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Blick in die Zeit des Faschismus in Chile

Waggonhalle: Ensemble „Ventana al Sur“ Blick in die Zeit des Faschismus in Chile

Der chilenische Nationaldichter Pablo Neruda stand im Zentrum eines Theaterstückes, das das Ensemble „Ventana al Sur“ bei der Semana Latina präsentierte.

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Im Würzburger Ensemble „Ventana al Sur“ spielen Deutsche und Latinos gemeinsam Theater. Sie wollen mit ihren Stücken den kulturellen Austausch fördern.

Quelle: Nigar Ghasimi

Marburg. Treffend nennt sich das Theater Ensemble „Ventana al Sur“, das im Rahmen während der Semana-Latina am Sonntag auf der Bühne der Waggonhalle stand.

In Würzburg lernte sich das Ensemble vor einigen Jahren kennen. Sie vereinen Länder und Kulturen ganz Südamerikas, aber auch Deutsche gehören zur Companie. Wie der Name verkünden lässt, ist es das erklärte Ziel, „das Fenster zum Süden“ zu öffnen. So auch mit dem spanischsprachigen Theaterstück „El Cartero de Neruda“, zu deutsch: „Der Postbote von Neruda“.

Dem Dichter und Schriftsteller Pablo Neruda zu Ehren verfasste der Chilene Antonio Skarmata einen Roman, in dem er die Freundschaft zwischen dem Postboten Mario Jimenez und seinem einzigen Kunden Pablo Neruda thematisiert.

Hauptfiguren durchleben Verwandlung

Marios Unbeholfenheit und mangelnde Schulbildung stehen Begeisterungsfähigkeit und Willensstärke gegenüber. Neruda, der ab der ersten Szene als großmütiger und hilfsbereiter Mann von Welt auftritt, soll ihm mit der Kraft der Poesie helfen, seine angebetete Beatrix zu erobern, deren Mutter Rosa es ihm nicht leicht machen will.

Alle Protagonisten machen im Verlauf des Stücks eine Metamorphose durch. Neruda wird alt und krank, die Zeichen der Zeit verschonen ihn nicht. Beatrix wird durch die Ehe und Mutterschaft geerdet und wandelt sich vom verträumten Mädchen zur Frau. Und da wäre noch die Mutter, die von der besorgten, sehr temperamentvollen aber auch pragmatischen Dame zur liebevollen Großmutter wird.

Aber die wahrscheinlich stärkste Entwicklung erfährt Mario Jimenez, der von einem unbedarften Jüngling mit wenig Bildung zu einem Zuhörer, Poeten und politischen Aktivisten heranwächst, der letztlich jedoch in den Tod gehen muss. So, wie es das Schicksal zahlreicher Chilenen unter der Diktatur Pinochets war.

Die einzige Konstante bildet die Erzählerfigur, die den Zuschauer immer wieder mit 
Hintergrundinformationen versorgt: „Wir wollten das klassische Theater durchbrechen und in einen direkteren Kontakt mit dem Publikum kommen“, sagt die Schauspielerin Yuli Vacaflores, die im Stück über die politischen Begebenheiten der 60er- und 70er-Jahre aufklärt sowie über Nerudas letzte Lebensjahre.

Neruda gilt in Chile als Nationalheld

Die nonverbale Sprache, die die Laienschauspieler auf hohem Niveau beherrschen, ist so ausdrucksstark, dass das Stück auch ohne Kenntnisse der spanischen Sprache verfolgt werden konnte. Somit erfüllen sie ihren Anspruch, den Austausch zu fördern und Interessierte, auch ohne Sprachkenntnisse, mit einzubeziehen. Und auch wenn der Saal bei Weitem nicht ausverkauft ist, spielen die Schauspieler mit Energie und Charme wie vor vollem Haus.

Pablo Neruda, ist einer der bedeutendsten Dichter und Schriftsteller Lateinamerikas. Der 1973 verstorbene chilenische Literaturnobelpreisträger sprach sich entschieden gegen den Faschismus aus und gilt in seiner Heimat als Nationalheld. Der Dichter des Volkes, wie er sich selbst nannte, erhob oft seine Stimme gegen die 
politischen Zustände in seinem Land.

Wie viele andere Regimegegner war auch er gezwungen, seine Heimat zu verlassen und ins Exil zu gehen. Aufgrund seines Engagements erhielt er, wie unter anderem Picasso, der ihn im Kampf gegen den Faschismus unterstützte, den Preis des Weltfriedenskongresses.

von Nigar Ghasimi

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