsdieners gekommen sind.

Gut ein Jahr hat die elfköpfige Theatertruppe das Stück eingeübt, erzählt Wittenberg. „Die letzten zwei Wochen waren besonders hart.“ Seit zwei Jahren sind die beiden Hauptdarsteller Katrin Wittenberg und Alexander Debney in der dramagroup; Stefanie Hoffmann schon vier Jahre. Die Wahl des Theaterspiels sei auf Sweeney Todd gefallen, weil die Gruppe das Publikum mit einem bekannten Stück ansprechen wollte, erklärt die Studentin: „Wir nehmen Stücke, die uns Spaß machen, schauen aber auch, ob ein Stück passende Rollen hat.“ Orientiert hat sich die Gruppe an der Fassung von Christopher Bond aus den 70ern. „Die einzige Änderung ist das Lied am Anfang, das haben wir vom Musical übernommen und hinzugefügt“, ergänzt Debney.

Am Sonntag und Montag stand die dramagroup zwei weitere Male auf der Bühne.

von Nina Sonnabend

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