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Blicke auf Menschen und Lebenswelten

Crossing Views im Kunstverein Blicke auf Menschen und Lebenswelten

Rund 90 Arbeiten von sieben Künstlerinnen und Künstlern von der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst sind bis 19. September im Kunstverein zu sehen. Die Ausstellung wird am Freitag, 2. August, um 18 Uhr eröffnet.

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„Ruhendes Mädchen“ nennt Oskar Schmidt dieses Foto: Er zeigt in sich gekehrte Frauen in leer geräumten Wohnungen.Fotos: Kunstverein

Marburg. Der Kunstverein hat für die Ausstellung „Crossing Views - Fotografie aus Leipzig“ einen renommierten Kurator gewonnen: Professor Kai-Uwe Schierz, Leiter der Kunsthalle Erfurt, hat die sieben Fotografinnen und Fotografen sowie die Arbeiten ausgewählt und die Ausstellung im Kunstverein konzipiert. Der Kunstverein zeigt 90 oft sehr großformatige Arbeiten von Joachim Brohm, Silke Koch, Andrej Krementschouk, Nadin Maria Rüfenacht, Hans-Christian Schink, Oskar Schmidt und Erasmus Schröter, der im Kunstverein bereits mit einer Einzelausstellung vertreten war. Sie alle sind Lehrende, Absolventen und Studierende der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Die Ausstellung wird sehr spannend präsentiert. Das Erdgeschoss gehört den Menschen. Dort sind Porträts und inszenierte Szenen von Erasmus Schröter, Oskar Schmidt und Nadin Maria Rüfenacht zu sehen. Die Schweizerin hat Kinder in Szene gesetzt: Sie stehen perfekt ausgeleuchtet auf kleinen Hockern vor schwarzem Hintergrund und blicken sehr ernst in die Kamera.

Ihnen gegenüber hat Kurator Schierz die streng inszenierten großen Porträts von Schröter gestellt: Sie zeigen Menschen aus der großen Leipziger Gothic-Szene. Komplettiert wird das Erdgeschoss durch die surreal anmutenden Fotografien von Oskar Schmidt, der junge Frauen in ausgeräumten Wohnungen abgebildet hat.

Das Obergeschoss gehört im weitesten Sinne den Landschaften. Hans-Christian Schink zeigt Langzeitbelichtungen, die Traumlandschaften in Schwarz-Weiß erschafft - mit einer Sonne, die aufgrund seiner Fototechnik als schwarzer Strich erscheint.

Ungeheuer spannend ist die Tschernobyl-Serie von Andrej Krementschouk, der in die verseuchte Todeszone gereist ist und dort Menschen gefunden hat, die sich in dem verwaisten Gebiet wieder niedergelassen haben.

Gegenüber hängen Silke Kochs Ansichten aus New Leipzig, einem Ort im Mittleren Westen der USA: Diese Stadtansichten wirken öder und leerer als die aus dem verseuchten Tschernobyl.

Joachim Brohm schließlich hat die portugiesische Insel Culatra besucht und ausschließlich Hinterlassenschaften von Menschen mitgebracht: alte Autos, Boote, Hütten. Der Mensch ist in diesen sonnenverbrannten Bildern nur zu ahnen.

Kurator Schierz spürt mit „Crossing Views“ der Frage nach, ob es eine „Fotografie speziell Leipziger Prägung“ gibt - vergleichbar mit der von Malern der Leipziger Schule und der Neuen Leipziger Schule.

Die Ausstellung „Crossing View“ ist bis zum 19. September zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Mittwoch von 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

von Uwe Badouin

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